Nexetis vor dem Aus – Swiss Cycling fehlen Sponsoren

Das Schweizer Frauen-Radteam Nexetis steht nach nur zwei Jahren vor dem Aus. Swiss Cycling ist es nicht gelungen, genügend zusätzliche Sponsoren für die Weiterführung des Förderprojekts zu finden. Der ursprünglich geplante Aufstieg in die Pro-Kategorie für 2027 ist damit vom Tisch.

Wie SRF am Mittwoch berichtet, bestätigte Nationaltrainer und Nexetis-Sportchef Edi Telser die schwierige Situation vor dem Abflug an die Strassen-WM in Montreal. «Wir haben es nicht geschafft, zusätzliche Sponsoren zu finden», erklärte Telser im Rahmen einer Medienrunde in Zürich-Kloten.

Nexetis soll deshalb nur noch bis Ende 2026 in seiner bisherigen Form bestehen. Swiss Cycling sucht nun nach einer neuen Lösung, um jungen Schweizer Fahrerinnen auch künftig den Übergang vom Nachwuchs in den internationalen Spitzensport zu ermöglichen.

Aufstieg für 2027 war ursprünglich das grosse Ziel

Das Förderteam war nach der Heim-WM 2024 in Zürich aufgebaut worden. Hintergrund war eine strukturelle Lücke im Schweizer Frauen-Radsport: Während bei den Männern mehrere Teams und Entwicklungsmöglichkeiten für den Schritt vom Nachwuchs in den Profibereich bestehen, fehlte bei den Frauen eine vergleichbare Plattform.

Nexetis sollte genau diese Rolle übernehmen. Das Team wurde als UCI Women’s Continental Team aufgebaut und ermöglichte jungen Fahrerinnen ein internationales Rennprogramm auf hohem Niveau.

Der nächste Schritt war bereits vorgesehen. Swiss Cycling wollte Nexetis 2027 in die Pro-Kategorie führen und damit die sportlichen Möglichkeiten nochmals deutlich ausbauen.

Dafür wären jedoch zusätzliche finanzielle Mittel notwendig gewesen. Diese konnten trotz der Suche nach neuen Partnern nicht beschafft werden.

Telser machte deutlich, dass Swiss Cycling weiterhin an Lösungen für die betroffenen Athletinnen arbeitet. Das bisherige Niveau des Projekts werde jedoch kaum aufrechterhalten werden können.

Finanzierung war bereits eine Herausforderung

Dass die finanzielle Basis von Nexetis nicht langfristig gesichert war, hatte sich bereits zuvor abgezeichnet. Im Jahresbericht 2025 von Swiss Cycling wurde festgehalten, dass bestehende Synergien mit dem Verband die strukturellen Finanzierungsbedürfnisse des Teams nicht vollständig decken konnten.

Nexetis konnte zwar mehrere namhafte Partner gewinnen. Unter anderem unterstützten Assos, Thömus und DT Swiss das Projekt, dazu kam aufgrund der internationalen Ausrichtung des Teams eine Zusammenarbeit mit Nippo.

Für den geplanten Ausbau zur nächsthöheren Kategorie reichten diese Mittel jedoch nicht aus.

Das Aus ist deshalb besonders bitter, weil das sportliche Konzept erste deutliche Erfolge hervorgebracht hat.

Liechti und Caluori schaffen den Sprung in die World Tour

Jasmin Liechti gehört zu den Fahrerinnen, die Nexetis als Sprungbrett nutzen konnten. Die 23-jährige Bernerin wechselt 2027 zu Canyon/SRAM und steigt damit in die Women’s World Tour auf.

Liechti machte in dieser Saison mit mehreren starken Resultaten auf sich aufmerksam. Sie gewann unter anderem den Gran Premio della Liberazione sowie die Bretagne Ladies Tour und holte zudem ihren ersten Schweizer Elite-Meistertitel auf der Strasse.

Auch Ginia Caluori schafft den Schritt auf die höchste Ebene. Die 23-jährige Bündnerin hat beim Movistar Team einen Vertrag für die Saisons 2027 und 2028 unterschrieben.

Caluori wird damit Teamkollegin von Marlen Reusser. Die vielseitige Schweizerin hat ihre Klasse sowohl auf der Strasse als auch im Mountainbike und Gravel unter Beweis gestellt und gehört zu den spannendsten Schweizer Radsporttalenten ihrer Generation.

Dass gleich mehrere Fahrerinnen den Sprung aus dem Förderteam in die World Tour schaffen, zeigt, dass Nexetis seine sportliche Aufgabe erfüllen konnte.

Für weitere Fahrerinnen werden Lösungen gesucht

Offen ist nun vor allem die Zukunft jener Athletinnen, die für 2027 noch keinen neuen Platz gefunden haben.

Swiss Cycling will versuchen, weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten anzubieten. Dabei hilft dem Verband, dass Nationalteams inzwischen wieder bei verschiedenen internationalen Rennen antreten können.

Eine vollwertige Ersatzlösung für ein ganzjährig operierendes Continental-Team ist dies allerdings nicht. Nexetis bot seinen Fahrerinnen nicht nur Renneinsätze, sondern auch professionelle Betreuung, Material, Trainingsstrukturen und ein internationales Umfeld.

Die Schweizer Radsport-Szene feierte zuletzt unter anderem grosse Erfolge an der Para-Cycling-WM in Huntsville. Bei der Nachwuchsförderung im Frauen-Strassenradsport droht nun dagegen ein empfindlicher Rückschritt.

Swiss Cycling muss neue Förderstruktur finden

Für den Verband beginnt damit die Suche nach einem neuen Modell. Die sportliche Notwendigkeit einer Entwicklungsstufe zwischen Nachwuchs und World Tour hat sich durch die vergangenen zwei Jahre nicht verändert.

Gerade die Beispiele Liechti und Caluori zeigen, welchen Wert eine solche Plattform haben kann. Junge Schweizerinnen erhalten internationale Rennkilometer, können sich gegen stärkere Konkurrenz entwickeln und werden für grosse Teams sichtbar.

Ohne eine Nachfolgelösung könnte genau dieser Übergang künftig wieder schwieriger werden.

Bis Ende Saison fährt Nexetis weiter. Danach dürfte das Projekt in seiner heutigen Form Geschichte sein – obwohl es sportlich genau jene Wirkung erzielt hat, für die es ursprünglich gegründet wurde.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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