FIGC-Chaos wie in einer Bananenrepublik: Malagò wird sein eigener Kommissär

Der italienische Fussball liefert derzeit ein institutionelles Schauspiel, das selbst für seine traditionell komplizierten Machtstrukturen ungewöhnlich wirkt. Die FIGC wurde vom CONI kommissarisch gestellt – und ausgerechnet Giovanni Malagò, der bisherige Präsident des Verbandes, wurde zum ausserordentlichen Kommissär ernannt. Nun soll Malagò die Neuwahl organisieren und hat bereits deutlich gemacht, dass er selbst wieder für das Präsidentenamt bereitsteht.

Auslöser der Krise war Malagòs fehlendes Tesseramento zum Zeitpunkt seiner Kandidatur für das FIGC-Präsidium. Obwohl er am 22. Juni mit 68,58 Prozent der Stimmen gewählt worden war, entwickelte sich daraus ein monatelanger Machtkampf zwischen FIGC, CONI und Teilen der Sportpolitik. Am Ende entschied das CONI einstimmig, den Verband zu kommissarisieren und Malagò selbst mit der Führung bis zur Neuwahl zu betrauen.

Was sich über Wochen abgespielt hat, erinnert in seiner Absurdität eher an Zustände, die man polemisch mit einer Bananenrepublik verbindet, als an die Führung einer der grössten Fussballnationen Europas. Das Paradoxon ist offensichtlich: Ein Präsident verliert infolge einer formalen Krise sein Amt, wird unmittelbar danach zum Kommissär derselben Organisation ernannt und soll nun jene Wahl organisieren, bei der er selbst wieder antreten kann.

Monatelanger Machtkampf wegen einer Registrierung

Der Kern der Affäre liegt in Malagòs fehlendem Tesseramento bei seiner Kandidatur.

Das CONI beschäftigte sich intensiv mit der rechtlichen Situation und holte Gutachten ein. Anfang Oktober stand ein Kommissariat der FIGC ernsthaft im Raum.

Damit drohte Malagò, der erst im Juni gewählt worden war, sein Präsidentenamt nach wenigen Monaten wieder zu verlieren.

Gleichzeitig stellte sich ein bedeutender Teil des italienischen Fussballs hinter ihn. Die Lega Pro sprach sich geschlossen gegen ein Kommissariat aus, und Malagò betonte später selbst, er gehe weiterhin von der Unterstützung der verschiedenen Verbandskomponenten aus.

Der Präsident geht – und bleibt trotzdem

Dann folgte der bemerkenswerte Kompromiss.

Die FIGC wurde tatsächlich kommissarisch geführt, allerdings nicht durch eine externe Persönlichkeit. Das CONI ernannte Malagò selbst zum ausserordentlichen Kommissär.

Giunta und Consiglio Nazionale bestätigten diesen Schritt einstimmig.

Malagò bezeichnete die gesamte Angelegenheit anschliessend selbst als "traurig und peinlich". Gleichzeitig sprach er von einem Sieg des gesunden Menschenverstands.

Genau darin liegt die politische und institutionelle Absurdität des Vorgangs.

Formal ist Malagò nicht mehr regulärer Präsident. Praktisch kontrolliert er als Kommissär weiterhin den Verband und den Prozess, der zur Wiederbesetzung des Präsidentenamtes führen soll.

Malagò organisiert die Wahl – und will selbst antreten

Besonders heikel ist die nächste Phase.

Malagò kündigte an, die ausserordentliche Wahlversammlung für den 14. Dezember einzuberufen. Sein Auftrag des CONI lautet, spätestens bis zum 31. Januar 2027 wieder reguläre Verbandsorgane einzusetzen.

Gleichzeitig liess Malagò deutlich erkennen, dass er selbst erneut kandidieren will.

Ob er tatsächlich der einzige Kandidat sein wird, ist derzeit noch nicht offiziell bestätigt. Malagò selbst erklärte nach seiner Ernennung zum Kommissär, dass es dafür noch zu früh sei, er aber weiterhin von der Unterstützung und dem Vertrauen der Verbandskomponenten ausgehe.

Sollte am Ende tatsächlich kein ernsthafter Gegenkandidat antreten, wäre die Pointe dieses monatelangen Machtkampfs perfekt: Malagò würde als Kommissär jene Wahl organisieren, die ihn anschliessend wieder zum Präsidenten machen könnte.

Politische Einflussnahme sorgt für zusätzliche Brisanz

Zusätzliche Schärfe erhielt die Affäre durch die Rolle der Sportpolitik.

Sportminister Andrea Abodi äusserte sich mehrfach öffentlich zur Situation. Im Umfeld des Konflikts wurde über politischen Einfluss auf die Führung des italienischen Sports diskutiert.

Kritiker werteten dies als problematische Einmischung. Abodi wies entsprechende Interpretationen zurück und erklärte nach der Entscheidung, es gebe weder Gewinner noch Verlierer und nun müsse ein neues Kapitel beginnen.

Die Grenze zwischen Sportverbänden, CONI und staatlicher Sportpolitik wurde während der Affäre jedenfalls ungewöhnlich sichtbar.

Gerade deshalb entsteht der Eindruck eines Machtkampfs, bei dem es längst nicht mehr nur um eine Registrierung ging, sondern auch um Einfluss, Zuständigkeiten und die Kontrolle über eine der wichtigsten Sportinstitutionen Italiens.

Auf sportaktuell.ch waren die schwerfälligen Strukturen und wiederkehrenden Führungsprobleme im italienischen Fussball bereits zuvor Thema.

Ein Kreislauf, der kaum absurder sein könnte

Die Ausgangslage für Dezember hat damit eine ungewöhnliche Dimension.

Malagò wurde im Juni regulär gewählt, verlor sein Amt durch das Kommissariat und führt den Verband nun als ausserordentlicher Kommissär weiter.

Als Kommissär organisiert er die nächste Wahl.

Und als möglicher Kandidat könnte er unmittelbar danach wieder zum regulären Präsidenten werden.

Dass derzeit noch kein offiziell bestätigter Gegenkandidat feststeht, verschärft den Eindruck eines Systems, das sich vor allem mit sich selbst beschäftigt.

Ob am 14. Dezember tatsächlich nur Malagò kandidiert, wird sich erst zeigen, wenn die Kandidaturen formell feststehen.

🇮🇹 DAS FIGC-CHAOS IN KÜRZE

  • Giovanni Malagò wurde am 22. Juni 2026 mit 68,58 Prozent zum FIGC-Präsidenten gewählt.
  • Am 6. Oktober stellte das CONI die FIGC unter kommissarische Führung und ernannte ausgerechnet Malagò selbst zum Kommissär.
  • Malagò will die Neuwahl am 14. Dezember durchführen und hat seine Bereitschaft zu einer erneuten Kandidatur klar erkennen lassen.
  • Dass er dabei definitiv der einzige Kandidat sein wird, ist derzeit noch nicht offiziell bestätigt.
📊FIGC – AKTUELLER FÜHRUNGSSTATUS
Position / Person Status Datum
Giovanni Malagò Ausserordentlicher FIGC-Kommissär seit 6.10.2026
FIGC-Präsidium Neuwahl vorgesehen 14.12.2026
Kandidatenlage Malagò zur erneuten Kandidatur bereit; weitere Kandidaten noch nicht offiziell bestätigt Stand 7.10.2026

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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