HC Sierre vor dem grossen Sprung – reicht es schon für die National League?

Der HC Sierre hat sich in wenigen Jahren vom ambitionierten Swiss-League-Klub zum ernsthaften Aufstiegskandidaten entwickelt. Nach dem Gewinn der Swiss League 2025/26 ist die Euphorie gross – doch ein sofortiger Sprung in die National League ist keineswegs selbstverständlich. Sportlich ist Sierre näher dran als lange zuvor, infrastrukturell und organisatorisch bleibt der Weg aber anspruchsvoll.

Die Ausgangslage hat sich deutlich verändert. Sierre beendete die Saison 2025/26 als Meister der Swiss League und startet 2026/27 mit einem Kader, der bewusst auf Kontinuität und weitere Entwicklung setzt. Trainer und General Manager Chris McSorley spricht offen davon, wieder um die höchsten Ziele mitzuspielen. Gleichzeitig baut der Klub an einer langfristigen Perspektive, die weit über eine einzelne Playoff-Serie hinausgeht.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Kann Sierre schon in dieser Saison den nächsten Schritt machen – oder wäre ein Aufstieg 2027 noch zu früh?

Sportlich ist Sierre näher dran als je zuvor

Die vergangene Saison liefert das stärkste Argument für Optimismus. Sierre gewann 2025/26 die Swiss League und bestätigte damit, dass der Klub sportlich zur Spitze der zweithöchsten Schweizer Liga gehört.

Für 2026/27 wurde der Kern des Teams weitgehend gehalten. Mit Remo Giovannini im Tor, erfahrenen Verteidigern wie Mike Völlmin, Tyler Higgins und Ryan Mazzola sowie Stürmern wie Samuel Asselin und Jayden Halbgewachs verfügt Sierre über viel Erfahrung. Dazu kommen mehrere jüngere Spieler und Verstärkungen, die den Konkurrenzkampf erhöhen sollen.

McSorley selbst beschreibt das Team als talentiert, erfahren und ambitioniert genug, erneut um die Spitzenplätze mitzuspielen. Drei Kaderpositionen sollten im Sommer noch gezielt ergänzt werden – unter anderem über die Zusammenarbeit mit Lausanne und Lugano.

Der grösste Gegner ist nicht nur auf dem Eis

Ein Aufstieg in die National League hängt aber nicht allein vom sportlichen Erfolg ab. Die Infrastruktur spielt eine zentrale Rolle. Genau hier liegt derzeit eine der grössten Herausforderungen des Klubs.

Die heutige Graben-Halle ist für die langfristigen National-League-Ambitionen nur bedingt geeignet. Sierre arbeitet deshalb am Projekt der neuen Valais Arena. Dieses Vorhaben soll dem Klub künftig die strukturelle Basis geben, um dauerhaft in der höchsten Liga bestehen zu können.

Der Zeitplan ist allerdings langfristig angelegt. Nach aktuellem Stand soll die neue Arena erst für die Saison 2031/32 zur Verfügung stehen. Für einen möglichen früheren Aufstieg müssten deshalb Übergangslösungen und Anpassungen an der bestehenden Halle umgesetzt werden.

Ein möglicher Aufstieg würde Sierre nicht nur sportlich in eine neue Dimension führen. Die National League ist die Bühne der grössten Schweizer Hockeyklubs und startet 2026/27 mit einem besonders offenen Titelrennen. Einen aktuellen Überblick bietet der Belmedia-Beitrag über die National League 2026/27 mit Meister Fribourg sowie den Ambitionen von Bern, Lugano und weiteren Spitzenklubs.

McSorleys Ziel bleibt 2028

Besonders aufschlussreich ist die langfristige Planung des Klubs. Chris McSorley hält laut aktuellen Aussagen weiterhin einen Aufstieg im Jahr 2028 für realistisch.

Das bedeutet nicht, dass Sierre 2026/27 freiwillig auf sportlichen Erfolg verzichten würde. Im Gegenteil: Der Klub will erneut ganz vorne mitspielen. Aber die offizielle Entwicklungslogik deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen den Aufstieg als Projekt verstehen – nicht als kurzfristigen Alles-oder-nichts-Versuch.

Genau darin liegt der entscheidende Unterschied. Sierre ist sportlich bereits auf einem Niveau angekommen, auf dem eine weitere starke Playoff-Kampagne absolut realistisch ist. Ein National-League-Aufstieg muss jedoch auch finanziell, organisatorisch und infrastrukturell getragen werden können.

Die Konkurrenz bleibt stark

Hinzu kommt die Qualität der Swiss League. La Chaux-de-Fonds, Basel, Olten, Chur und weitere ambitionierte Klubs sorgen dafür, dass ein erneuter Finaleinzug keineswegs garantiert ist.

Schon der Saisonauftakt unterstreicht die Herausforderung: Sierre empfängt am 18. September ausgerechnet La Chaux-de-Fonds – jenes Team, gegen das die Walliser in der vergangenen Saison im Playoff-Final standen.

Für Sierre wird deshalb entscheidend sein, ob die Mannschaft ihre Stabilität aus der Meistersaison konservieren kann. Nach einem Titel steigt der Erwartungsdruck automatisch. Gegner stellen sich taktisch anders ein, Leistungsträger werden stärker beobachtet und kleinere Formschwächen fallen schneller ins Gewicht.

Könnte es trotzdem schon dieses Jahr klappen?

Sportlich: ja. Sierre hat genügend Qualität, Erfahrung und Selbstvertrauen, um erneut um den Swiss-League-Titel zu spielen.

Strukturell ist ein sofortiger National-League-Aufstieg jedoch deutlich schwieriger einzuschätzen. Die neue Arena ist noch Zukunftsmusik, Übergangslösungen wären nötig und die Verantwortlichen selbst richten den langfristigen Aufstiegsplan eher auf 2028 aus.

Deshalb wäre es falsch, Sierre für 2026/27 bereits als klaren Aufstiegsfavoriten zu bezeichnen. Ebenso falsch wäre aber die Behauptung, der Klub sei noch weit davon entfernt.

Die wahrscheinlichste Einschätzung lautet: Sierre ist sportlich bereit, um den Aufstieg zu kämpfen – strukturell wäre 2027 aber eher ein früher Erfolg als der ursprünglich geplante Zeitpunkt.

Genau das macht die kommende Saison so interessant. Der HC Sierre muss nicht zwingend aufsteigen, um seinen Fortschritt zu bestätigen. Aber sollte sportlich alles zusammenpassen, könnte der Klub plötzlich schneller vor der National-League-Tür stehen, als es der langfristige Zeitplan vorsieht.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Titelbild: KI-Bild

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