Fiorentina prüft Disziplinarverfahren gegen Fabio Grosso
von belmedia Redaktion Allgemein Europa Fussball Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Serie A soccer.ch Sport sportaktuell.ch Themen Transfers Ⳇ Verbreitung
Die Trennung zwischen der Fiorentina und Fabio Grosso könnte ein juristisches Nachspiel haben. Der Serie-A-Klub prüft nach der Entlassung seines Trainers ein Disziplinarverfahren wegen möglicher Vertragsverletzungen. Im äussersten Fall könnte daraus eine Kündigung aus wichtigem Grund entstehen.
Wie die «Gazzetta dello Sport» berichtet, beschäftigt sich die Rechtsabteilung der Fiorentina mit Grossos Verhalten in den Tagen vor seiner Entlassung. Entscheidend sollen dabei nicht allein die drei Niederlagen zum Saisonstart gewesen sein, sondern vor allem seine Zweifel an einer weiteren Zusammenarbeit.
Die Fiorentina hatte Grosso nach drei Niederlagen aus den ersten drei Serie-A-Spielen entlassen. Inzwischen ist Paolo Vanoli offiziell auf die Trainerbank zurückgekehrt.
Heftiger Streit mit Fabio Paratici
Nach der Darstellung der «Gazzetta dello Sport» eskalierte die Situation bei einem Gespräch zwischen Grosso und Sportdirektor Fabio Paratici.
Paratici soll dem Trainer nach dem 1:2 gegen Torino zunächst weiterhin das Vertrauen ausgesprochen haben. Der ursprüngliche Plan sei gewesen, Grosso noch die Partien gegen Venezia und Napoli in der Serie A sowie gegen Pisa in der Coppa Italia zu geben.
Grosso selbst soll jedoch erhebliche Zweifel daran geäussert haben, ob er mit der vorhandenen Mannschaft noch erfolgreich arbeiten könne. Laut dem Bericht bezeichnete er den Kader gegenüber Paratici sogar sinngemäss als kaum trainierbar.
Der Trainer habe zudem mehrfach erkennen lassen, dass er nicht mehr davon überzeugt sei, den sportlichen Turnaround schaffen zu können.
Grosso trat offenbar nicht selbst zurück
Genau dieser Punkt könnte nun für die juristische Auseinandersetzung entscheidend werden.
Grosso soll deutlich gemacht haben, dass er sich eine Fortsetzung seiner Tätigkeit nicht mehr vorstellen könne. Gleichzeitig habe er aber weder seinen Rücktritt angeboten noch einer Vertragsauflösung zugestimmt.
Laut «Gazzetta» soll der Weltmeister von 2006 Paratici sinngemäss aufgefordert haben, ihn zu entlassen. Auch die italienische Nachrichtenagentur ANSA berichtet von einer heftigen Auseinandersetzung über die Qualität des Kaders und verschiedene Entscheidungen auf dem Transfermarkt.
Die Fiorentina sieht nun offenbar die Möglichkeit, dass bestimmte Äusserungen und Verhaltensweisen Grossos gegen seine vertraglichen Pflichten verstossen haben könnten.
130 Millionen Euro für neuen Kader
Hinter dem Konflikt stehen offenbar auch unterschiedliche Vorstellungen über die Zusammenstellung der Mannschaft.
Nach Angaben der «Gazzetta dello Sport» verpflichtete Fiorentina im Sommer 13 neue Spieler und investierte insgesamt rund 130 Millionen Euro. Grosso soll dennoch mit Teilen des Kaders unzufrieden gewesen sein.
Insbesondere auf den Flügelpositionen habe er andere Spielertypen bevorzugt. Der frühere Sassuolo-Trainer soll sich Akteure mit Eigenschaften gewünscht haben, die besser zu seinem bevorzugten Spielsystem passen.
Sportlich verlief der Saisonstart katastrophal. Fiorentina verlor zum Auftakt 0:4 bei der AS Roma, danach 0:3 gegen Aufsteiger Frosinone und schliesslich 1:2 gegen Torino.
Nach drei Spieltagen stand der Klub ohne Punkt und mit einem Torverhältnis von 1:9 am Tabellenende.
Fünf Tage für Grossos Verteidigung
Noch ist nicht entschieden, ob die Fiorentina tatsächlich ein formelles Verfahren gegen Grosso eröffnet.
Die Rechtsabteilung prüft zunächst, ob genügend Gründe für eine disziplinarische Massnahme vorliegen. Sollte der Klub den nächsten Schritt machen, würde Grosso eine schriftliche Beanstandung erhalten.
Nach Angaben der «Gazzetta dello Sport» hätte der ehemalige Trainer anschliessend fünf Tage Zeit, seine Position darzulegen und sich gegen die Vorwürfe zu verteidigen.
Das Verfahren könnte im Extremfall zu einer Kündigung aus wichtigem Grund führen. Für Fiorentina wäre dies auch finanziell von Bedeutung, weil der Klub bei einer entsprechenden arbeitsrechtlichen Entscheidung nicht mehr für den gesamten noch laufenden Vertrag aufkommen müsste.
Ob die Voraussetzungen dafür tatsächlich erfüllt sind, ist derzeit offen.
Vanoli hat bereits wieder übernommen
Sportlich hat Fiorentina den Trainerwechsel bereits abgeschlossen.
Paolo Vanoli wurde am Montag offiziell als neuer Cheftrainer vorgestellt und leitete noch am selben Nachmittag seine erste Trainingseinheit. Der 54-Jährige war bereits in der vergangenen Saison für die Viola verantwortlich.
Damals hatte Vanoli im November 2025 eine Mannschaft übernommen, die nach einem miserablen Saisonstart am Tabellenende stand. Am Ende gelang der Klassenerhalt auf Rang 15.
Im Sommer trennten sich die Wege dennoch. Fiorentina entschied sich für Grosso und leitete einen kostspieligen Umbau des Kaders ein.
Nur wenige Monate später ist Vanoli wieder da. Sein erstes Spiel nach der Rückkehr steigt am Freitag auswärts gegen Venezia.
Während sich die Mannschaft auf den nächsten Versuch konzentriert, die ersten Punkte der Saison zu holen, könnte die kurze Amtszeit Grossos abseits des Spielfelds noch länger nachwirken.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert