Klubs erhöhen Druck auf FIFA – Reformen sollen mehr Mitsprache bringen

Der Druck auf die FIFA wächst weiter. Die European Football Clubs, die mehr als 850 Vereine vertreten, verlangen transparentere Entscheidungsprozesse und eine echte Einbindung der Klubs bei weitreichenden FIFA-Projekten. Ausgelöst wurde die Debatte durch das inzwischen aufgegebene Projekt «FIFA Forward Enterprise», das ohne vorgängige Konsultation zentraler Stakeholder vorbereitet worden war.

Die EFC hatte bereits Ende Juli scharf kritisiert, von den FIFA-Plänen erst über die Medien erfahren zu haben. Inzwischen geht die Diskussion aber deutlich weiter. FIFPRO Europe fordert zusammen mit den Vertretern von Spielern und Ligen eine unabhängige Überprüfung der FIFA-Entscheidungsstrukturen und eine formelle Einbindung von Klubs, Ligen und Spielern in wichtige strategische Beschlüsse.

FIFA-Präsident Gianni Infantino hat auf den wachsenden Druck reagiert und eine unabhängige externe Überprüfung der Governance-Strukturen vorgeschlagen. Darüber hatten wir bereits im Beitrag Infantino schlägt externe Prüfung der FIFA-Governance vor berichtet. Beim FIFA-Council am 15. Oktober könnten nun erstmals konkrete Reformmodelle diskutiert werden.

Klubs wollen nicht mehr übergangen werden

Die European Football Clubs vertritt mittlerweile mehr als 850 Vereine und ist von der FIFA offiziell als Vertretung der europäischen Klubs anerkannt.

Gerade deshalb sorgte das Projekt FIFA Forward Enterprise für erheblichen Ärger. Mit der neuen Struktur wollte FIFA kommerzielle Rechte rund um ihre Wettbewerbe neu organisieren und zusätzliches privates Kapital mobilisieren.

Die EFC erklärte damals ausdrücklich, dass sie über die Pläne nicht informiert oder konsultiert worden sei. Bei einem Projekt dieser Grössenordnung sei es aus Sicht der Klubvertretung selbstverständlich, die betroffenen Vereine frühzeitig einzubeziehen.

Die Forderung lautet deshalb inzwischen nicht nur nach besserer Kommunikation, sondern nach institutionell verankerter Mitsprache.

Spieler, Klubs und Ligen sollen einen festen Platz erhalten

Auch FIFPRO Europe erneuerte diese Woche die Forderung nach grundlegenden Veränderungen.

Die Spielergewerkschaft verlangt eine unabhängige Überprüfung der exekutiven Entscheidungsprozesse innerhalb des FIFA-Councils. Gleichzeitig sollen Spieler, Klubs und Ligen neben den nationalen Verbänden formell in wichtige Entscheidungsprozesse integriert werden.

Damit geht es um deutlich mehr als um einzelne Sitzungen oder Anhörungen. Ziel ist eine Struktur, in der wichtige Entscheidungen nicht mehr ohne die professionelle Fussballindustrie getroffen werden können.

Die EFC vertritt dabei die Klubseite, FIFPRO die Spieler und die World Leagues Association die Ligen.

Transfersystem zeigt bereits, wie Zusammenarbeit funktionieren kann

Ein erstes Beispiel für diese neue Form der Zusammenarbeit existiert bereits.

Im Juni verständigten sich FIFA, FIFPRO, EFC und die World Leagues Association auf ein neues globales Transfersystem. Auch UEFA und CONMEBOL waren in die Verhandlungen eingebunden.

Das neue Regelwerk tritt am 1. Januar 2027 in Kraft. FIFA bezeichnete die Einigung selbst als wegweisend, weil die Interessen von Spielern und Klubs erstmals über mehrere Monate gemeinsam ausgehandelt wurden.

Parallel dazu wurde eine sogenannte Global Social Dialogue Platform geschaffen. Dort sollen Spieler, Klubs und Ligen künftig bei Themen wie Transfers, Arbeitsbedingungen, Belastungssteuerung und weiteren regulatorischen Fragen eingebunden werden.

Genau dieses Modell soll nach Vorstellung der Reformbefürworter künftig auch bei grösseren strategischen FIFA-Entscheidungen stärker zum Tragen kommen.

Forward Enterprise hat das Vertrauen beschädigt

Der Streit um FIFA Forward Enterprise war der entscheidende Auslöser der aktuellen Diskussion.

FIFA wollte mit dem Projekt neue kommerzielle Möglichkeiten erschliessen und zusätzliche Einnahmen für die 211 Mitgliedsverbände generieren. Gegen die geplante Struktur formierte sich allerdings breiter Widerstand.

Die EFC kritisierte vor allem den fehlenden Einbezug der Klubs. FIFPRO ging noch weiter und bezeichnete den Vorgang als Beleg dafür, dass die bestehenden Governance-Regeln nicht ausreichend vor einseitigen Entscheidungen schützen.

FIFA zog das Projekt Ende Juli zurück.

Infantino argumentierte anschliessend, dass die Kritik ernst genommen worden sei und das Projekt angesichts der entstandenen Spaltung nicht weitergeführt werde.

Entscheidung am 15. Oktober könnte wegweisend werden

Der nächste wichtige Termin ist die Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober.

Infantino hat vorgeschlagen, eine externe Überprüfung des Governance-Rahmens einzuleiten. Dabei soll insbesondere untersucht werden, wie grosse strategische Projekte künftig vorbereitet und beschlossen werden.

Zur Diskussion stehen unter anderem eine stärkere Rolle des Councils, eine breitere Beteiligung des Kongresses und neue formelle Mitsprachemöglichkeiten für weitere Stakeholder.

Für die Klubs dürfte entscheidend sein, ob aus den bisherigen Konsultationen tatsächlich verbindliche Strukturen entstehen.

Die Forderung ist klar: Entscheidungen über Wettbewerbe, Transfersysteme, Kalender und Milliardenumsätze sollen künftig nicht mehr ohne jene getroffen werden, die Spieler beschäftigen, Wettbewerbe tragen und einen grossen Teil des wirtschaftlichen Werts des Profifussballs erzeugen.

⚽ DARUM GEHT ES BEI DEN FIFA-REFORMEN

  • Die European Football Clubs vertritt mehr als 850 Vereine und fordert transparentere FIFA-Entscheidungsprozesse.
  • Klubs, Spieler und Ligen sollen bei wichtigen strategischen Beschlüssen formell eingebunden werden.
  • Das neue Transfersystem ab 1. Januar 2027 wurde bereits gemeinsam von FIFA, FIFPRO, EFC und den Ligen ausgehandelt.
  • Am 15. Oktober könnte das FIFA-Council erste konkrete Schritte für eine umfassendere Governance-Reform beschliessen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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