Die Dotti-Brüder bei Ambri: Von Fans kritisiert, von Trainern gebraucht
von belmedia Redaktion Allgemein Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch National League News Orte Regionen Schweiz Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch sportnachrichten.ch swisshockey.ch Tessin Themen Vereine Ⳇ Verbreitung
Isacco und Zaccheo Dotti gehören beim HC Ambri-Piotta seit Jahren zu den umstrittenen Spielern. Teile der Anhängerschaft kritisieren ihre Fehler im Spielaufbau, mangelndes Tempo und unnötige Strafen. Trotzdem vertrauen verschiedene Trainer auf die beiden Verteidiger. Eine genauere Analyse zeigt, weshalb sie immer wieder zum Einsatz kommen – und warum die Kritik durchaus berechtigt ist.
Die Zahlen offenbaren erhebliche Unterschiede zwischen den Brüdern. Zaccheo absolvierte in der vergangenen Saison inklusive Playouts 54 Partien, Isacco lediglich 34. Unter Jussi Tapola spielen beide weiterhin eine Rolle, allerdings mit begrenzten und unterschiedlichen Aufgaben. In der laufenden Meisterschaft hat Isacco bisher sogar mehr Einsätze gesammelt.
Gerade in Ambri, wo Leidenschaft und Einsatzbereitschaft traditionell einen hohen Stellenwert besitzen, sorgt dieser Gegensatz für Diskussionen. Die Frage lautet nicht nur, ob die Dottis gut genug für die National League sind. Entscheidend ist, was ihre Trainer in ihnen sehen und weshalb andere Verteidiger nicht dauerhaft an ihnen vorbeikommen.
Die Kritik hat eine sportliche Grundlage
Wer die Dotti-Brüder ausschliesslich anhand ihres Einsatzwillens beurteilt, übersieht ihre spielerischen Defizite.
Beide können Schwierigkeiten bekommen, wenn schnelle Gegenspieler Druck ausüben. Besonders bei der Scheibenannahme, dem ersten Pass und unter aggressivem Forechecking bestehen erkennbare Schwächen.
Bei Isacco fallen insbesondere die Grenzen beim Spieltempo und der technischen Umsetzung auf. Zaccheo verfügt über mehr Erfahrung in einer festen Verteidigerrolle, ist aber ebenfalls nicht frei von Fehlern im Spielaufbau.
Die jüngste 3:6-Niederlage bei den Lakers lieferte zusätzliche Argumente für Kritiker. Zaccheo kassierte eine Strafe wegen Spielverzögerung, die Rapperswil zur Führung nutzte. Zudem sorgte eine Abstimmungspanne mit Tommaso De Luca beinahe für einen weiteren Gegentreffer.
Solche Szenen fallen besonders auf. Sie erklären, weshalb die beiden bei Teilen des Publikums regelmässig in der Kritik stehen.
Warum Trainer trotzdem auf sie setzen
Ein Trainer beurteilt einen Verteidiger nicht allein nach technischen Fähigkeiten oder Skorerpunkten.
Im modernen Eishockey müssen auch unangenehme Aufgaben übernommen werden. Körperlich dagegenhalten, Abschlüsse blockieren, Räume schliessen und taktische Vorgaben einhalten gehören ebenso dazu.
Genau hier besitzen die Dottis ihre Stärken. Beide verfügen über langjährige Erfahrung und sind bereit, körperlich zu spielen.
Das bedeutet allerdings nicht, dass sie defensiv automatisch zuverlässiger sind als technisch stärkere Kollegen.
Entscheidend ist ihre Rolle. Im dritten Verteidigerpaar oder bei begrenzter Eiszeit lassen sich gewisse Schwächen besser auffangen als bei einem Einsatz gegen die stärksten gegnerischen Formationen.
Zaccheo und Isacco sind nicht gleich wichtig
Die Statistik widerlegt die verbreitete Vorstellung, beide würden unabhängig von ihren Leistungen stets bevorzugt.
Zaccheo erhielt 2025/26 deutlich mehr Eiszeit und spielte häufiger an der Seite von Tim Heed oder Jesse Virtanen.
Isacco war dagegen oft nur siebter Verteidiger. Er musste wegen einer Handverletzung verspätet in die Saison starten und konnte sich anschliessend keinen dauerhaften Stammplatz sichern.
Interessanterweise hat sich das Verhältnis in dieser Saison verändert: Isacco kommt bisher auf 14 Einsätze, Zaccheo auf zehn.
Das zeigt, dass auch unter Tapola die sportliche Hierarchie nicht unveränderlich ist.
Tapolas System hilft den Brüdern
Unter Jussi Tapola ist Ambri insgesamt strukturierter geworden.
Die Verteidiger erhalten klarere Anweisungen, sollen Risiken beim Spielaufbau reduzieren und enger mit den Stürmern zusammenarbeiten.
Die Neuorganisation unter Jussi Tapola hat die defensive Stabilität der Leventiner verbessert und verändert auch die Rolle der beiden Brüder.
Für Spieler wie die Dottis ist das besonders wichtig. Je klarer ihre Aufgaben sind, desto seltener müssen sie unter Druck komplizierte Entscheidungen treffen.
Beim 1:2 gegen Bern am 10. Oktober spielte Isacco 13:24 Minuten, Zaccheo 16:11 Minuten. Dario Wüthrich erhielt dagegen 24 Minuten.
Die Eiszeiten verdeutlichen die Rollenverteilung.
Die Vertragsverlängerung wirft Fragen auf
Besonders aufschlussreich ist die Entscheidung der Klubführung vom 11. Mai 2026.
Ambri verlängerte den Vertrag mit Zaccheo um zwei Jahre bis 2028. Sportchef Lars Weibel setzte damit ein Zeichen, obwohl der Klub gleichzeitig eine Verjüngung seiner Mannschaft angekündigt hatte.
Dahinter steht die sportliche Einschätzung, dass Erfahrung und Verlässlichkeit innerhalb einer bestimmten Rolle wertvoll bleiben können.
Die entscheidende Frage betrifft deshalb nicht allein die Dottis, sondern die Konkurrenz im Kader.
Schaffen es jüngere Verteidiger, sich dauerhaft aufzudrängen? Und welche Aufgaben werden künftig von Rückkehrer Jesse Virtanen oder anderen etablierten Spielern übernommen?
Ein ehrliches Fazit zum Dotti-Phänomen
Die Kritik an den Brüdern lässt sich nicht einfach als übertriebene Erwartungshaltung abtun. Ihre spielerischen Grenzen sind seit Jahren erkennbar.
Genauso falsch wäre es allerdings, ihre Leistungen ausschliesslich auf Fehler zu reduzieren.
Isacco und Zaccheo erfüllen Aufgaben, die für das Funktionieren einer Mannschaft wichtig sein können. Tapola setzt sie entsprechend ihrer Möglichkeiten ein, ohne ihnen uneingeschränkt die Verantwortung zu übertragen.
Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb: Die Dotti-Brüder sind nicht unantastbar. Sie profitieren von Erfahrung, ihrer Arbeitsbereitschaft und einem System, das ihre Schwächen teilweise auffangen kann.
Ob das langfristig genügt, muss sich gegen stärkere Gegner und bei wachsender Konkurrenz im eigenen Kader zeigen.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert