Lugano zieht davon – warum die Tessiner wirklich ganz vorne stehen
von belmedia Redaktion Allgemein Fussball Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Regionen Schweiz soccer.ch Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch Städte Super League Tessin Themen Ⳇ Verbreitung
Der FC Lugano hat sich in der Super League längst von einem ambitionierten Verfolger zu einem echten Spitzenteam entwickelt. Nach neun Meisterschaftsspielen stehen die Tessiner bei 25 Punkten, acht Siegen und nur einem Unentschieden. Bemerkenswert ist dabei nicht nur der sportliche Vorsprung, sondern auch die Tatsache, dass Lugano mit einem vergleichsweise überschaubaren Budget arbeitet.
Für die Saison 2026/27 beziffert der Klub sein Budget auf rund 12,5 Millionen Franken. CEO Martin Blaser betonte bereits im Mai, dass Lugano wegen des kleineren Einzugsgebiets im Tessin bei den Einnahmen strukturell nicht mit Basel, St. Gallen oder den Young Boys mithalten könne. Gerade deshalb fällt der aktuelle Lauf besonders auf: Lugano führt die Liga nicht dank der grössten finanziellen Mittel, sondern dank einer klaren sportlichen Idee, gezielter Kaderplanung und bemerkenswerter Konstanz.
Auch die Resultate sprechen eine deutliche Sprache. Lugano gewann unter anderem 3:1 beim FC Basel, schlug St. Gallen 4:1 und setzte sich zuletzt sogar 4:0 in Lausanne durch. Lediglich beim 2:2 gegen die Young Boys gab das Team bislang Punkte ab. Über den neuen Vereinsrekord nach dem 4:0-Sieg in Lausanne haben wir bereits berichtet.
12,5 Millionen Franken – und trotzdem Tabellenführer
Luganos wirtschaftliche Ausgangslage unterscheidet sich von jener der grössten Schweizer Klubs.
Blaser erklärte im Frühjahr, dass sich das Budget für die laufende Saison bei rund 12,5 Millionen Franken bewegt. Entscheidend ist dabei vor allem die Einnahmenseite. Sponsoring, Ticketing, Saisonkarten und Hospitality bilden die Basis, doch das Tessiner Einzugsgebiet bleibt kleiner als jenes von Basel, Bern oder St. Gallen.
Dazu kommen die UEFA-Finanzregeln. Lugano will weiterhin regelmässig europäisch spielen und muss deshalb auch beim Kaderaufbau auf Nachhaltigkeit achten.
Genau das macht die aktuelle Tabellenführung interessant. Lugano versucht nicht, grössere Konkurrenten finanziell zu kopieren, sondern setzt auf eine klar definierte Struktur.
Bislimi verkörpert Luganos Entwicklung
Wenn man im aktuellen Lugano-Team eine Figur herausheben will, führt kaum ein Weg an Uran Bislimi vorbei.
Der Schweizer Nationalspieler ist technisch sauber, laufstark und flexibel einsetzbar. Er verbindet Mittelfeld und Offensive, kann selbst abschliessen und übernimmt gleichzeitig viel Arbeit gegen den Ball.
Beim 3:1 in Basel erzielte Bislimi den Treffer zum 2:1 und war damit Teil jener Phase, in der Lugano das Spiel innerhalb weniger Minuten komplett drehte.
Seine Bedeutung lässt sich aber nicht nur an Toren messen. Croci-Torti hebt immer wieder genau jene Aktionen hervor, die in Statistiken kaum auftauchen: Rückwärtsbewegungen, Zweikämpfe, Laufwege und die Bereitschaft, defensiv Verantwortung zu übernehmen.
Bislimi steht damit sinnbildlich für dieses Lugano: technisch stark, aber nicht verspielt; offensiv gefährlich, aber gleichzeitig bereit, viel Arbeit ohne Ball zu leisten.
Croci-Torti ist mehr als nur ein Motivator
Mattia Croci-Torti wird oft über seine Emotionalität definiert. Das greift inzwischen zu kurz.
Der Trainer ist seit Jahren beim Klub und hat eine Mannschaft aufgebaut, die taktisch deutlich flexibler geworden ist.
Gegen St. Gallen erklärte er nach dem 4:1 ausdrücklich, dass sein Team ein Gleichgewicht zwischen langen Bällen in die Tiefe und kurzen Kombinationen finden müsse. Genau diese Variabilität ist inzwischen eine grosse Stärke.
Lugano kann hoch pressen, den Gegner über längere Ballbesitzphasen kontrollieren oder schnell vertikal spielen.
Auch seine Wechsel sind Teil des Matchplans. Nach dem 1:0 gegen Servette erklärte Croci-Torti, dass bereits vor dem Spiel vorgesehen gewesen sei, mit den eingewechselten Spielern nach der Pause zusätzlich Tempo zu bringen.
Albian Ajeti erzielte den Siegtreffer in der 94. Minute. Zuvor hatten bereits andere Joker entscheidende Tore geliefert.
Der Kader ist breiter geworden
Ein weiterer Unterschied zu früheren Lugano-Mannschaften ist die Tiefe des Kaders.
Croci-Torti kann auf mehreren Positionen wechseln, ohne dass die Qualität sofort deutlich absinkt. Ajeti kam erst im September dazu und erzielte praktisch sofort wichtige Tore. Elias Pihlström entschied gegen St. Gallen mit einem Doppelpack die erste Halbzeit mit. Spieler wie Dos Santos, Cimignani, Grgić oder Kendouci geben dem Trainer zusätzliche Varianten.
Auch defensiv besitzt Lugano inzwischen mehrere Lösungen.
Das ist gerade deshalb wichtig, weil der Klub gleichzeitig in Meisterschaft, Cup und Europacup gefordert ist. Ein schmaler Kader würde bei dieser Belastung schnell an Grenzen stossen.
Siege gegen Basel und St. Gallen sind ein Signal
Besonders aussagekräftig sind die bisherigen Direktduelle mit starken Gegnern.
In Basel geriet Lugano nach der Pause 0:1 in Rückstand. Statt auseinanderzufallen, drehten Cimignani und Bislimi das Spiel innerhalb von zwei Minuten. Am Ende gewann Lugano 3:1 und kam dabei auf 23 Abschlüsse gegenüber nur fünf des FCB.
Gegen St. Gallen führte Lugano nach 36 Minuten bereits mit 4:0.
Und selbst im Spitzenspiel gegen YB zeigte die Mannschaft Widerstandskraft. Nach einer zwischenzeitlichen 1:2-Führung der Berner erzielte Ajeti zehn Minuten vor Schluss den 2:2-Ausgleich.
Damit hat Lugano bereits mehrere unterschiedliche Arten von Spielen erfolgreich bewältigt.
Die neue Arena bringt zusätzlich Stabilität
Auch die AIL Arena spielt eine Rolle.
Der Umzug ins neue Stadion verbessert nicht nur die Infrastruktur, sondern eröffnet dem Klub auch neue Möglichkeiten bei Hospitality und Vermarktung.
Gleichzeitig entwickelt sich das Stadion sportlich zu einem Faktor. Lugano hat dort bereits mehrere wichtige Partien gewonnen und gegen YB vor ausverkauftem Haus gespielt.
Das Zusammenspiel aus neuer Infrastruktur, sportlicher Kontinuität und einer Mannschaft, die seit mehreren Jahren gemeinsam wächst, schafft eine stabile Grundlage.
Der entscheidende Faktor bleibt die Konstanz
Ob Lugano bis zum Saisonende ganz vorne bleibt, hängt vor allem davon ab, wie gut die Mannschaft mit Belastung, Verletzungen und Formschwankungen umgeht.
Nach neun Spielen ist die Saison noch lang. Klar ist aber schon jetzt: Der aktuelle Lauf basiert nicht nur auf einzelnen glücklichen Resultaten.
Lugano verfügt über einen eingespielten Trainer, einen breiteren Kader, taktische Flexibilität und Spieler wie Bislimi, die sowohl technisch als auch mental Verantwortung übernehmen.
Und genau deshalb wirkt die aktuelle Tabellenführung inzwischen weniger wie eine Momentaufnahme als noch zu Saisonbeginn.
- 25 Punkte aus den ersten neun Super-League-Spielen: acht Siege und ein Unentschieden.
- Das Klubbudget liegt für 2026/27 bei rund 12,5 Millionen Franken – Lugano arbeitet damit strukturell mit anderen finanziellen Voraussetzungen als die grössten Schweizer Klubs.
- Uran Bislimi verkörpert mit Technik, Laufarbeit und taktischer Vielseitigkeit die Entwicklung der Mannschaft.
- Mattia Croci-Torti setzt auf flexible Spielpläne, starke Wechsel und eine über Jahre gewachsene Mannschaftsstruktur.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert