Serie A startet: Wer jagt Meister Inter?
von belmedia Redaktion Allgemein Europa Events Fussball Magazine nachrichtenticker.ch Orte soccer.ch Spiele Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Vereine Ⳇ Verbreitung
Heute Abend beginnt in Italien wieder der Kampf um den Scudetto. Meister Inter startet als klare Referenz in die Serie-A-Saison 2026/27, doch Napoli, Juventus, Milan, Roma und Überraschungsteam Como haben gute Gründe, sich mehr auszurechnen als eine Statistenrolle.
Für Schweizer Fussballfans kommt eine zusätzliche Perspektive hinzu: Manuel Akanji verteidigt mit Inter den Titel, Ardon Jashari will bei Milan den nächsten Schritt machen, Simon Sohm beginnt ein neues Kapitel in Venedig und auch Parma besitzt mit Sascha Britschgi einen jungen Schweizer. Nach einer Saison voller Überraschungen deutet vieles darauf hin, dass Italiens Meisterschaft erneut deutlich offener werden könnte, als es die Favoritenrolle des Titelverteidigers vermuten lässt.
Am heutigen Samstag, 22. August 2026, fällt der Startschuss. Um 18.30 Uhr empfängt Inter Aufsteiger Monza, gleichzeitig spielt Udinese gegen Como. Um 20.45 Uhr folgen Genoa gegen Napoli sowie Parma gegen Cagliari. Am Sonntag steigen unter anderem Juventus bei Frosinone und Milan in Turin ein, ehe am Montag Bologna gegen Lazio und Roma gegen Fiorentina die erste Runde abschliessen.
Es ist der Beginn einer Meisterschaft, die sportlich einige bemerkenswerte Ausgangslagen bietet. Inter kommt als Double-Sieger, Napoli hat einen neuen Trainer, Milan versucht einen weiteren Neustart, Juventus befindet sich weiterhin in einer Aufbauphase und Como muss beweisen, dass die sensationelle vergangene Saison kein einmaliges Hoch war.
Dass Fussball längst weit über die 90 Minuten hinaus ein gesellschaftliches Ereignis ist, zeigte in der Schweiz zuletzt auch die enorme Bedeutung von Stadien, Fanbereichen und gemeinsam erlebten Fussballereignissen. Italien besitzt diese Kultur seit Generationen – und die Serie A lebt weiterhin stark von der Identifikation mit Städten, Regionen und Vereinen.
Inter startet als Mannschaft, die es zu schlagen gilt
Die Ausgangslage an der Spitze ist eindeutig. Inter gewann die Meisterschaft 2025/26 mit 87 Punkten und sicherte sich den 21. Scudetto der Vereinsgeschichte. Die Mannschaft von Cristian Chivu erzielte 89 Tore – der höchste Serie-A-Wert des Klubs innerhalb der vergangenen fünf Spielzeiten – und gewann zusätzlich die Coppa Italia.
Chivus erste vollständige Saison als Trainer einer Profimannschaft hätte damit kaum erfolgreicher verlaufen können. Inter verband defensive Stabilität mit grosser offensiver Qualität und setzte sich am Ende klar von den Verfolgern ab. Lautaro Martínez wurde mit 17 Treffern Torschützenkönig.
Im Sommer hat der Meister seinen Kader keineswegs nur verwaltet. Mit John Stones kam zusätzliche internationale Erfahrung für die Defensive, Djed Spence verstärkt die rechte Seite. Gleichzeitig verliess unter anderem Denzel Dumfries den Klub. Der Kern um Lautaro, Marcus Thuram, Nicolò Barella, Federico Dimarco und Manuel Akanji besitzt dennoch weiterhin enorme Qualität.
Auch die Einschätzungen unmittelbar vor Saisonbeginn sind klar: Die aktuellen Titelmärkte sehen Inter deutlich vor allen Konkurrenten. Das ist keine Garantie für den nächsten Scudetto, zeigt aber, wie stark der Meister momentan eingeschätzt wird.
Napoli beginnt sein Jubiläumsjahr mit Allegri
Der erste ernsthafte Herausforderer kommt aus Neapel. Napoli beendete die vergangene Saison mit 76 Punkten auf Platz zwei. Für die neue Spielzeit hat Massimiliano Allegri die Mannschaft übernommen.
Der Wechsel ist bemerkenswert. Allegri gehört zu den erfahrensten italienischen Trainern seiner Generation und kennt den Kampf um den Scudetto aus seiner langen Zeit bei Juventus und Milan. Bei seiner offiziellen Vorstellung machte er deutlich, dass Napoli nicht nur in der Meisterschaft, sondern auch in Champions League und Coppa Italia ambitioniert auftreten soll.
Der Kader besitzt dafür weiterhin erhebliche Qualität. Kevin De Bruyne gehört auch mit 35 Jahren zu den technisch herausragenden Mittelfeldspielern Europas. Scott McTominay, Matteo Politano und die übrige Achse der Mannschaft geben Allegri eine starke Basis. Romelu Lukaku hat den Klub dagegen verlassen und wechselte im August zu Fenerbahçe.
Wie gross die Aufmerksamkeit für internationalen Spitzenfussball auch bei Schweizer Zuschauern bleibt, wurde gerade erst während der WM sichtbar. Eine Analyse der Streaming-Nutzung zeigte ein aussergewöhnlich hohes Zuschauerinteresse und starke Nutzung selbst bei Spielen zu ungünstigen Uhrzeiten. Serie-A-Klubs profitieren auch in der Schweiz von diesem weiterhin grossen Interesse am internationalen Fussball.
Roma und Como haben die Hierarchie bereits verändert
Wer nur auf die traditionellen Grossklubs schaut, übersieht zwei der interessantesten Geschichten der letzten Saison.
Roma wurde unter Gian Piero Gasperini mit 73 Punkten Dritter und qualifizierte sich erstmals seit der Saison 2017/18 wieder für die Champions League. Gasperini bleibt auch 2026/27 im Amt. Seine Mannschaft muss nun beweisen, dass sie Liga und europäischen Spitzenfussball gleichzeitig bewältigen kann.
Noch spektakulärer war Como. Der Klub von Cesc Fàbregas sammelte 71 Punkte, gewann 20 Spiele und erzielte 65 Tore. Platz vier bedeutete die erste Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb in der Klubgeschichte – und gleich die Champions League.
Damit verdrängten Roma und Como zwei Schwergewichte. Milan wurde mit 70 Punkten Fünfter, Juventus mit 69 Punkten Sechster. Beide verpassten die Champions League.
Für Schweizer Zuschauer bleibt die Königsklasse dennoch eng mit der Serie A verbunden: Inter, Napoli, Roma und Como vertreten Italien in der Champions League. Für die Zeit darüber hinaus ist bereits geklärt, dass der wichtigste europäische Klubwettbewerb weiterhin umfassend in der Schweiz übertragen wird.
Milan setzt auf Rúben Amorim und einen neuen Mittelstürmer
Ein fünfter Platz genügt den Ansprüchen von Milan nicht. Der Klub hat deshalb erneut eine klare Veränderung vorgenommen: Seit diesem Sommer trainiert Rúben Amorim die Rossoneri.
Der Portugiese steht für eine klar strukturierte Spielidee, aggressives Pressing und eine flexible Dreier- beziehungsweise Fünferkette. Entscheidend wird jedoch sein, wie schnell er diese Vorstellungen auf seinen neuen Kader übertragen kann.
Im Angriff hat Milan mit Gonçalo Ramos einen prominenten Neuzugang verpflichtet. Der portugiesische Nationalstürmer kam von Paris Saint-Germain und unterschrieb bis 2031. Neben Rafael Leão, Christopher Nkunku und weiteren offensiven Optionen besitzt Amorim damit erhebliche Qualität.
Für die Schweiz besonders interessant ist Ardon Jashari. Der 24-Jährige geht in seine zweite Saison bei Milan. Sein erstes Jahr wurde mehrfach durch Verletzungen gebremst. In der Vorbereitung auf die neue Spielzeit stand er wieder mit der Mannschaft auf dem Platz. Für Jashari geht es nun darum, sich dauerhaft in einem Mittelfeld durchzusetzen, das mit Spielern wie Luka Modrić, Adrien Rabiot, Samuele Ricci oder Youssouf Fofana stark besetzt ist.
Juventus darf sich mit Platz sechs nicht zufriedengeben
Auch Juventus beginnt die Saison mit erheblichem Druck. Die Turiner beendeten die vergangene Meisterschaft nur auf Platz sechs. Für einen Klub, der mit 36 Meistertiteln italienischer Rekordchampion ist, kann das nicht der dauerhafte Anspruch sein.
Luciano Spalletti bleibt Trainer. Seine Aufgabe besteht darin, aus einem talentierten, aber zuletzt nicht immer konstanten Kader wieder eine Mannschaft zu formen, die über 38 Spieltage mit Inter und Napoli mithalten kann.
Juventus hat im Sommer unter anderem die Defensive verstärkt. Erst vor wenigen Tagen wurde die Verpflichtung von Jhon Lucumí bestätigt. Mit Manuel Locatelli, Khéphren Thuram, Kenan Yıldız und weiteren Spielern besitzt Spalletti auch in anderen Mannschaftsteilen viel Qualität.
Der Klub selbst spricht offen von einer Wiederaufbauphase. Genau darin liegt das Spannungsfeld: Juventus muss sich entwickeln, gleichzeitig erlaubt die eigene Geschichte kaum eine Saison ohne grosse Erwartungen.
Die Schweizer Perspektive hat sich im Sommer stark verändert
In den vergangenen Jahren war die Serie A für Schweizer Fans besonders attraktiv, weil mehrere Nationalspieler bei wichtigen Klubs eine zentrale Rolle spielten. Einige bekannte Namen sind in diesem Sommer allerdings verschwunden.
Yann Sommer verliess Inter nach drei Jahren und wechselte zum belgischen Meister Club Brügge. Remo Freuler beendete nach drei erfolgreichen Spielzeiten seine Zeit bei Bologna und schloss sich Olympiakos an. Zachary Athekame wurde von Milan an Olympique Lyon ausgeliehen.
Der prominenteste Schweizer der Serie A ist damit nun Manuel Akanji. Der 31-jährige Innenverteidiger spielte in seiner ersten Inter-Saison 45 der 52 Pflichtspiele und war ein wichtiger Bestandteil der Mannschaft, die Meisterschaft und Cup gewann. Nach seiner WM mit der Schweiz ist er inzwischen wieder vollständig im Training und gehört weiterhin zum Kern von Chivus Defensive.
Bei Milan richtet sich der Blick auf Ardon Jashari. Technisch und strategisch besitzt er alles, um sich auf diesem Niveau dauerhaft zu etablieren. Nach einer schwierigen ersten Saison ist vor allem entscheidend, dass er gesund bleibt und regelmässig Spielminuten erhält.
Eine besonders interessante Veränderung betrifft Simon Sohm. Der ehemalige FCZ-Spieler wechselte Anfang August leihweise von Fiorentina zu Aufsteiger Venezia; der Klub besitzt eine Kaufoption. Sohm bestritt in der vergangenen Saison über alle Wettbewerbe hinweg 37 Partien für Fiorentina und Bologna.
Und bei Parma steht mit Sascha Britschgi ein erst 19-jähriger Schweizer im Kader. Der frühere Nachwuchsspieler des FC Luzern gehört auch in der Vorbereitung 2026/27 zur ersten Mannschaft.
Como ist mehr als ein sympathischer Aussenseiter
Besonders schwer einzuschätzen ist Como. Ein vierter Platz kann bei einem kleineren Klub leicht als einmalige Ausnahmesaison abgetan werden. Die Leistungen der vergangenen Spielzeit sprechen jedoch gegen diese einfache Erklärung.
20 Siege, 71 Punkte und 65 Tore über 38 Spieltage entstehen nicht durch Zufall. Fàbregas hat in Como eine technisch starke Mannschaft aufgebaut, die Ballbesitz nicht nur zur Kontrolle nutzt, sondern gezielt Chancen kreiert.
Die neue Herausforderung heisst Belastung. Champions-League-Spiele verlangen Reisen, Rotation und Regeneration. Gerade für einen Klub ohne jahrelange Erfahrung auf diesem Niveau wird sich zeigen, wie tief der Kader tatsächlich ist.
Trotzdem gehört Como zu den Mannschaften, die man nicht mehr als Überraschung behandeln darf. Wer erneut um die Champions-League-Plätze spielen will, muss die Lombarden ernst nehmen.
Inter hat den Vorteil der Kontinuität – aber auch den grössten Druck
Eine Meisterschaft zu gewinnen und einen Titel zu verteidigen sind zwei unterschiedliche Aufgaben.
Inter startet mit dem stärksten Gesamtpaket. Chivu kennt seine Mannschaft, die wichtigsten Achsen sind eingespielt und die Neuzugänge erhöhen die taktischen Möglichkeiten.
Doch die Konkurrenz hat ebenfalls Argumente. Napoli besitzt mit Allegri einen Trainer, der weiss, wie Meisterschaften gewonnen werden. Roma hat unter Gasperini bereits bewiesen, dass sie konstant punkten kann. Milan verfügt über eine neue sportliche Idee und erhebliche Offensivqualität. Juventus kann sich ohne Champions-League-Belastung stärker auf die nationale Meisterschaft konzentrieren. Como hat nichts mehr zu beweisen, aber weiterhin enormen Ehrgeiz.
Dazu kommen Atalanta, Lazio und Bologna, die zwar momentan nicht zur ersten Reihe der Titelfavoriten gerechnet werden, aber stark genug sind, den Grossen regelmässig Punkte abzunehmen.
Der erste Spieltag liefert sofort interessante Prüfungen
Der Meister bekommt heute mit Monza zunächst einen Aufsteiger. Das klingt auf dem Papier nach einer dankbaren Aufgabe, doch gerade erste Spieltage sind häufig schwieriger als erwartet. Abstimmung, Fitness und Automatismen sind im August noch nicht vollständig entwickelt.
Napoli beginnt am Abend in Genoa. Como muss auswärts bei Udinese antreten. Juventus reist am Sonntag zu Frosinone, Milan nach Turin. Am Montag wartet mit Roma gegen Fiorentina bereits das erste Duell zweier Mannschaften mit europäischen Ambitionen.
Es wäre unseriös, aus diesen ersten 90 Minuten bereits grosse Saisonurteile abzuleiten. Aber sie zeigen sofort, welche Mannschaften ihre Vorbereitung erfolgreich in den Wettbewerb übertragen können.
Eine Saison mit einem Favoriten – aber ohne sicheren Sieger
Die Serie A startet 2026/27 mit einer klaren Nummer eins. Inter ist Meister, Cupsieger und besitzt weiterhin den stärksten Kader in der Breite.
Doch dahinter ist die Lage ungewöhnlich interessant.
Napoli beginnt eine neue Ära unter Allegri. Milan versucht es mit Amorim. Juventus will endlich wieder dauerhaft um den Scudetto kämpfen. Roma möchte den dritten Rang bestätigen. Como hat aus einer Sensation eine Champions-League-Teilnahme gemacht.
Für Schweizer Fans kommen Akanji, Jashari, Sohm und Britschgi hinzu. Gleichzeitig zeigt der Abschied von Sommer und Freuler, dass auch die Schweizer Generation in Italien gerade einen Wandel erlebt.
Inter geht als Favorit in die Saison. Aber die vergangenen zwölf Monate haben gezeigt, wie schnell sich die Hierarchie in Italien verändern kann. Ab heute zählt deshalb nicht mehr, wer im August den stärksten Kader auf dem Papier besitzt. Ab heute zählt wieder jeder Punkt.
Quelle: belmedia-Redaktion
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