Tabea Schmid verpasst die EM – Comeback braucht noch Zeit

Die Schweizer Handball-Nationalmannschaft muss bei der Europameisterschaft im Dezember aller Voraussicht nach ohne Tabea Schmid auskommen. Die 23-jährige Kreisläuferin arbeitet nach ihrem schweren Kreuzbandriss weiter am Comeback, sieht die EM aber selbst als zu frühen Zeitpunkt für eine Rückkehr auf höchstem Wettkampfniveau. Statt auf dem Feld könnte eine der wichtigsten Schweizer Spielerinnen ihr Team in Rumänien zumindest zeitweise von der Tribüne aus unterstützen.

Schmid verletzte sich am 7. Dezember 2025 im letzten WM-Spiel gegen Rumänien schwer am rechten Knie. Neben dem Kreuzband wurden auch das Innenband und die Menisken beschädigt. Am 5. Januar wurde sie operiert, seither läuft eine lange Rehabilitation. Inzwischen kann Schmid nach eigenen Angaben fast wieder alles trainieren, der volle Körperkontakt wird aber erst kontrolliert aufgebaut.

Für die Schweiz ist ihr wahrscheinlicher Ausfall sportlich bedeutend. Schmid gehört zu den produktivsten Spielerinnen des Nationalteams und erzielte in ihren bisherigen Länderspielen im Schnitt fast sechs Tore pro Partie. Trotzdem hat sich die Equipe von Knut Ove Joa ohne ihre Führungsspielerin souverän für die EM qualifiziert. Der Schweizer Frauenhandball verfolgt mit der «Roadmap 2032» gleichzeitig einen langfristigen Entwicklungsplan bis hin zu einer möglichen Olympia-Teilnahme in Brisbane.

Schmid will bei der Rückkehr nichts überstürzen

Die Kreisläuferin macht deutlich, dass sie bei ihrem Comeback kein unnötiges Risiko eingehen will.

Nach achteinhalb Monaten Rehabilitation ist sie inzwischen wieder nahe am vollständigen Mannschaftstraining. Übungen ohne Körperkontakt funktionieren bereits weitgehend normal, seit einigen Tagen wird auch der Kontakt mit Gegenspielerinnen kontrolliert eingebaut.

Der entscheidende Punkt ist allerdings nicht nur die körperliche Belastbarkeit.

Schmid erklärte, dass sie noch mehr Vertrauen in ihr rechtes Knie aufbauen müsse. Gerade nach einer derart schweren Verletzung ist dieser Schritt für eine Spielerin auf ihrer Position entscheidend.

Am Kreis gehört permanenter Körperkontakt zum Alltag. Gegnerinnen schieben, blocken und ziehen, gleichzeitig entstehen bei Landungen und Richtungswechseln grosse Belastungen für die Knie.

Ärzte empfehlen zwölf Monate Pause

Auch die medizinische Seite spricht gegen ein vorschnelles Comeback.

Die behandelnden Ärzte in Dänemark haben Schmid geraten, zwölf Monate nach der Verletzung abzuwarten. Für die 23-Jährige ist diese Marke auch mental wichtig.

Die Europameisterschaft beginnt am 3. Dezember. Das erste Schweizer Spiel gegen Nordmazedonien findet am 4. Dezember statt – also praktisch genau ein Jahr nach der Verletzung.

Schmid hält es deshalb für wenig sinnvoll, unmittelbar nach einer zwölfmonatigen Rehabilitation ausgerechnet bei einem grossen internationalen Turnier ihr Pflichtspiel-Comeback zu geben.

Eine definitive Absage formuliert sie zwar noch nicht, die Tendenz ist aber klar.

Verletzung traf sie mitten in einem grossen Karriereschritt

Besonders bitter war der Zeitpunkt der Verletzung.

Schmid war im Sommer 2025 zu Team Esbjerg gewechselt, einem der stärksten Klubs im europäischen Frauenhandball. Der dänische Spitzenverein gewann in den vergangenen vier Jahren dreimal die Meisterschaft und gehört regelmässig zur europäischen Elite.

Für die Schweizerin sollte der Wechsel die nächste Entwicklungsstufe bedeuten.

Stattdessen musste sie nach wenigen Monaten eine lange Zwangspause einlegen und konnte seit Dezember kein Pflichtspiel mehr bestreiten.

Mit Mia Emmenegger steht bei Esbjerg immerhin eine Schweizer Nationalteamkollegin an ihrer Seite. Schmid bezeichnete diese Nähe während der langen Reha als wichtige Unterstützung.

Schweiz hat sich auch ohne Schmid weiterentwickelt

Dass die Nationalmannschaft den Ausfall einer der besten Spielerinnen auffangen konnte, spricht für die Entwicklung der vergangenen Jahre.

Die Schweiz qualifizierte sich im April zum dritten Mal in Folge für eine Europameisterschaft. Besonders bemerkenswert: Erstmals gelang die Qualifikation aus eigener Kraft.

Beim entscheidenden Auswärtsspiel gegen Bosnien-Herzegowina gewann das Team klar mit 32:13. Wenige Tage später folgte zum Abschluss der Qualifikation ein 38:19 gegen Italien.

Schmid stand bei diesen Spielen nicht zur Verfügung.

Nationaltrainer Knut Ove Joa musste damit bereits über mehrere Monate Lösungen ohne seine wichtigste Kreisläuferin entwickeln.

Eine zentrale Figur fehlt

Trotzdem lässt sich Schmids Bedeutung nicht kleinreden.

Die Ostschweizerin gehört trotz ihres jungen Alters zu den erfahrensten und produktivsten Schweizer Spielerinnen. Vor ihrer Verletzung hatte sie 48 Länderspiele absolviert und 243 Tore erzielt.

Das entspricht einem Schnitt von mehr als fünf Treffern pro Partie.

Neben ihrer Abschlussstärke bringt Schmid auch defensive Präsenz und internationale Erfahrung mit. Gerade gegen körperlich starke Gegnerinnen kann ihre Rolle am Kreis entscheidend sein.

Bei der EM müssen diese Aufgaben nun voraussichtlich auf mehrere Spielerinnen verteilt werden.

Comeback erst nach der EM wahrscheinlicher

Wann Schmid tatsächlich wieder ein Pflichtspiel bestreiten kann, bleibt offen.

Der aktuelle Reha-Verlauf ist positiv, einen festen Termin nennt sie aber bewusst nicht. Klar ist lediglich, dass der Übergang vom kontrollierten Training zum vollständigen Wettkampfbetrieb schrittweise erfolgen soll.

Damit erscheint ein Comeback nach der Europameisterschaft derzeit deutlich wahrscheinlicher als eine Rückkehr während des Turniers.

Schmid möchte dennoch zumindest für eine Partie nach Rumänien reisen und ihre Teamkolleginnen in der Halle unterstützen.

Sportlich wäre sie dann noch Zuschauerin. Für das Schweizer Team bleibt sie trotzdem eine wichtige Persönlichkeit.

🤾 SCHMIDS COMEBACK-FAHRPLAN

  • Verletzung am 7. Dezember 2025: Kreuzbandriss sowie Schäden an Innenband und Menisken im rechten Knie.
  • Operation am 5. Januar 2026, danach mehr als acht Monate Rehabilitation.
  • Inzwischen ist kontrolliertes Training mit Körperkontakt wieder möglich.
  • Die behandelnden Ärzte empfehlen rund zwölf Monate Pause – deshalb kommt die EM im Dezember voraussichtlich zu früh.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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