Klinsmann nach Halswirbelbruch: "Ich hätte gelähmt bleiben können"

Jonathan Klinsmann kämpft sich nach seiner lebensgefährlichen Halsverletzung zurück. Fünf Monate nach dem Bruch des ersten Halswirbels hat der frühere Torhüter des FC St. Gallen erstmals wieder mit Krafttraining begonnen. Der 29-Jährige spricht nun offen darüber, wie knapp er einer möglichen Lähmung entgangen ist.

Im Interview mit der «Gazzetta dello Sport» schildert Klinsmann die dramatischen Minuten nach dem Zusammenprall im Serie-B-Spiel zwischen Palermo und Cesena vom 18. April. Jede weitere abrupte Bewegung hätte angesichts der Verletzung schwerwiegende Folgen haben können.

Inzwischen richtet sich der Blick wieder nach vorne. Klinsmann trägt noch vier Schrauben zur Stabilisierung im Hals, darf aber wieder körperlich arbeiten. Sein Ziel ist klar: Der US-amerikanische Torhüter will ins Mannschaftstraining von Cesena zurückkehren und 2027 wieder auf dem Platz stehen.

Zusammenprall gegen Palermo verändert alles

Die schwere Verletzung ereignete sich in der Schlussphase der Partie zwischen Palermo und Cesena. Klinsmann kollidierte mit Filippo Ranocchia und zog sich dabei einen Bruch des ersten Halswirbels sowie schwere Verletzungen an den Bändern im Halsbereich zu.

Zunächst war dem Torhüter das gesamte Ausmass nicht bewusst. Gegenüber der «Gazzetta dello Sport» erklärt er, dass er nie das Bewusstsein verlor und sich deshalb an die Situation genau erinnern könne.

Unmittelbar nach dem Zusammenprall habe er seinen Mitspielern gesagt, sie sollten ihm den Ball nicht mehr zuspielen. Klinsmann konnte seinen Hals kaum bewegen und nicht einmal problemlos nach unten schauen.

Erst bei den medizinischen Untersuchungen wurde deutlich, wie gefährlich die Situation tatsächlich war. Eine weitere schnelle seitliche Bewegung, ein Sprung oder ein erneuter Zusammenprall hätte nach Einschätzung der Ärzte zu einer schweren Schädigung des Rückenmarks führen können.

Klinsmann sagt rückblickend deutlich: «Ich hätte gelähmt bleiben können.»

Operation in Heidelberg stabilisiert den Halswirbel

Nach ersten Untersuchungen in Palermo wurde Klinsmann nach Deutschland gebracht. Am 22. April erfolgte am Universitätsklinikum Heidelberg die Operation.

Das Ärzteteam um Dr. Stefan Hemmer stabilisierte den gebrochenen ersten Halswirbel chirurgisch. Cesena bestätigte anschliessend, dass der Eingriff erfolgreich verlaufen war.

Klinsmann erinnert sich besonders an den Moment vor der Operation. Wegen der Nähe der Verletzung zum Rückenmark sei das Risiko erheblich gewesen. Die Gespräche mit den Ärzten machten ihm und seiner Familie endgültig bewusst, wie ernst die Lage war.

Besonders belastend sei für ihn gewesen, die Sorge seines Vaters Jürgen und seiner Freundin mitzuerleben. Nach dem erfolgreichen Eingriff habe er in den Gesichtern seiner Eltern erstmals wieder echte Erleichterung erkannt.

Auch Ranocchia besuchte Klinsmann später im Spital. Dem Palermo-Spieler macht der Torhüter ausdrücklich keinen Vorwurf. Für ihn war es ein unglücklicher Zusammenprall ohne Absicht.

Vier Schrauben müssen wieder entfernt werden

Die Rehabilitation ist noch lange nicht abgeschlossen. Klinsmann trägt weiterhin vier Schrauben im Hals, die den verletzten Bereich stabilisieren.

Nach seinen Angaben ist in rund vier Monaten eine weitere Operation vorgesehen. Dabei sollen die Schrauben entfernt werden. Anschliessend muss sich der Knochen erneut stabilisieren, während gleichzeitig die Muskulatur weiter aufgebaut wird.

Immerhin hat der 29-Jährige inzwischen die Erlaubnis erhalten, wieder mit körperlicher Belastung zu beginnen. In dieser Woche absolvierte er erstmals seit mehreren Monaten wieder ein Training im Kraftraum.

Laufen stand zum Zeitpunkt des Interviews noch nicht auf seinem Programm. Der nächste Schritt soll jedoch schon bald folgen.

Gerade nach einer derart schweren Verletzung ist eine kontrollierte und schrittweise Rückkehr in den Fussballbetrieb entscheidend. Klinsmann muss deshalb mehrere medizinische und athletische Etappen durchlaufen, bevor Mannschaftstraining überhaupt wieder ein Thema wird.

Comeback bei Cesena bleibt das grosse Ziel

An seiner Motivation hat die schwere Verletzung nichts geändert. Klinsmann betont, dass er unbedingt wieder für Cesena im Tor stehen möchte.

Mit einer schnellen Rückkehr ist allerdings nicht zu rechnen. Nach seinem aktuellen Plan könnte er gegen Ende der Saison 2026/27 wieder mit der Mannschaft trainieren.

Für das kommende Kalenderjahr sieht sich Klinsmann wieder auf dem Spielfeld. Entscheidend bleibt jedoch der weitere Heilungsverlauf nach der Entfernung der Schrauben.

Der Torhüter versucht, die lange Pause positiv zu betrachten. Er sei sich inzwischen stärker bewusst, wie wertvoll es sei, sich frei bewegen und ein normales Leben führen zu können.

Klinsmann spielte auch beim FC St. Gallen

In der Schweiz ist Jonathan Klinsmann aus seiner Zeit beim FC St. Gallen bekannt. Der Sohn des deutschen Weltmeisters Jürgen Klinsmann stand in der Saison 2019/20 bei den Ostschweizern unter Vertrag.

In der Super League kam er zwar nicht zum Einsatz, absolvierte für den FCSG aber zwei Partien im Schweizer Cup. Anschliessend wechselte er zu Los Angeles Galaxy.

Seit 2024 steht der 1,95 Meter grosse Torhüter bei Cesena unter Vertrag. Dort entwickelte er sich zum Stammgoalie und gehörte bis zu seiner schweren Verletzung zu den festen Grössen der Mannschaft.

Fünf Monate nach dem folgenschweren Zusammenprall ist der Weg zurück noch weit. Dass Klinsmann inzwischen wieder im Kraftraum arbeiten kann und konkrete Comeback-Pläne formuliert, ist nach der ursprünglichen Diagnose jedoch bereits ein bedeutender Fortschritt.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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