Infantino schlägt externe Prüfung der FIFA-Governance vor

FIFA-Präsident Gianni Infantino reagiert auf die anhaltende Diskussion um die Führung des Weltverbands mit einem Reformvorschlag. Der 56-jährige Schweizer hat dem FIFA-Council eine unabhängige externe Überprüfung der Governance-Strukturen vorgeschlagen. Zudem soll ein strukturierter Dialog mit den 211 Mitgliedsverbänden und den Konföderationen über mögliche Änderungen bei wichtigen strategischen Entscheidungen beginnen.

Infantino wandte sich am Montag in einem Schreiben an das FIFA-Council und die Präsidenten sämtlicher 211 Mitgliedsverbände. Dabei geht es insbesondere um die Frage, wie grosse strategische Projekte künftig vorbereitet, kontrolliert und beschlossen werden sollen. Vorschläge sollen bereits beim nächsten FIFA-Council am 15. Oktober diskutiert werden können.

Hintergrund ist vor allem die Auseinandersetzung um das inzwischen aufgegebene Projekt «FIFA Forward Enterprise». Der Vorschlag sah eine neue kommerzielle FIFA-Gesellschaft vor, bei der auch externe Investoren hätten beteiligt werden können. Das Vorhaben stiess bei mehreren Konföderationen und Nationalverbänden auf Widerstand und wurde schliesslich nicht weiterverfolgt.

Unabhängige Experten sollen FIFA-Strukturen überprüfen

Infantino schlägt dem FIFA-Council konkret vor, eine unabhängige externe Überprüfung des aktuellen Governance-Rahmens für grosse strategische Initiativen in Auftrag zu geben.

Dabei soll untersucht werden, ob die bestehenden Entscheidungsprozesse verbessert werden können. Im Fokus stehen unter anderem Transparenz, Beteiligung und Verantwortlichkeiten innerhalb des Weltverbands.

Parallel dazu möchte Infantino einen zeitlich begrenzten und strukturierten Konsultationsprozess mit den Konföderationen, Nationalverbänden und weiteren Beteiligten einrichten.

Diskutiert werden soll beispielsweise, welche Rolle künftig der FIFA-Präsident, das Bureau, das Council und der Kongress bei grossen strategischen Projekten übernehmen sollen.

Streit um FIFA Forward Enterprise als Auslöser

Die aktuelle Diskussion geht wesentlich auf «FIFA Forward Enterprise» zurück. Mit dem Projekt wollte die FIFA ihre kommerziellen Aktivitäten neu strukturieren und zusätzliches Kapital für die Entwicklung des Weltfussballs mobilisieren.

Infantino hatte das Vorhaben als Möglichkeit dargestellt, die Investitionen in den Fussball erheblich auszubauen. Gleichzeitig betonte die FIFA, dass die Mitgliedsverbände über das Projekt entscheiden sollten.

Gegen das Modell formierte sich allerdings erheblicher Widerstand. Unter anderem UEFA, die asiatische Konföderation AFC und CONCACAF äusserten Vorbehalte gegenüber den Entscheidungsprozessen und der geplanten Beteiligung externer Investoren.

Das Projekt wurde anschliessend aufgegeben.

Frankreich zieht Unterstützung für Infantino zurück

Die Diskussion hat inzwischen auch Auswirkungen auf die für März 2027 geplante FIFA-Präsidentenwahl.

Der französische Fussballverband FFF entzog Infantino am 10. September offiziell die Unterstützung für dessen Wiederwahl. Die französische Verbandsführung begründete den Schritt unter anderem mit Kritik an den Abläufen rund um FIFA Forward Enterprise und forderte eine grundlegende Reform der FIFA-Governance.

Zuvor hatte bereits der belgische Verband angekündigt, Infantino nicht mehr unterstützen zu wollen. Darüber hatten wir im Beitrag Belgischer Verband stellt sich gegen Gianni Infantino berichtet.

Infantino selbst hält an seiner Kandidatur fest. Die FIFA bestätigte Anfang September nochmals ausdrücklich, dass der Schweizer bei der Wahl 2027 erneut antreten wird.

Entscheidende Sitzung am 15. Oktober

Beim FIFA-Council am 15. Oktober könnten bereits erste konkrete Vorschläge für Veränderungen behandelt werden.

Infantino machte in seinem Schreiben deutlich, dass unterschiedliche Modelle geprüft werden sollen. Eine Möglichkeit wäre, wichtige strategische Entscheidungen stärker an das Bureau zu binden. Andere Vorschläge sehen vor, solche Fragen direkt dem FIFA-Kongress mit seinen 211 Mitgliedsverbänden vorzulegen.

Sollten Änderungen der FIFA-Statuten notwendig werden, müssten diese anschliessend vom Kongress beschlossen werden.

Infantino betonte gleichzeitig, dass er weiterhin an der Spitze des Weltverbands bleiben wolle und seine Aufgabe darin sehe, sämtliche Mitgliedsverbände unabhängig von ihrer Haltung zu einzelnen Projekten gleich zu behandeln.

⚽ DIE NÄCHSTEN SCHRITTE BEI DER FIFA

  • Infantino schlägt eine unabhängige externe Prüfung der FIFA-Governance vor.
  • Die 211 Mitgliedsverbände und Konföderationen sollen eigene Reformvorschläge einreichen können.
  • Das FIFA-Council kommt am 15. Oktober zusammen und kann bereits erste Vorschläge behandeln.
  • Die nächste FIFA-Präsidentenwahl ist für den 18. März 2027 in Rabat vorgesehen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

Publireportagen

Empfehlungen

Gott.ch
gourmetnews.ch