Fussball, Eishockey oder Ski: Was begeistert die Schweiz am meisten?
von belmedia Redaktion -schweizweit Allgemein Amateurfussball Challenge League Champions League Draussen Eishockey Events Events Frauen-Hockey Frauenfussball Fussball Magazine nachrichtenticker.ch Nachwuchs National League Nationalmannschaft Nationalmannschaft News Orte Regionen Reisen & Ausflüge Schweiz Schweiz soccer.ch Spiele Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Städte Super League Swiss League swisshockey.ch Themen Vereine Wintersport Ⳇ Verbreitung
Fussball füllt die grössten Stadien, Eishockey erzeugt eine Intensität, die weit über die Hallen hinausreicht, und wenn die Schweizer Ski-Elite in Wengen um Hundertstelsekunden kämpft, sitzt ein erheblicher Teil des Landes vor dem Fernseher. Gleichzeitig bewegen sich Millionen Schweizerinnen und Schweizer selbst lieber auf Wanderwegen, Velos oder Skipisten als auf einem Fussballplatz.
Welche Sportart begeistert die Schweiz also tatsächlich am meisten? Die aktuellen Zahlen liefern eine überraschend klare Antwort – allerdings nur, wenn man Zuschauer, Aktive, Medienreichweite und kulturelle Bedeutung gemeinsam betrachtet.
Sportbegeisterung lässt sich nicht mit einer einzigen Statistik messen. Eine Sportart kann Hunderttausende aktive Mitglieder besitzen, ohne regelmässig ein Millionenpublikum vor den Fernseher zu bringen. Eine andere kann wenige Aktive haben, dafür ganze Regionen emotional prägen. Und Grossereignisse wie eine Fussball-WM, eine Eishockey-WM oder die Lauberhornrennen schaffen Momente, die mit dem normalen Ligaalltag kaum vergleichbar sind.
Betrachtet man die Schweiz im Jahr 2026 in dieser Breite, ergibt sich dennoch ein deutliches Gesamtbild: Fussball ist die populärste Sportart des Landes. Keine andere Disziplin verbindet eine vergleichbar grosse organisierte Basis mit so hohen Stadionzahlen und einer derart konstanten Medienreichweite. Doch der Vorsprung ist weniger komfortabel, als man auf den ersten Blick vermuten könnte.
Fussball besitzt eine Basis, an die niemand herankommt
Der Schweizerische Fussballverband erreichte im November 2025 einen historischen Höchststand. 377’294 Spielerinnen und Spieler waren registriert, darunter 48’094 Frauen und Mädchen. Damit ist Fussball nicht nur ein Fernsehprodukt, sondern tief im Schweizer Alltag verankert: vom Juniorentraining auf dem Dorfplatz über regionale Amateurvereine bis zur Super League und zur Nationalmannschaft.
Diese Breite ist ein entscheidender Unterschied zu vielen anderen Zuschauersportarten. Wer selbst Fussball spielt oder gespielt hat, entwickelt häufig bereits in jungen Jahren eine Beziehung zum Profisport. Lokaler Verein, Lieblingsklub und Nationalmannschaft existieren nebeneinander. Dadurch entsteht eine Fangemeinschaft, die Generationen überspannt.
Auch die heimische Liga zieht enorme Menschenmengen an. In der Saison 2025/26 wurden allein für die 228 Spiele der Super League 2’811’465 Tickets verkauft. Das entspricht durchschnittlich 12’331 Zuschauerinnen und Zuschauern pro Partie. Young Boys kamen auf einen Schnitt von 27’531, der FC Basel auf 26’508 und der FC St.Gallen auf 18’702.
Gerade das Beispiel St.Gallen zeigt, dass Schweizer Fussball weit mehr als ein Konsumprodukt ist. Klub, Stadion und Region greifen eng ineinander. Wie stark diese regionale Identifikation auch wirtschaftlich berücksichtigt wird, zeigt der Beitrag von sportaktuell.ch zur langfristigen Stadionpartnerschaft des FC St.Gallen.
Beim Fernsehen wird die Vormachtstellung noch deutlicher
Die langfristigen SRF-Zuschauerzahlen sprechen eine bemerkenswert klare Sprache. Seit Beginn der heute verwendeten Messreihe 2013 wird die Rangliste der meistgesehenen Sportsendungen von Fussball dominiert.
Das WM-Spiel Brasilien gegen die Schweiz erreichte 2018 in der Deutschschweiz durchschnittlich 1,618 Millionen Menschen. Schweiz gegen Costa Rica kam beim gleichen Turnier auf 1,584 Millionen. Das EM-Spiel Schweiz gegen Frankreich 2016 erreichte 1,567 Millionen. Auch das dramatische EM-Viertelfinal gegen England im Jahr 2024 zog noch 1,430 Millionen Menschen an.
Selbst 2026 setzte sich diese enorme Grundreichweite fort. Die drei WM-Vorrundenspiele der Schweizer Männer gegen Kanada, Bosnien-Herzegowina und Katar sahen bei SRF durchschnittlich 1,079 Millionen, 1,058 Millionen beziehungsweise 994’000 Menschen.
Fussball schafft damit etwas, das kaum einer anderen Sportart regelmässig gelingt: Bei grossen Turnieren erreicht er weit über die eigentliche Fanszene hinaus Menschen, die während des Jahres kaum ein Ligaspiel verfolgen. Restaurants richten Public Viewings ein, Gemeinden organisieren Veranstaltungen und Spiele werden zum Gesprächsthema am Arbeitsplatz oder in der Familie.
Auch der Frauenfussball hat diese Basis erheblich verbreitert. Die Women’s EURO 2025 in der Schweiz stellte mit 657’291 Stadionbesuchen einen neuen Turnierrekord auf. 29 der 31 Spiele waren ausverkauft, durchschnittlich kamen 21’203 Personen pro Partie. In den Fanzonen der acht Austragungsstädte wurden zusätzlich rund 1,2 Millionen Besuche gezählt.
Wie stark solche Grossereignisse den gesamten Schweizer Medienkonsum prägen, zeigt auch die SRF-Jahresbilanz bei Ticker.ch mit den grossen Zuschauerzahlen von Fussball, Eishockey und Skisport.
Eishockey: kleiner in der Basis, gewaltig in der Intensität
Wenn Fussball die Nummer eins im Gesamtbild ist, dann hat das Schweizer Eishockey 2026 eindrücklich gezeigt, wie nahe es emotional herankommen kann.
Der WM-Final der Schweizer Nationalmannschaft gegen Finnland am 31. Mai 2026 wurde bei SRF durchschnittlich von 1,317 Millionen Zuschauerinnen und Zuschauern verfolgt. Der Marktanteil lag bei 66,5 Prozent. Es war die meistgesehene Sendung des ersten Halbjahres 2026 und das meistgesehene Eishockeyspiel bei SRF seit der Messumstellung 2013.
Noch bemerkenswerter ist der Vergleich mit der langfristigen Hitliste: Dieses WM-Finale schaffte es auf Rang 15 aller SRF-Sendungen seit 2013. Vor ihm stehen fast ausschliesslich aussergewöhnlich grosse Fussballspiele sowie eine Tagesschau-Ausgabe aus der Pandemiezeit.
Die Heim-WM in Zürich und Fribourg verstärkte diesen Effekt. Nach offiziellen Angaben des Weltverbands IIHF kamen 466’278 Zuschauerinnen und Zuschauer in die beiden Arenen. Die offiziellen Fanzonen verzeichneten zusätzlich ungefähr 250’000 Besuche.
Auch die National League verfügt über eine ungewöhnlich starke Zuschauerbindung. Besonders sichtbar wurde dies im Playoff-Final 2026 zwischen Fribourg-Gottéron und Davos. Beim entscheidenden siebten Spiel erreichten 3+ und TV24 allein in der Deutschschweiz in der Spitze 412’000 Menschen. Über die gesamte Saison erreichte das National-League-Programm dieser beiden Sender mehr als 1,5 Millionen Personen.
Mehr Zahlen zu diesem aussergewöhnlichen Final liefert der Belmedia-Bericht bei media24.ch über den Zuschauerrekord beim National-League-Final 2026.
Die besondere Stärke des Eishockeys liegt dabei weniger in der absoluten Grösse seiner aktiven Basis als in der Intensität seiner regionalen Kulturen. Fribourg, Bern, Davos, Ambri, Lugano, Lausanne oder Langnau sind nicht einfach Standorte professioneller Mannschaften. Für viele Anhänger gehören die Klubs zur Identität ihrer Region.
Eine volle Eishalle mit 7000 oder 10’000 Menschen kann deshalb eine emotionale Dichte entwickeln, die selbst wesentlich grössere Stadien nicht automatisch erreichen. Geschwindigkeit, Körperkontakt, kurze Distanzen zum Spielfeld und Playoffserien verstärken diesen Effekt zusätzlich.
Ski alpin bleibt das Schweizer Winterritual
Wer glaubt, die grössten Publikumszahlen würden ausschliesslich am Abend mit Fussball oder Eishockey erreicht, muss nach Wengen schauen.
Die Männer-Abfahrt am Lauberhorn erreichte 2026 bei SRF durchschnittlich 985’000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Marktanteil lag bei aussergewöhnlichen 83,1 Prozent. Das bedeutet: Von den Menschen, die zu diesem Zeitpunkt fernsahen, verfolgten mehr als acht von zehn die Abfahrt.
Auch die Olympischen Winterspiele in Milano Cortina zeigten die enorme Zugkraft. Die Männer-Abfahrt erreichte durchschnittlich 907’000 Menschen, jene der Frauen 823’000.
Ski unterscheidet sich zudem fundamental von Fussball und Eishockey, weil sehr viele Menschen die Sportart selbst betreiben. In der letzten umfassenden nationalen Erhebung «Sport Schweiz 2020» gaben 34,9 Prozent der Bevölkerung ab 15 Jahren an, Ski zu fahren.
Das erklärt einen Teil seiner kulturellen Stärke. Beim Zuschauen erkennen viele Schweizerinnen und Schweizer unmittelbar, was eine eisige Piste, schlechte Sicht, hohe Geschwindigkeit oder schwierige Schneeverhältnisse bedeuten. Zwischen Freizeitsport und Spitzensport besteht eine direkte Verbindung.
Dazu kommen Namen und Orte, die weit über die eigentliche Sportszene hinaus bekannt sind. Wengen und Adelboden sind nicht bloss Austragungsorte, sondern Bestandteile der Schweizer Wintersportidentität. Erfolgreiche Athletinnen und Athleten werden deshalb schnell zu nationalen Figuren.
Und dann kommt Schwingen – eine eigene Kategorie
Wer nur internationale Reichweite betrachtet, unterschätzt wiederum das Schwingen. Das Eidgenössische Schwing- und Älplerfest 2025 erreichte bei SRF über die mehr als 15-stündige Liveübertragung durchschnittlich 472’000 Zuschauerinnen und Zuschauer. Der Marktanteil betrug enorme 71,8 Prozent. Die Online-Livestreams wurden während der beiden Tage rund 2,3 Millionen Mal gestartet.
Schwingen besitzt damit eine Qualität, die sich schwer in internationalen Ranglisten abbilden lässt. Es ist eng mit Schweizer Tradition, Regionen und Festkultur verbunden. Ein Schwingerkönig kann landesweit bekannt werden, obwohl der Sport ausserhalb der Schweiz nur eine kleine internationale Bedeutung besitzt.
Das macht deutlich, warum die Frage nach der beliebtesten Sportart nicht allein mit Fernsehquoten beantwortet werden darf.
Beim eigenen Sport sieht die Rangliste völlig anders aus
Fragt man nicht danach, was die Schweiz anschaut, sondern was sie selbst macht, kippt das Bild vollständig.
Nach «Sport Schweiz 2020» betrieben 56,9 Prozent der Bevölkerung Wandern oder Bergwandern. Radfahren kam auf rund 42 Prozent, Schwimmen auf knapp 39 Prozent und Skifahren auf knapp 35 Prozent. Fussball lag deutlich dahinter.
Die am häufigsten ausgeübte Sportart der Schweiz ist damit nicht Fussball, Eishockey oder Ski, sondern Wandern.
Das ist kein Widerspruch. Spitzensport und eigener Freizeitsport erfüllen unterschiedliche Bedürfnisse. Niemand erwartet Zehntausende Zuschauer am Rand eines gewöhnlichen Wanderwegs. Trotzdem investiert ein grosser Teil der Bevölkerung Zeit, Ausrüstung und Ferien in Bewegung in der Natur.
Was bedeutet «begeistern» also wirklich?
Nimmt man alle Ebenen zusammen, besitzt Fussball den überzeugendsten Anspruch auf Platz eins. Kein anderer Schweizer Sport verbindet eine derart grosse organisierte Spielerbasis mit mehreren Millionen Stadionbesuchen, regelmässigen Millionenreichweiten bei der Nationalmannschaft, einer starken professionellen Liga und einer immer grösser werdenden Frauen- und Nachwuchsbewegung.
Doch von einer Alleinherrschaft kann keine Rede sein.
Eishockey erreicht zwar weniger Aktive, verfügt dafür über eine aussergewöhnliche regionale Bindung und hat mit der Heim-WM 2026 einen der grössten Schweizer Sportmomente der jüngeren Vergangenheit geschaffen. Der WM-Final erreichte mehr Menschen als jedes andere TV-Programm im ersten Halbjahr.
Ski alpin wiederum besitzt einen Sonderstatus. Kaum eine andere Sportart verbindet internationale Spitzenleistungen so eng mit Landschaft, Tourismus, eigener Freizeitaktivität und nationaler Tradition. Wenn am Lauberhorn gefahren wird, erreicht der Sport trotz Tageszeit beinahe ein Millionenpublikum.
Schwingen zeigt schliesslich, dass Sportbegeisterung nicht zwingend global sein muss. Seine Kraft stammt gerade aus der Schweizer Eigenständigkeit.
Die Schweiz ist vor allem ein Land mit mehreren Sportseelen
Der nüchterne Gesamtsieger ist Fussball. Die Zahlen bei Mitgliedern, Stadien und langfristiger Medienreichweite sind zu deutlich, um zu einem anderen Ergebnis zu kommen.
Doch das vielleicht Interessantere liegt dahinter. Die Schweiz funktioniert sportlich nicht wie ein Land, in dem eine einzige Disziplin alles überstrahlt. Im Winter kann Ski alpin das Land dominieren. In einer Playoffnacht oder während einer Heim-WM übernimmt Eishockey. Beim Eidgenössischen wird Schwingen für ein Wochenende zum nationalen Mittelpunkt. Und sobald die Fussball-Nationalmannschaft bei einer WM oder EM weit kommt, wächst das Publikum nochmals auf eine andere Dimension.
Genau diese Vielfalt erklärt einen grossen Teil der aussergewöhnlichen Schweizer Sportkultur.
Wenn eine einzige Antwort verlangt wird, lautet sie Fussball. Wenn man jedoch wissen will, was die Schweiz sportlich wirklich begeistert, reicht ein einziges Wort nicht aus.
Quelle: belmedia-Redaktion
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