Manchester City sportlich makellos – doch das 115-Verfahren bleibt explosiv

Manchester City dominiert sportlich weiterhin die Premier League, doch abseits des Rasens hängt ein gewaltiges Verfahren über dem Klub. Mehr als zwei Jahre nach Beginn der Anhörung zu den 115 von der Premier League erhobenen Vorwürfen gibt es noch immer kein Urteil. Im Raum stehen bei einem Schuldspruch Sanktionen von hohen Geldstrafen über Punktabzüge bis hin zu einem möglichen Ausschluss aus der Premier League.

Das Verfahren begann im September 2024 vor einer unabhängigen Kommission und wurde nach zwölf Wochen im Dezember desselben Jahres abgeschlossen. Seitdem wartet der englische Fussball auf den Entscheid. Premier-League-Chef Richard Masters räumte zuletzt ein, dass sich das Verfahren länger hinzieht als erwartet. Einen Termin für die Veröffentlichung des Urteils gibt es weiterhin nicht.

Besonders gross ist der Kontrast zur sportlichen Situation. City hat alle fünf Premier-League-Spiele der Saison 2026/27 gewonnen und führt die Tabelle mit 15 Punkten an. Zuletzt setzte sich das Team von Enzo Maresca in einem spektakulären Spiel mit 5:3 gegen Sunderland durch. Der aktuelle Erfolg ändert jedoch nichts daran, dass ein späteres Urteil erhebliche Konsequenzen für den Klub haben könnte.

Worum geht es bei den 115 Vorwürfen?

Die Premier League erhob die Vorwürfe im Februar 2023 nach einer Untersuchung, die bereits 2018 begonnen hatte.

Ein grosser Teil der Anschuldigungen bezieht sich auf die Jahre 2009 bis 2018. City wird unter anderem vorgeworfen, der Premier League keine vollständig korrekten Finanzinformationen geliefert zu haben.

Weitere Punkte betreffen Angaben zu Sponsoringeinnahmen und Vergütungen für Spieler und Trainer. Zudem wirft die Liga dem Klub Verstösse gegen verschiedene Finanzregeln sowie mangelnde Kooperation während der Untersuchung vor.

Manchester City weist sämtliche Vorwürfe zurück und bestreitet, gegen die Regeln verstossen zu haben.

Zwei Jahre nach Beginn der Anhörung noch kein Urteil

Die eigentliche Anhörung vor der unabhängigen Kommission begann am 16. September 2024.

Zwölf Wochen später, am 6. Dezember, wurde die Beweisaufnahme abgeschlossen. Danach begann die Beratung des Panels.

Dass selbst zwei Jahre nach Beginn der Anhörung noch immer kein Entscheid veröffentlicht wurde, sorgt zunehmend für Diskussionen. Der auf Sportrecht spezialisierte britische Anwalt Nick De Marco bezeichnete die lange Wartezeit zuletzt als aussergewöhnlich.

Premier-League-Chef Richard Masters erklärte bereits vor Saisonbeginn, dass auch die Liga keinen Einfluss auf den Zeitplan habe. Die unabhängige Kommission entscheide selbst, wie lange sie für ihre Arbeit benötige.

Welche Strafen wären möglich?

Noch ist völlig offen, ob Manchester City überhaupt schuldig gesprochen wird und falls ja, in welchen der einzelnen Punkte.

Deshalb lässt sich auch keine konkrete Strafe seriös vorhersagen.

Grundsätzlich reichen die möglichen Sanktionen allerdings weit. Denkbar wären unter anderem Geldstrafen oder Punktabzüge. Bei besonders schweren Verstössen erlauben die Premier-League-Regeln theoretisch auch weitreichendere Konsequenzen bis hin zu einem Ausschluss aus dem Wettbewerb.

Ein solcher Schritt wäre allerdings die maximale Variante. Ebenso möglich ist, dass City nur in einzelnen Punkten schuldig gesprochen oder vollständig entlastet wird.

Hinzu kommt, dass gegen einen erstinstanzlichen Entscheid voraussichtlich Rechtsmittel möglich wären. Selbst nach Veröffentlichung des Urteils könnte sich der juristische Streit deshalb weiter hinziehen.

Auf dem Platz läuft es perfekt

Sportlich könnte der Gegensatz kaum grösser sein.

Manchester City hat unter Enzo Maresca einen perfekten Start hingelegt. Nach fünf Ligaspielen stehen fünf Siege und 15 Punkte.

Am vergangenen Wochenende schlug City Sunderland mit 5:3. Enzo Fernández, Rayan Cherki, Antoine Semenyo mit einem Doppelpack und Erling Haaland erzielten die Treffer für den Tabellenführer.

Über Citys spektakulären 5:3-Sieg gegen Granit Xhaka und Sunderland haben wir bereits ausführlich berichtet.

Auch in der Champions League startete City erfolgreich. Damit läuft die sportliche Entwicklung derzeit genau in die entgegengesetzte Richtung zur Unsicherheit ausserhalb des Platzes.

Ein Urteil könnte die Premier League erschüttern

Der Fall betrifft längst nicht mehr nur Manchester City.

Ein Schuldspruch in den schwerwiegendsten Punkten hätte Auswirkungen auf die gesamte Premier League und könnte Diskussionen über vergangene Spielzeiten und Titel neu entfachen.

Umgekehrt wäre auch ein weitgehender Freispruch für die Liga bedeutend. Die Premier League müsste sich dann Fragen zu ihrer jahrelangen Untersuchung und den erhobenen Vorwürfen stellen lassen.

Genau deshalb wird der Fall in England als eines der bedeutendsten sportrechtlichen Verfahren der jüngeren Fussballgeschichte betrachtet.

Bis das unabhängige Panel entscheidet, bleibt City jedoch in einer ungewöhnlichen Situation: sportlich an der Spitze, juristisch aber weiterhin mit einer beträchtlichen Unsicherheit konfrontiert.

⚽ DAS 115-VERFAHREN IM ÜBERBLICK

  • Die Premier League erhob die Vorwürfe im Februar 2023 nach einer seit 2018 laufenden Untersuchung.
  • Die Anhörung vor der unabhängigen Kommission lief vom 16. September bis 6. Dezember 2024.
  • Manchester City bestreitet sämtliche Vorwürfe; ein Urteil wurde bis heute nicht veröffentlicht.
  • Mögliche Sanktionen reichen grundsätzlich von Geldstrafen und Punktabzügen bis zu deutlich härteren Massnahmen – abhängig davon, ob und in welchen Punkten City schuldig gesprochen wird.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

Publireportagen

Empfehlungen

gourmetnews.ch
Gott.ch