Cybergefahr im Profisport: Wie Hacker Fussball und Tennis ins Visier nehmen

Der Profisport wird immer digitaler – und damit wächst auch die Angriffsfläche für Cyberkriminelle. Fussballclubs, Tennisturniere, Verbände und Fans nutzen heute digitale Tickets, Apps, Online-Shops, soziale Netzwerke und zahlreiche weitere Plattformen.

Diese Entwicklung bringt viele Vorteile, eröffnet Kriminellen aber gleichzeitig neue Möglichkeiten für Betrug, Phishing und Cyberangriffe.

Sportorganisationen als attraktives Ziel

Sport ist längst nicht mehr nur das Geschehen auf dem Spielfeld oder Tennisplatz. Hinter grossen Veranstaltungen stehen umfangreiche digitale Systeme. Ticketplattformen, Zahlungsdienste, Mitgliederverwaltungen, Kommunikationssysteme und Datenbanken müssen zuverlässig funktionieren.

Das britische National Cyber Security Centre (NCSC) weist darauf hin, dass Sportorganisationen unter anderem durch digitalen Betrug, kompromittierte E-Mail-Konten und Angriffe auf ihre IT-Systeme gefährdet sind. Die wirtschaftliche Bedeutung des Sports macht Vereine und Veranstalter für Cyberkriminelle besonders interessant.

Fussballfans müssen beim Ticketkauf aufpassen

Besonders deutlich zeigt sich die digitale Gefahr beim Ticketverkauf. Eintrittskarten für grosse Fussballspiele sind begehrt – und genau das versuchen Betrüger auszunutzen.

Die UEFA warnte 2026 erneut ausdrücklich davor, Tickets über nicht autorisierte Webseiten, Agenturen oder andere Drittanbieter zu erwerben. Solche Tickets können ungültig sein, überhaupt nicht geliefert werden oder dazu führen, dass Fans trotz Bezahlung keinen Zutritt zum Stadion erhalten.

Bei grossen UEFA-Endspielen kommen inzwischen vollständig digitale Tickets zum Einsatz. Sicherheitsfunktionen innerhalb der offiziellen Ticket-App sollen unter anderem verhindern, dass Tickets beliebig weitergegeben oder einfache Screenshots für den Zutritt verwendet werden können.

Phishing und gefälschte Webseiten

Ein weiteres Risiko sind täuschend echt gestaltete Internetseiten und Nachrichten. Cyberkriminelle können beispielsweise vermeintliche Ticketangebote, Gewinnspiele oder angebliche Nachrichten eines Clubs nutzen, um persönliche Daten und Zugangsdaten abzugreifen.

Besonders vor grossen Spielen und Turnieren steigt die Aufmerksamkeit der Fans. Genau diesen Zeitdruck und die hohe Nachfrage können Betrüger ausnutzen.

Wer Tickets oder Fanartikel kauft, sollte deshalb genau prüfen, ob er sich tatsächlich auf einer offiziellen Webseite befindet. Auch Links aus unerwarteten E-Mails, SMS oder Social-Media-Nachrichten sollten mit Vorsicht behandelt werden.

Auch der Tennissport kämpft mit digitalen Gefahren

Im Tennis zeigt sich die digitale Sicherheitsproblematik ebenfalls deutlich. Neben klassischen Cyberrisiken spielt dort insbesondere der Schutz von Spielerinnen und Spielern im Internet eine zunehmende Rolle.

Die International Tennis Federation (ITF) und die WTA berichteten im Juli 2026 über ihre Massnahmen gegen schwere Online-Belästigungen und Bedrohungen. Mithilfe eines spezialisierten Überwachungssystems wurden problematische Beiträge identifiziert und teilweise entfernt.

Nach Angaben der Organisationen wurden 66 Prozent der als schwerwiegend eingestuften missbräuchlichen Beiträge oder Kommentare entfernt. Zudem wurden 35 Accounts an Strafverfolgungsbehörden weitergeleitet.

Digitale Sicherheit gehört heute zur Veranstaltungssicherheit

Für Veranstalter bedeutet diese Entwicklung, dass klassische Sicherheitskonzepte längst nicht mehr ausreichen. Neben Polizei, Sicherheitsdiensten, Zutrittskontrollen und Notfallplanung muss auch die digitale Infrastruktur geschützt werden.

Ein Ausfall eines Ticketing-Systems kann beispielsweise unmittelbar Auswirkungen auf den Einlass Tausender Besucher haben. Werden E-Mail-Konten oder interne Systeme kompromittiert, können zudem vertrauliche Informationen oder Zahlungsdaten gefährdet sein.

Cybersecurity wird damit zunehmend zu einem festen Bestandteil der gesamten Sicherheitsplanung grosser Sportveranstaltungen.

Illegale Streams ebenfalls im Fokus

Auch illegale Sportübertragungen sind inzwischen Teil der digitalen Sicherheitsproblematik. Die UEFA beteiligte sich 2026 gemeinsam mit Europol und weiteren Behörden an einer internationalen Aktion gegen illegale Streaming-Netzwerke.

Nach Angaben der UEFA wurden dabei neun kriminelle Netzwerke zerschlagen und mehr als 27’000 illegale Streaming-Adressen entfernt.

Solche Angebote bergen nicht nur rechtliche Risiken. Nutzer unseriöser Streamingseiten können zudem mit aggressiver Werbung, betrügerischen Weiterleitungen oder anderen digitalen Gefahren konfrontiert werden.

Was Fans selbst tun können

Auch Nutzer können das Risiko deutlich reduzieren. Tickets sollten möglichst ausschliesslich über offizielle Verkaufsstellen erworben werden. Bei ungewöhnlich günstigen Angeboten oder grossem Zeitdruck ist besondere Vorsicht angebracht.

Für wichtige Benutzerkonten empfiehlt sich zudem die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Passwörter sollten nicht mehrfach verwendet werden. Verdächtige Nachrichten, unbekannte Anhänge und Links sollten nicht ungeprüft geöffnet werden.

Der Sport wird digitaler – die Sicherheit muss mithalten

Digitale Angebote haben den Besuch von Fussballspielen und Tennisturnieren komfortabler gemacht. Tickets befinden sich auf dem Smartphone, Informationen stehen in Echtzeit zur Verfügung und Fans können ihren Sport weltweit verfolgen.

Mit dieser Entwicklung verändern sich jedoch auch die Sicherheitsrisiken. Cyberkriminalität betrifft längst nicht mehr nur Banken oder grosse Technologieunternehmen. Auch der Sport ist zu einem interessanten Ziel geworden.

Für Clubs, Verbände, Veranstalter und Fans bedeutet das: Neben der Sicherheit im Stadion oder auf der Anlage wird der Schutz in der digitalen Welt immer wichtiger.

 

Quellen: National Cyber Security Centre (NCSC), UEFA, FIFA, International Tennis Federation (ITF) / WTA
Titelbild: Symbolbild © vectorfusionart – shutterstock.com

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