FIS plant Ski-WM fast jedes Jahr – Widerstand wächst

Der Ski-Weltverband FIS will seinen WM-Kalender grundlegend umbauen und ab 2032 in jedem Nicht-Olympiajahr Weltmeisterschaften austragen. Sogar eine zusätzliche Ausgabe bereits 2028 wird geprüft. Gegen die Pläne formiert sich allerdings Widerstand – auch der frühere Schweizer Abfahrts-Olympiasieger Beat Feuz äussert deutliche Kritik.

Bislang finden die Weltmeisterschaften in den grossen FIS-Sportarten Alpin, Nordisch, Snowboard und Freestyle grundsätzlich alle zwei Jahre in den ungeraden Jahren statt. Anfang September stimmte der FIS-Council bei seiner Sitzung in Thun dem Konzept zu, künftig zusätzlich auch in geraden Jahren ohne Olympische Winterspiele Titelkämpfe auszutragen. Damit könnten beispielsweise 2032 und 2036 weitere Weltmeisterschaften hinzukommen. Ob bereits 2028 erstmals eine zusätzliche WM durchgeführt wird, soll nach einer detaillierten Prüfung entschieden werden.

Für den Schweizer Skisport besitzt die Diskussion besondere Bedeutung. Die nächste alpine WM findet 2027 in Crans-Montana statt und wird damit zum grossen Heim-Höhepunkt für die Schweizer Mannschaft. Für Athleten wie Marco Odermatt, der nach seiner Muskelverletzung in Chile wieder auf Ski steht, könnten künftig deutlich mehr Grossanlässe innerhalb einer Karriere hinzukommen. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob ein WM-Titel bei häufigeren Austragungen seinen besonderen Stellenwert behält.

Beat Feuz sieht häufigere Weltmeisterschaften kritisch

Genau an diesem Punkt setzt die Kritik von Beat Feuz an. Der frühere Abfahrts-Weltmeister und Olympiasieger hält wenig von einer weiteren Verdichtung des Kalenders. «Fast alles, was es zu oft gibt, ist schlecht», sagte Feuz zur aktuellen Diskussion.

Für ihn liegt ein Teil der Attraktivität grosser Meisterschaften gerade darin, dass sie nicht jedes Jahr stattfinden. Als Vergleich verweist er auf den Fussball, wo sich Welt- und Europameisterschaften abwechseln und ein einzelnes Turnier dadurch einen aussergewöhnlichen Stellenwert behält.

Auch grosse nationale Verbände haben Bedenken angemeldet. Der Österreichische Skiverband warnt vor einer möglichen Verwässerung des sportlichen Werts einer Weltmeisterschaft und befürchtet gleichzeitig Auswirkungen auf die Bedeutung des Weltcups. Der Deutsche Skiverband zeigt sich grundsätzlich offener, fordert aber eine sorgfältige Prüfung der sportlichen, wirtschaftlichen und organisatorischen Folgen.

Ospelt verteidigt den neuen Kurs

FIS-Präsident Alexander Ospelt sieht dagegen auch Chancen. Der Liechtensteiner, der im Juni zum neuen Präsidenten des Weltverbandes gewählt wurde, verweist unter anderem auf die Bedeutung von WM-Erfolgen für die Athleten. Titel und Medaillen können sich nicht nur sportlich, sondern auch finanziell auf die Karriere auswirken.

Zusätzliche Weltmeisterschaften könnten nach Ansicht der FIS ausserdem neue Möglichkeiten für Austragungsorte ausserhalb der traditionellen europäischen Wintersportzentren schaffen. Als mögliche Märkte werden unter anderem China, Japan und Südkorea genannt.

Ospelt betont zugleich, dass die konkrete Umsetzung noch nicht abgeschlossen ist. Ziel sei ein langfristig stabiler Weltcup-Kalender, in den eine Weltmeisterschaft jeweils Anfang Februar fest integriert werden könnte.

Mehr Medaillenchancen oder weniger Exklusivität?

Andere Wintersportarten zeigen, dass häufigere Weltmeisterschaften grundsätzlich funktionieren können. Im Biathlon finden Titelkämpfe bereits in jedem Nicht-Olympiajahr statt, im Eishockey sogar jährlich.

Im Skisport ist die Ausgangslage jedoch komplexer. Eine zusätzliche WM bedeutet weitere Medaillenchancen und zusätzliche internationale Aufmerksamkeit, erhöht aber auch die Belastung für Athleten, Verbände und Veranstalter. Gleichzeitig müssten Weltcup-Rennen in einem ohnehin dicht gefüllten Kalender Platz für die zusätzlichen Titelkämpfe machen.

Die FIS muss deshalb in den kommenden Monaten klären, wie weit sie ihre Reform tatsächlich umsetzen will. Sicher ist vorerst nur: Das bisherige Modell steht grundsätzlich zur Diskussion – und der Widerstand gegen eine Ski-WM fast jedes Jahr ist bereits deutlich hörbar.

🏆 SO SIEHT DER WM-PLAN AUS

  • Ab 2032 sollen FIS-Weltmeisterschaften zusätzlich in geraden Jahren ohne Olympische Winterspiele stattfinden.
  • Eine erste zusätzliche WM bereits im Jahr 2028 wird von der FIS ebenfalls geprüft.
  • Die nächste alpine Ski-WM findet 2027 im schweizerischen Crans-Montana statt.
  • Betroffen wären unter anderem Alpin, Nordisch, Snowboard sowie Freestyle und Freeski.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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