Saisonvorschau 9/14: ZSC Lions greifen mit Julien nach der Spitze
von belmedia Redaktion Allgemein Eishockey Magazine nachrichtenticker.ch National League News Orte Regionen Schweiz Schweiz Spiele Sport Sport & Spiel sportaktuell.ch swisshockey.ch Themen Transfers Vereine Zürich Ⳇ Verbreitung
Nach dem verpassten Titel-Hattrick gehen die ZSC Lions mit einem neuen Trainer und einem nochmals verstärkten Kader in die Saison 2026/27. Stanley-Cup-Sieger Claude Julien übernimmt eine Mannschaft, die bereits zuvor zu den qualitativ stärksten der National League gehörte und mit Malte Strömwall, Tim Berni und Simon Knak zusätzliche Klasse erhalten hat. Für uns sind die Zürcher der stärkste Kandidat für Platz 1 der Qualifikation.
Die vergangene Saison endete für den ZSC früher als erwartet. Nach Rang 4 in der Qualifikation fegten die Lions den HC Lugano im Viertelfinal mit 4:0 Siegen vom Eis, scheiterten anschliessend aber mit 1:4 am HC Davos. Für einen Klub, der zuvor Meister und Champions-League-Sieger geworden war und den dritten Titelgewinn in Serie anstrebte, war der Halbfinal keine ausreichende Ausbeute.
Die Konsequenz folgte auf der Trainerposition. Marco Bayer musste gehen, obwohl er 2025 noch das Double gewonnen hatte. Mit Claude Julien holten die Zürcher einen Trainer mit mehr als 1000 NHL-Partien als Headcoach und einem Stanley-Cup-Titel mit den Boston Bruins. Gleichzeitig verstärkte Sportchef Sven Leuenberger einen ohnehin hochkarätigen Kader mit Malte Strömwall, Tim Berni, Simon Knak und Joshua Fahrni. Der Anspruch ist entsprechend klar: Der ZSC will wieder um beide nationalen Titel spielen.
Claude Julien soll den ZSC direkter machen
Die Verpflichtung von Claude Julien ist weit mehr als ein gewöhnlicher Trainerwechsel. Der Kanadier arbeitete als Headcoach in New Jersey, Montreal und Boston und führte die Bruins 2011 zum Stanley Cup. In Zürich unterschrieb Julien einen Vertrag bis 2028 und brachte René Matte als Assistenztrainer mit.
Auch spielerisch soll sich etwas verändern. Die Lions wollen unter Julien weniger auf langen Puckbesitz setzen und dafür direkter zum gegnerischen Tor spielen. Mehr Tempo, mehr Abschlüsse und mehr Druck in den gefährlichen Zonen gehören zu den zentralen Ideen des neuen Trainers.
Dafür besitzt Julien einen Kader, der ihm verschiedene Varianten erlaubt. Der ZSC kann technisch dominieren, körperlich spielen und vier Linien aufs Eis schicken, die offensiv gefährlich werden können. Kaum ein anderer Klub verfügt über eine vergleichbare Breite.
Malgin und Andrighetto bleiben das Herzstück
Im Zentrum der Offensive stehen weiterhin Denis Malgin und Sven Andrighetto. Beide kamen in der vergangenen Qualifikation auf jeweils 41 Punkte in 41 Spielen und gehörten damit zu den effizientesten Schweizer Spielern der Liga.
Gerade Malgin besitzt Fähigkeiten, die in der National League nur schwer zu verteidigen sind. Tempo, Puckkontrolle und Spielübersicht machen ihn zu einem der auffälligsten Einzelspieler der Meisterschaft. Erst kürzlich haben wir uns deshalb ausführlich mit der Frage beschäftigt, ob Denis Malgin der beste Spieler der National League ist.
Andrighetto bringt neben seiner offensiven Qualität zusätzlich viel Erfahrung und Führungsstärke mit. Sein Ausfall während der vergangenen Playoffs traf die Lions empfindlich. Bleiben Malgin und Andrighetto gesund, verfügt der ZSC über eines der gefährlichsten Schweizer Offensivduos der Liga.
Strömwall macht den Angriff noch gefährlicher
Als wäre die Offensive nicht bereits stark genug gewesen, verpflichtete Zürich zusätzlich Malte Strömwall von den Rapperswil-Jona Lakers. Der Schwede erzielte in zwei Jahren am Obersee 89 Punkte in 107 Spielen und besitzt insbesondere mit seinem Schuss enorme Qualität.
Strömwall unterschrieb beim ZSC bis 2028. Bereits in der Vorbereitung zeigte er, dass er sich schnell in die neue Mannschaft integriert hat. Beim 9:0 gegen die GCK Lions sammelte er mehrere Skorerpunkte, gegen Adler Mannheim traf er beim klaren 5:1-Erfolg ebenfalls.
Mit Rudolfs Balcers, Jesper Frödén, Derek Grant und Juho Lammikko verfügt Julien daneben über weitere erfahrene Importspieler. Gleichzeitig stehen mit Willy Riedi, Thierry Bader, Nicolas Baechler, Justin Sigrist und Chris Baltisberger mehrere etablierte Schweizer Stürmer zur Verfügung.
Knak und Fahrni erhöhen die Schweizer Tiefe
Auch bei den Schweizer Spielern hat der ZSC nachgelegt. Simon Knak wechselte vom HC Davos nach Zürich. Der kräftige Flügel bringt Nationalmannschaftserfahrung mit und kann sowohl offensiv produzieren als auch körperlich spielen.
Joshua Fahrni kam von den SCL Tigers. Er erhält in Zürich die Chance, sich bei einem Spitzenteam dauerhaft durchzusetzen. Dazu wurden weitere junge Spieler aus der eigenen Organisation an das National-League-Kader herangeführt.
Demgegenüber verliessen unter anderem Vinzenz Rohrer, Denis Hollenstein, Daniel Olsson, Harrison Schreiber, Alessandro Segafredo und Daniil Ustinkov die Organisation. In der Summe erscheint der ZSC-Kader trotzdem eher stärker als schwächer.
Berni verstärkt eine ohnehin starke Defensive
Ein besonders wichtiger Transfer ist Tim Berni. Der Schweizer Nationalverteidiger kam von Genève-Servette und erweitert eine Defensive, die bereits zuvor hervorragend besetzt war.
Dean Kukan und Mikko Lehtonen gehören zu den spielstärksten Verteidigern der Liga. Dazu kommen Christian Marti, Yannick Weber und Patrick Geering. Berni bringt zusätzliche Mobilität, internationale Erfahrung und Qualität im Spielaufbau.
Diese Tiefe ermöglicht es Julien, die Eiszeit stärker zu verteilen. Gleichzeitig besitzt der ZSC genügend erfahrene Verteidiger für enge Playoff-Partien. Gerade dort kann die Kombination aus spielerischer Klasse und Routine entscheidend werden.
Hrubec bleibt ein grosser Trumpf
Im Tor setzt Zürich weiterhin auf Simon Hrubec. Der tschechische Goalie hat längst bewiesen, dass er auf höchstem Niveau Spiele und ganze Playoff-Serien entscheiden kann. Robin Zumbühl bildet erneut eine weitere Schweizer Option.
Damit besitzen die Lions auch auf der wichtigsten Einzelposition Stabilität. Hrubec muss nicht während der Qualifikation jedes Spiel bestreiten, gleichzeitig weiss der ZSC genau, was er von seiner Nummer 1 erhält, wenn die entscheidende Phase beginnt.
Für einen Titelkandidaten ist diese Sicherheit enorm wertvoll. Andere Mannschaften müssen auf der Goalieposition noch Antworten finden – Zürich hat seine längst.
Vier Siege aus sechs Testspielen
Die Vorbereitung begann mit einem standesgemässen 9:0 gegen die GCK Lions. Beim Bodensee Cup folgte ein 0:2 gegen Lugano, danach bezwang der ZSC Schwenningen mit 5:3.
Besonders überzeugend war das 5:1 gegen Adler Mannheim. Auch das zweite Duell mit Schwenningen ging mit 5:2 klar an die Zürcher. Erst bei der Hauptprobe gegen Bern gab es mit dem 2:5 nochmals einen Dämpfer.
Insgesamt stehen damit vier Siege aus sechs Testspielen und ein Torverhältnis von 26:13. Vor allem offensiv waren bereits einige Elemente zu erkennen, die Julien sehen möchte. Gleichzeitig zeigte die Partie gegen Bern, dass selbst dieser hochkarätige Kader nicht automatisch jedes Spiel kontrollieren wird.
Ausgerechnet der SC Bern wartet am Dienstag, 15. September, auch zum Meisterschaftsauftakt. Diesmal findet die Partie allerdings in der Swiss Life Arena statt. Nur vier Tage nach der Testspielniederlage erhält der ZSC damit sofort die Chance zur Revanche.
Warum wir die ZSC Lions auf Rang 1 setzen
Kein anderer Klub vereint für uns derart viele Faktoren auf diesem Niveau. Mit Hrubec steht ein bewährter Spitzengoalie im Tor. Die Defensive mit Kukan, Lehtonen, Berni, Marti, Weber und Geering besitzt enorme Erfahrung. Und offensiv kann Claude Julien Spieler wie Malgin, Andrighetto, Strömwall, Balcers, Frödén, Grant und Lammikko einsetzen.
Hinzu kommt die Schweizer Tiefe. Knak, Baechler, Riedi, Bader, Sigrist, Fahrni oder Baltisberger wären bei zahlreichen Konkurrenten Kandidaten für deutlich grössere Rollen. In Zürich entsteht dadurch ein Konkurrenzkampf, bei dem sich kaum jemand längere Formschwächen erlauben kann.
Natürlich gibt es Fragezeichen. Ein Trainerwechsel benötigt Zeit, Juliens direkterer Stil unterscheidet sich von den bisherigen Abläufen und die Erwartungshaltung in Zürich ist enorm. Nach zwei Meistertiteln in Folge und dem Halbfinal-Aus im vergangenen Frühling zählt praktisch nur die Rückkehr an die Spitze.
Gerade deshalb setzen wir den ZSC auf Rang 1. Der Kader besitzt die grösste Tiefe der Liga, mehrere Schweizer Unterschiedsspieler und genügend internationale Erfahrung. Ob daraus im Frühling auch der Meistertitel entsteht, ist eine andere Frage. Für die 52 Spiele der Qualifikation sehen wir die Lions aber vor der Konkurrenz.
- Pluspunkt: Kaum ein Konkurrent verfügt über eine vergleichbare Mischung aus Schweizer Topspielern, starken Imports und Tiefe über vier Linien.
- Trumpf: Malgin, Andrighetto und Neuzugang Strömwall können Spiele mit individueller Klasse entscheiden.
- Chance: Claude Juliens direkterer Spielstil könnte dem ohnehin starken Kader zusätzliche Durchschlagskraft verleihen.
- Risiko: Der enorme Erwartungsdruck und die Umstellung auf ein neues System lassen wenig Raum für eine längere Anlaufphase.
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Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert