7/14: Rapperswil bleibt gefährlich trotz gewichtiger Abgänge

Die SC Rapperswil-Jona Lakers haben 2025/26 bewiesen, dass sie weit mehr als ein unbequemer Aussenseiter sind. Rang 7 in der Qualifikation und das dramatische Viertelfinal-Aus erst in der Verlängerung von Spiel 7 gegen den späteren Meister Fribourg-Gottéron waren stark. Trotzdem sehen wir die Mannschaft nach mehreren gewichtigen Abgängen etwas weiter hinten: Unsere Prognose lautet Rang 9.

Die Lakers beendeten die vergangene Qualifikation mit 81 Punkten und einem Torverhältnis von 150:154. Nur vier Punkte fehlten zur direkten Playoff-Qualifikation. Über die Play-Ins sicherte sich Rapperswil schliesslich gegen den SC Bern das letzte Viertelfinal-Ticket und brachte Gottéron danach an den Rand des Ausscheidens. Erst Benoît Jeckers Treffer in der 77. Minute des siebten Spiels beendete die Saison der St. Galler.

Im Sommer blieb die wichtigste sportliche Konstante erhalten: Johan Lundskog steht weiterhin an der Bande und wurde inzwischen sogar bis 2028 verlängert. Captain Nico Dünner unterschrieb vorzeitig bis 2029. Gleichzeitig verlor der SCRJ mit Malte Strömwall, Jonas Taibel, Mika Henauer und weiteren Spielern einiges an Qualität. Kevin Labanc, Fabrice Herzog, Daniil Ustinkov und Alessandro Segafredo sollen diese Lücken auffangen.

Rapperswil war nur wenige Minuten vom Halbfinal entfernt

Die vergangene Saison hat die Erwartungen am Obersee deutlich übertroffen. Rapperswil qualifizierte sich als Siebter für die Play-Ins und setzte sich in der entscheidenden Runde mit zwei Siegen gegen Bern durch. Im Viertelfinal gegen Fribourg-Gottéron gingen die Lakers anschliessend sogar mit 3:2 Siegen in Führung.

Gottéron rettete sich mit einem 3:1 in Rapperswil ins siebte Spiel. Dort hielt der SCRJ erneut mit, ehe die Saison beim 3:4 nach Verlängerung endete. Dass der spätere Schweizer Meister gegen Rapperswil über sieben Spiele und bis in die Overtime der «Belle» gehen musste, zeigte eindrücklich, welches Niveau Lundskog aus dieser Mannschaft herausgeholt hatte.

Genau daran wird Rapperswil nun gemessen. Die Lakers sind längst kein Team mehr, bei dem ein Playoff-Vorstoss automatisch als Überraschung gilt.

Strömwalls Abgang wiegt besonders schwer

Der bedeutendste Verlust ist Malte Strömwall. Der schwedische Stürmer gehörte während seiner beiden Jahre in Rapperswil zu den wichtigsten Offensivspielern und sammelte in 107 Partien 89 Punkte. Nun spielt er für die ZSC Lions.

Auch auf Schweizer Seite gingen wertvolle Spieler verloren. Jonas Taibel wechselte zu Fribourg-Gottéron, Mika Henauer zu Genève-Servette. Matthew Kellenberger schloss sich Ajoie an. Julius Honka verliess die Lakers ebenfalls Richtung Jura, Philippe Maillet ist ebenfalls nicht mehr dabei.

Gerade der Verlust von Strömwall ist nicht einfach zu kompensieren. Er konnte Spiele mit individuellen Aktionen entscheiden und nahm im Powerplay eine zentrale Rolle ein. Gleichzeitig verliert Rapperswil mit Taibel einen jungen Schweizer Stürmer mit Entwicklungspotenzial.

Labanc soll die neue offensive Waffe werden

Die prominenteste Antwort heisst Kevin Labanc. Der 30-jährige Amerikaner bringt 542 NHL-Partien und 251 Skorerpunkte mit. Acht seiner neun NHL-Saisons absolvierte er für die San Jose Sharks, ehe er später auch für die Columbus Blue Jackets spielte. Zuletzt stand er bei den Shanghai Dragons in der KHL unter Vertrag.

Labanc wurde verpflichtet, nachdem Mike Sgarbossa sein geplantes Engagement in Rapperswil aus familiären Gründen noch vor Saisonbeginn aufgelöst hatte. Der Rechtsschütze soll insbesondere im Powerplay für Torgefahr sorgen.

Zusammen mit Victor Rask, Nicklas Jensen und Tanner Fritz besitzt Rapperswil weiterhin mehrere offensiv starke Importstürmer. In der Verteidigung besetzen Jacob Larsson und Lawrence Pilut zwei weitere Ausländerpositionen. Entscheidend wird sein, ob Labanc Strömwalls Produktion zumindest annähernd ersetzen kann.

Herzog bringt Erfahrung – Ustinkov grosses Potenzial

Mit Fabrice Herzog erhält Lundskog gleichzeitig einen erfahrenen Schweizer Stürmer, der Meistertitel, internationale Erfahrung und viel Physis mitbringt. Herzog kommt vom EV Zug und soll besonders vor dem gegnerischen Tor sowie in intensiven Partien eine wichtige Rolle übernehmen.

Spannend ist auch Daniil Ustinkov. Der junge Verteidiger kommt aus der Organisation der ZSC Lions und besitzt bereits National-League- und Playoff-Erfahrung. In Rapperswil erhält er die Möglichkeit, dauerhaft eine grössere Rolle zu übernehmen.

Alessandro Segafredo wechselte ebenfalls vom ZSC zum SCRJ. Der Stürmer hatte selbst um die Auflösung seines Vertrags gebeten, um andernorts mehr Eiszeit zu erhalten. Für Rapperswil sind solche Spieler interessant: jung, entwicklungsfähig und mit dem Ziel, sich in der National League dauerhaft durchzusetzen.

Nyffeler und Punnenovs sorgen im Tor für Kontinuität

Eine der grössten Stärken bleibt die Torhüterposition. Melvin Nyffeler und Ivars Punnenovs bilden erneut das Duo. Gerade Nyffeler zeigte in den vergangenen Playoffs, wie wertvoll er in engen Spielen sein kann. Im entscheidenden Viertelfinal gegen Fribourg hielt er sein Team mit zahlreichen Paraden lange im Rennen.

Auch in der Verteidigung bleibt ein grosser Teil des Gerüsts bestehen. Larsson und Pilut bringen internationale Qualität, dahinter stehen unter anderem Fabian Maier, Luca Capaul, Benjamin Quinn, Igor Jelovac und Ustinkov zur Verfügung.

Die Mannschaftsführung bleibt ebenfalls stabil. Nico Dünner führt die Lakers weiter als Captain an. Bei Heimspielen unterstützen ihn Jacob Larsson und Tanner Fritz als Assistenten, auswärts übernehmen Fabian Maier und Tyler Moy diese Aufgaben.

Die Vorbereitung zeigte zwei völlig verschiedene Gesichter

Die Testspiele waren alles andere als geradlinig. Zum Auftakt verlor Rapperswil 1:7 gegen Kloten und nur einen Tag später sogar 1:8 gegen Zug. Danach folgte eine deutliche Reaktion: Beim 7:2 gegen Motor České Budějovice zeigte der SCRJ erstmals seine offensive Qualität, anschliessend wurde Nürnberg 7:4 geschlagen.

Beim 3:7 gegen Lugano traten die defensiven Probleme nochmals deutlich hervor. Die Generalprobe gelang dagegen: In der Gottardo Arena setzten sich die Lakers gegen Ambri-Piotta mit 3:2 nach Verlängerung durch.

Drei Siege und drei Niederlagen bei 22:30 Toren zeigen ziemlich gut, warum Rapperswil schwer einzuschätzen ist. Offensiv besitzt die Mannschaft genügend Qualität für spektakuläre Abende, defensiv darf sie sich gegen die Spitzenteams aber deutlich weniger Aussetzer erlauben.

Warum wir Rapperswil auf Rang 9 setzen

Für die Lakers spricht vor allem die Kontinuität. Lundskog kennt die Mannschaft, Dünner bleibt als Führungsspieler, das Torhüterduo ist bewährt und mit Rask, Jensen, Fritz, Labanc, Larsson und Pilut besitzt der SCRJ genügend ausländische Qualität. Herzog gibt dem Schweizer Sturm zusätzliche Erfahrung.

Gegen eine erneute Platzierung auf Rang 7 oder sogar in den Top 6 sprechen die Abgänge. Strömwalls Punkte müssen ersetzt werden, Taibel fehlt in der Schweizer Offensive und auch in der Verteidigung hat sich die Zusammensetzung verändert. Gleichzeitig haben mehrere direkte Konkurrenten erheblich aufgerüstet.

Rang 9 bedeutet deshalb keineswegs, dass wir Rapperswil einen Einbruch zutrauen. Die Lakers gehören für uns klar in den Kampf um die Play-In-Plätze und besitzen genügend Qualität, um unsere Prognose zu übertreffen. Wenn Labanc sofort einschlägt und die Defensive stabiler auftritt als in Teilen der Vorbereitung, ist auch Rang 6 bis 8 möglich.

Zum Saisonstart wartet gleich ein interessanter Gradmesser. Am Dienstag, 15. September, empfängt Rapperswil den EHC Kloten – ausgerechnet jenen Gegner, gegen den die Lakers im ersten Vorbereitungsspiel mit 1:7 verloren hatten.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 9

  • Pluspunkt: Lundskog, Dünner sowie das Torhüterduo Nyffeler/Punnenovs sorgen auf zentralen Positionen für Kontinuität.
  • Trumpf: Kevin Labanc bringt 542 NHL-Spiele mit und kann insbesondere im Powerplay zum entscheidenden Unterschiedsspieler werden.
  • Chance: Herzog, Ustinkov und Segafredo geben dem Schweizer Teil des Kaders neue Möglichkeiten.
  • Risiko: Die offensive Produktion von Strömwall und die Qualität der weiteren Abgänge müssen erst ersetzt werden.
📊 UNSERE PROGNOSE – BISHER ENTHÜLLT


2. HC Davos


3. Lausanne HC


7. HC Lugano


8. SC Bern

AKTUELL9. SC Rapperswil-Jona Lakers


10. HC Ambri-Piotta


14. HC Ajoie

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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