Warum Ronaldo Nazário für viele der talentierteste Stürmer aller Zeiten war
von belmedia Redaktion Allgemein Amerika Europa Fussball International La Liga Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Schweiz Serie A soccer.ch Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Themen Ⳇ Verbreitung
Ronaldo Nazário da Lima wird bis heute von zahlreichen ehemaligen Spielern, Trainern und Fans als vielleicht talentiertester Mittelstürmer der Fussballgeschichte bezeichnet. Der Brasilianer vereinte in seiner besten Phase eine explosive Geschwindigkeit mit enormer Kraft, aussergewöhnlichem Dribbling und einem nahezu vollständigen Torabschluss. Gerade der Vergleich mit Lionel Messi und Cristiano Ronaldo zeigt, wie ungewöhnlich Ronaldos Spielweise tatsächlich war.
Seine vielleicht spektakulärste Saison spielte Ronaldo 1996/97 beim FC Barcelona. Als 20-Jähriger erzielte er 47 Tore in 49 Pflichtspielen, wurde spanischer Torschützenkönig und gewann den Goldenen Schuh. Noch bemerkenswerter war die Art seiner Tore: Ronaldo wartete nicht im Strafraum auf Zuspiele, sondern nahm den Ball teilweise bereits im Mittelfeld auf, beschleunigte an mehreren Verteidigern vorbei und umspielte anschliessend auch noch den Torhüter.
Genau hier unterscheidet sich der Brasilianer von vielen anderen grossen Torjägern. Ronaldo war kein reiner Strafraumstürmer und auch kein klassischer Flügelspieler. In seinen besten Jahren konnte er praktisch einen kompletten Angriff alleine durchführen. Seine schweren Knieverletzungen verhinderten später, dass diese extreme Explosivität über eine ähnlich lange Zeitspanne erhalten blieb wie bei Messi oder Cristiano Ronaldo.
Ein Mittelstürmer mit der Ballführung eines Dribblers
Inter Mailand beschreibt Ronaldo rückblickend mit den Begriffen Tempo, Kraft, müheloses Dribbling, Technik und Bewegung. Genau diese Kombination machte den «Fenômeno» so aussergewöhnlich.
Ronaldo konnte einen Innenverteidiger körperlich abschütteln und wenige Sekunden später mit einem Übersteiger am nächsten Gegner vorbeiziehen. Dabei führte er den Ball selbst bei hohem Tempo extrem eng.
Sein berühmtes Tor für Barcelona gegen Compostela ist dafür ein perfektes Beispiel. Ronaldo eroberte den Ball weit vom gegnerischen Tor entfernt, hielt mehrere Verteidiger trotz körperlicher Attacken ab, beschleunigte weiter und vollendete selbst.
Diese Art von Aktion war bei ihm kein einmaliger Zufall. Bei Inter wurde sein Spiel noch stärker auf direkte Duelle ausgerichtet. In 99 Pflichtspielen erzielte er dort 59 Tore.
Ronaldo Nazário und Messi: ähnliche Magie, andere Position
Von den ganz grossen Spielern kommt Lionel Messi Ronaldos Dribblingstil vielleicht am nächsten. Beide konnten Gegner nicht nur mit Tricks, sondern vor allem durch minimale Richtungswechsel bei hoher Geschwindigkeit überwinden.
Der grosse Unterschied liegt in der Rolle.
Messi ist wesentlich stärker als Spielgestalter. Er lässt sich tief fallen, verbindet Mittelfeld und Angriff, spielt tödliche Pässe zwischen die Linien und kontrolliert ganze Angriffssequenzen.
Ronaldo dachte dagegen wesentlich direkter Richtung Tor. Sobald er Raum vor sich hatte, wurde aus einer normalen Ballannahme innerhalb weniger Sekunden eine Torchance.
Messi dribbelt häufig, um Räume für sich und Mitspieler zu öffnen. Ronaldo Nazário dribbelte besonders häufig mit einem einzigen Ziel: den letzten Verteidiger und danach den Torhüter zu überwinden.
Cristiano Ronaldo entwickelte sich zum perfekten Vollstrecker
Auch der Vergleich mit Cristiano Ronaldo zeigt einen wesentlichen Unterschied.
Der Portugiese begann seine Karriere als explosiver Flügelspieler mit vielen Übersteigern, entwickelte sich später aber zunehmend zum extrem effizienten Torjäger. Bewegung ohne Ball, Kopfballstärke, Sprungkraft und das Finden der richtigen Position im Strafraum wurden zu seinen grössten Waffen.
Cristiano Ronaldo ist zudem körperlich anders gebaut. Seine Stärke in der Luft und seine über viele Jahre perfektionierte Athletik machten ihn zu einem Torjäger, der auf praktisch jede Art treffen konnte.
Ronaldo Nazário war dagegen stärker darin, eine eigentlich noch nicht vorhandene Torchance selbst zu erschaffen. Er benötigte teilweise weder Flanke noch letzten Pass. Ein Ball in seinen Lauf konnte genügen.
Das Eins-gegen-eins mit dem Torhüter war seine Spezialität
Eine der auffälligsten Eigenschaften Ronaldos war seine Ruhe vor dem Tor.
Viele Stürmer schliessen möglichst früh ab. Ronaldo wartete oft bewusst auf die Reaktion des Torhüters. Er täuschte den Schuss an, legte den Ball vorbei oder umspielte den Keeper komplett.
Dadurch wirkte manches Tor beinahe respektlos einfach. Hinter dieser Leichtigkeit steckten jedoch aussergewöhnliche Koordination und Entscheidungsfähigkeit bei maximalem Tempo.
Auch sein Körperschwerpunkt war ungewöhnlich. Ronaldo war kräftiger als Messi, aber beweglicher als die meisten klassischen Mittelstürmer seiner Zeit. Verteidiger konnten ihn deshalb weder zuverlässig über Geschwindigkeit noch über Körperkontakt kontrollieren.
Die Verletzungen verändern die historische Bewertung
Der vielleicht wichtigste Punkt in jeder Diskussion über Ronaldo sind seine Knieverletzungen.
Im November 1999 erlitt er eine schwere Verletzung der Patellasehne. Im April 2000 riss dieselbe Sehne kurz nach seinem Comeback vollständig. Ronaldo fehlte praktisch zwei Jahre auf höchstem Niveau.
Gerade deshalb besitzt seine WM 2002 einen besonderen Stellenwert. Nach der langen Leidenszeit erzielte er acht Tore, wurde Torschützenkönig und traf beim 2:0 gegen Deutschland im Final zweimal.
Ronaldo beendete seine WM-Karriere später mit 15 Treffern. Erst Miroslav Klose übertraf diese Marke 2014.
Was seine Karriere so faszinierend macht: Der Ronaldo nach den Verletzungen war bereits ein anderer Spieler. Weniger explosiv, schwerer und stärker auf Abschlusspositionen angewiesen – aber immer noch Weltklasse.
Messi und Cristiano besitzen das stärkere Argument der Langlebigkeit
Bei Messi und Cristiano Ronaldo liegt ein entscheidender Unterschied in der Dauer ihrer absoluten Weltklasse.
Beide blieben über weit mehr als ein Jahrzehnt auf einem aussergewöhnlichen Niveau und veränderten ihr Spiel mit zunehmendem Alter.
Ronaldo Nazários körperlicher Höhepunkt war wesentlich kürzer. Wer deshalb die grösste Karriere oder die höchste langfristige Leistung beurteilt, muss andere Kriterien berücksichtigen als beim reinen Talent oder beim stärksten individuellen Leistungsniveau.
Genau daraus entsteht der Mythos um den Brasilianer. Die Frage lautet häufig nicht, wer die meisten Tore oder Titel gewonnen hat, sondern welcher Stürmer in absoluter Bestform die meisten unterschiedlichen Fähigkeiten gleichzeitig besass.
⚽ DREI SUPERSTARS – DREI VÖLLIG ANDERE PROFILE
- Ronaldo Nazário: extreme Beschleunigung, Kraft, Dribbling und Abschluss in einem klassischen Mittelstürmer.
- Lionel Messi: engste Ballführung, Spielgestaltung, Pässe, Dribbling und Torabschluss aus tieferen Positionen.
- Cristiano Ronaldo: Athletik, Bewegung ohne Ball, Kopfballstärke, Abschlussvielfalt und aussergewöhnliche Torproduktion über zwei Jahrzehnte.
- Ronaldos besondere Stellung entsteht vor allem aus der Kombination seiner Mittelstürmer-Position mit Fähigkeiten, die normalerweise eher bei kleinen Dribblern und Flügelspielern zu finden sind.
| Spieler | WM-Spiele | WM-Tore | WM-Titel |
|---|---|---|---|
| Lionel Messi | 33 | 21 | 1 |
| Ronaldo Nazário | 19 | 15 | 2 |
| Cristiano Ronaldo | 27 | 11 | 0 |
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert