Bissegger trotz Schambeinbruch im Schweizer WM-Aufgebot
von belmedia Redaktion Allgemein Amerika Europa Magazine nachrichtenticker.ch News Orte Radsport Schweiz Sport sportaktuell.ch Themen Weltmeisterschaft Ⳇ Verbreitung
Stefan Bissegger steht trotz seines Schambeinbruchs im Schweizer Aufgebot für die Strassen-WM in Montreal. Swiss Cycling hat den Thurgauer sowohl für das Einzelzeitfahren als auch für das Strassenrennen nominiert. Bei den Frauen führt Titelverteidigerin Marlen Reusser das 24-köpfige Schweizer Team an.
Swiss Cycling veröffentlichte das definitive Aufgebot am Mittwoch. Die Weltmeisterschaften finden vom 20. bis 27. September in Montreal statt und gehören zu den wichtigsten Saisonhöhepunkten für die Schweizer Strassenfahrerinnen und Strassenfahrer.
Besonders bemerkenswert ist die Nomination von Bissegger. Der Zeitfahrspezialist hatte sich Anfang August bei einem Sturz an der Polen-Rundfahrt einen Schambeinbruch zugezogen und musste seither eine mehrwöchige Rennpause einlegen.
Bissegger gewinnt den Wettlauf gegen die Zeit
Der Sturz ereignete sich gegen Ende der fünften Etappe der Polen-Rundfahrt. Bissegger geriet unglücklich an eine Werbefahne am Streckenrand und kam zu Fall.
Die anschliessenden Untersuchungen ergaben einen Bruch im Bereich des Schambeins. Kurz nach dem Unfall war völlig offen, ob die verbleibenden Wochen bis zur WM für eine Rückkehr reichen würden.
Bissegger selbst hatte seine Chancen auf eine Teilnahme zunächst auf rund 50 Prozent geschätzt. Nun hat Swiss Cycling den 27-Jährigen nicht nur für seine Spezialdisziplin, sondern auch für das deutlich anspruchsvollere Strassenrennen nominiert.
Die endgültige Bestätigung dafür, dass Bissegger tatsächlich an der Startlinie stehen kann, liefert allerdings erst seine weitere körperliche Entwicklung. Die Nomination zeigt jedoch, dass der Verband mit seinem Comeback plant.
Im Einzelzeitfahren bildet Bissegger gemeinsam mit Stefan Küng das Schweizer Duo. Beide gehören seit Jahren zu den international stärksten Schweizer Fahrern gegen die Uhr.
Reusser verteidigt das Regenbogentrikot
Die grösste Schweizer Medaillenhoffnung trägt bei den Frauen Marlen Reusser. Die Bernerin reist als amtierende Weltmeisterin im Einzelzeitfahren nach Kanada.
Reusser gewann den WM-Titel 2025 in Kigali und tritt in Montreal auch als amtierende Europameisterin an. Swiss Cycling hat sie sowohl für das Zeitfahren als auch für das Strassenrennen aufgeboten.
Die Zeitfahrstrecke ist 39,2 Kilometer lang und weist lediglich 220 Höhenmeter auf. Männer und Frauen fahren auf demselben Parcours durch Montreal, unter anderem entlang des St.-Lorenz-Stroms und über Teile des Circuit Gilles-Villeneuve.
Neben Reusser startet Jasmin Liechti im Frauen-Zeitfahren. Im Strassenrennen kommen Ginia Caluori, Steffi Häberlin, Noemi Rüegg und Linda Zanetti hinzu.
Liechti und Caluori gehören zu jener Generation, die vom Schweizer Förderprojekt Nexetis profitiert hat. Ausgerechnet kurz vor der WM wurde bekannt, dass Nexetis wegen fehlender Sponsoren vor dem Aus steht.
Christen, Hirschi und Schmid für schweres Strassenrennen
Auch bei den Männern verfügt die Schweiz über mehrere interessante Optionen. Neben Küng und Bissegger wurden Fabio Christen, Jan Christen, Marc Hirschi und Mauro Schmid für das Strassenrennen selektioniert.
Der Parcours ist mit 273,7 Kilometern und 3’803 Höhenmetern ausgesprochen anspruchsvoll. Nach dem Start in Brossard führt die Strecke in Richtung Montreal, ehe auf dem Schlusskurs rund um den Mont Royal die Entscheidung fällt.
Die Männer absolvieren den finalen Rundkurs zwölfmal. Mehrere Anstiege und Rampen mit Steigungen von über elf Prozent machen das Profil insbesondere für Klassikerfahrer interessant.
Damit könnte die Strecke Fahrern wie Hirschi, Schmid oder Jan Christen entgegenkommen. Auch Küng besitzt bei einem langen, taktisch geprägten WM-Rennen Möglichkeiten.
Bei den Frauen stehen 180,4 Kilometer und 2’570 Höhenmeter auf dem Programm. Der Schlusskurs wird achtmal gefahren.
24 Schweizerinnen und Schweizer reisen nach Montreal
Insgesamt umfasst die Auswahl von Swiss Cycling elf Athletinnen und 13 Athleten aus den Kategorien Elite, U23 und U19.
Bei den U23-Frauen wurden Mara Winter, Lea Huber und Anina Hutter aufgeboten. Winter bestreitet sowohl das Zeitfahren als auch das Strassenrennen.
Bei den U23-Männern startet Jan Huber in beiden Disziplinen. Im Strassenrennen ergänzen Diego Casagrande, Nicolas Ginter, Nicolas Halter und Melk Zumstein die Auswahl.
Auch bei den Juniorinnen und Junioren ist die Schweiz vertreten. Anja Grossmann und Elia Marthe treten bei den U19-Frauen sowohl im Zeitfahren als auch im Strassenrennen an, bei den Männern gilt dasselbe für Marwan Barhoumi und Antoine Salamin.
Die grössten Erwartungen liegen dennoch auf der Elite. Reusser will ihr Regenbogentrikot verteidigen, Küng jagt erneut eine WM-Medaille und Bissegger versucht nach seiner schweren Verletzung ein bemerkenswert schnelles Comeback.
Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert