City unter Druck – warum droht PSG nicht dasselbe Schicksal?

Manchester City steht nach dem Entscheid einer unabhängigen Premier-League-Kommission massiv unter Druck. Doch weshalb befindet sich Paris Saint-Germain trotz jahrelanger Milliardeninvestitionen nicht in einer vergleichbaren Situation? Der entscheidende Unterschied liegt nicht in der Höhe der Ausgaben, sondern in den unterschiedlichen Verfahren und darin, welche konkreten Regelverstösse einem Klub nachgewiesen werden.

Bei Manchester City geht es inzwischen um weit mehr als um einen besonders teuren Kader. Die Premier League teilte am 29. September mit, dass eine unabhängige Kommission den Klub wegen schwerwiegender Verstösse gegen die Finanzregeln über einen Zeitraum von neun Spielzeiten für schuldig befunden habe. Dabei geht es unter anderem um falsch dargestellte Finanzinformationen, künstlich erhöhte Einnahmen und sogenannte Scheinvereinbarungen mit kommerziellen Partnern. City weist ein Fehlverhalten weiterhin zurück und geht gegen den Entscheid vor.

PSG hat ebenfalls eine lange Geschichte mit den Finanzkontrollen der UEFA. Der französische Spitzenklub befand sich zuletzt sogar unter einem sogenannten Settlement Agreement. Im Juni 2026 stellte die UEFA jedoch fest, dass Paris die vorgegebenen finanziellen Ziele für die Berichtsjahre 2023, 2024 und 2025 erfüllt hatte. PSG durfte deshalb das besondere Überwachungsregime verlassen.

Bei City geht es nicht einfach um hohe Ausgaben

Der wichtigste Unterschied wird häufig übersehen.

Manchester City wird nicht deshalb sanktioniert, weil der Klub in den vergangenen Jahren besonders viel Geld für Spieler ausgegeben hat. Im Zentrum des Premier-League-Verfahrens steht vielmehr die Frage, ob finanzielle Angaben gegenüber Liga, Prüfern und Behörden korrekt waren.

Die unabhängige Kommission kam unter anderem zum Schluss, dass City mit mehreren kommerziellen Partnern Vereinbarungen genutzt habe, welche die tatsächliche wirtschaftliche Situation nicht korrekt wiedergaben.

Dadurch sollen Einnahmen künstlich erhöht und Kosten niedriger dargestellt worden sein. Dazu kommen Verstösse gegen die Verpflichtung zur Zusammenarbeit mit der Premier League.

Über die Dimension des Verfahrens und die möglichen Folgen haben wir bereits im Beitrag über den Finanzentscheid gegen Manchester City berichtet.

PSG war sehr wohl unter Beobachtung

Der Eindruck, Paris Saint-Germain sei von den Finanzregeln weitgehend verschont geblieben, stimmt deshalb nicht.

PSG gehörte zu jenen Klubs, die mit der UEFA ein Settlement Agreement abschliessen mussten. Dabei werden konkrete finanzielle Zielwerte festgelegt, die ein Klub über mehrere Jahre erreichen muss.

Am 17. Juni 2026 teilte die UEFA mit, dass PSG die abschliessenden Vorgaben eingehalten habe. Bewertet wurden dabei die Geschäftsjahre 2023, 2024 und 2025.

Paris verliess daraufhin das Settlement-Regime.

PSG wurde also kontrolliert – der Unterschied zu City besteht darin, dass die UEFA beim französischen Klub für diesen Zeitraum die Einhaltung der vereinbarten finanziellen Vorgaben bestätigte.

Milliardenschwere Besitzer sind nicht automatisch ein Regelverstoss

Auch ein Klub mit einem extrem finanzstarken Eigentümer darf grundsätzlich hohe Einnahmen und hohe Ausgaben haben.

Entscheidend ist, wie diese Einnahmen entstehen, wie sie bilanziert werden und ob sie nach den jeweiligen Regeln berücksichtigt werden dürfen.

Bei der UEFA fliesst beispielsweise Sponsoring in die anrechenbaren Betriebseinnahmen ein. Transaktionen, deren Wert über einem angemessenen Marktwert liegt, müssen jedoch entsprechend korrigiert werden.

Damit soll verhindert werden, dass Klubs ihre zulässigen Einnahmen allein durch überhöhte Geschäfte mit verbundenen Unternehmen vergrössern.

Hohe Transferausgaben sind deshalb nicht automatisch verboten. Sie müssen allerdings in das finanzielle Gesamtbild des Klubs passen.

Die UEFA begrenzt die Kaderkosten auf 70 Prozent

Seit der vollständigen Einführung der neuen UEFA-Regeln gilt eine zentrale Kennzahl: Die sogenannten Kaderkosten dürfen höchstens 70 Prozent der relevanten Einnahmen betragen.

In diese Rechnung fliessen nicht nur Spielergehälter ein.

Berücksichtigt werden unter anderem auch die Abschreibungen aus Transfers, Leihgeschäfte sowie Kosten für Berater und Vermittler.

Auf der Einnahmeseite zählen unter anderem Ticketing, Sponsoring, TV-Gelder, kommerzielle Erlöse und UEFA-Prämien.

PSG muss diese Grenze ebenso einhalten wie Manchester City oder jeder andere Klub, der an den europäischen Wettbewerben teilnimmt.

Zwei verschiedene Kontrollsysteme

Hinzu kommt ein weiterer wichtiger Punkt: Manchester City und PSG bewegen sich national in unterschiedlichen regulatorischen Systemen.

Das aktuelle Verfahren gegen City wurde von der englischen Premier League geführt. Es basiert auf deren Finanzregeln und deren Untersuchungen.

PSG unterliegt national den französischen Kontrollen und auf europäischer Ebene den Vorschriften der UEFA.

Deshalb wäre es falsch, aus einem Verfahren gegen City automatisch dieselben Konsequenzen für PSG abzuleiten.

Sollten bei PSG künftig Verstösse gegen UEFA-Regeln festgestellt werden, könnte allerdings auch der französische Klub erneut sanktioniert werden. Der Austritt aus dem Settlement bedeutet keineswegs, dass PSG künftig nicht mehr kontrolliert wird.

Sportlich treffen beide Klubs schon bald direkt aufeinander

Die unterschiedlichen finanziellen Geschichten verleihen auch dem nächsten sportlichen Duell zusätzliche Brisanz.

Manchester City empfängt Paris Saint-Germain am 14. Oktober in der Champions League.

Beide Mannschaften haben ihre erste Partie der Ligaphase gewonnen. PSG führt die aktuelle UEFA-Tabelle nach dem 6:1 gegen Slovan Bratislava an, City liegt nach dem 2:0 beim FC Porto auf Rang acht.

Auf dem Rasen treffen damit zwei der finanzstärksten Klubs Europas aufeinander – abseits davon könnten ihre aktuellen Situationen kaum unterschiedlicher sein.

⚖️ WARUM CITY UND PSG NICHT GLEICH BEHANDELT WERDEN

  • Bei City geht es um konkrete, von einer unabhängigen Premier-League-Kommission festgestellte Finanzverstösse; der Klub hat Rechtsmittel angekündigt.
  • PSG stand unter einem UEFA-Settlement, erfüllte jedoch laut UEFA die abschliessenden Ziele für die Geschäftsjahre 2023 bis 2025.
  • Hohe Ausgaben allein stellen keinen Regelverstoss dar – entscheidend sind Einnahmen, Kosten, deren Bewertung und die korrekte Offenlegung.
  • Die UEFA begrenzt das Kaderkostenverhältnis für die Saison 2026/27 auf maximal 70 Prozent.
📊CHAMPIONS LEAGUE – CITY UND PSG NACH SPIELTAG 1
Rang / Team Sp. S U N Tore Diff. Pkt.
1. Paris Saint-Germain 1 1 0 0 6:1 +5 3
8. Manchester City 1 1 0 0 2:0 +2 3

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

Publireportagen

Empfehlungen

gourmetnews.ch
Gott.ch