Saisonvorschau 10/14: Langnau will den nächsten Schritt schaffen

Die SCL Tigers waren in der vergangenen Saison ganz nahe an den Play-Ins – diesmal soll der nächste Schritt gelingen. Mit Jonathan Dahlén und Emil Pettersson erhält die Offensive erhebliche zusätzliche Qualität, während Thierry Paterlini langfristig das Vertrauen der Klubführung geniesst. Ganz ohne Fragezeichen geht Langnau aber nicht in die neue Spielzeit: Unsere Prognose lautet Rang 11.

Die Tigers beendeten die Qualifikation 2025/26 mit 64 Punkten auf Rang 11 und einem Torverhältnis von 140:147. Besonders bitter war die entscheidende Phase: Beim 1:5 in Biel vergab Langnau die Chance auf die Play-Ins, ehe die Saison mit einem 0:2 zuhause gegen die ZSC Lions endete. Der Klub reagierte nicht mit einem radikalen Umbruch, sondern verstärkte gezielt jene Bereiche, in denen zuletzt Qualität fehlte.

Die grösste Veränderung betrifft die Offensive. Jonathan Dahlén und Emil Pettersson wechseln gemeinsam von Timrå ins Emmental, Nando Eggenberger bringt zusätzliche Physis und Erfahrung. Gleichzeitig sind die Abgänge von Langzeit-Captain Harri Pesonen und Dario Rohrbach schwer zu ersetzen. Flavio Schmutz übernimmt neu das Captainamt und soll gemeinsam mit einer erfahrenen finnisch-schwedischen Importachse dafür sorgen, dass Langnau den nächsten Schritt macht.

Paterlini bleibt das Gesicht des sportlichen Weges

Bei den SCL Tigers setzt man weiterhin auf Kontinuität hinter der Bande. Thierry Paterlini hat seinen Vertrag gemeinsam mit Assistenztrainer Steve Hirschi vorzeitig bis zum Ende der Saison 2028/29 verlängert. Der Klub signalisiert damit deutlich, dass der eingeschlagene Weg unabhängig von einzelnen Resultaten weitergeführt werden soll.

Neu im Trainerstab ist der Schwede Tobias Thermell. Er ersetzt zusammen mit der bestehenden Struktur Jukka Varmanen und Pär Arlbrandt, die den Klub nach der vergangenen Saison verlassen haben. Thermell kennt Emil Pettersson bereits aus der gemeinsamen Zeit in Växjö.

Auch die Führungsstruktur auf dem Eis wurde neu geordnet. Flavio Schmutz übernimmt das «C» von Pesonen. Hannes Björninen und Juuso Riikola fungieren als Assistenten, Phil Baltisberger und Julian Schmutz ergänzen die Führungsgruppe.

Dahlén und Pettersson sollen Langnaus Offensive verändern

Der spannendste Teil des neuen Kaders ist die schwedische Verbindung zwischen Jonathan Dahlén und Emil Pettersson. Beide spielten zuletzt gemeinsam für Timrå und kennen ihre Laufwege entsprechend gut.

Dahlén bringt sogar NHL-Erfahrung mit. Der technisch starke Flügel absolvierte 61 Partien für die San Jose Sharks und spielte zudem in der AHL. In Schweden gehörte er zuletzt zu den gefährlichsten Offensivspielern und erzielte in der vergangenen Saison 30 Tore.

Pettersson soll als Center die Verbindung herstellen. Der 32-Jährige kam in der vergangenen SHL-Saison in 51 Spielen auf 15 Tore und 31 Assists. 46 Punkte in einer der stärksten europäischen Ligen sind ein bemerkenswerter Leistungsausweis.

Gemeinsam mit André Petersson, Hannes Björninen und Saku Mäenalanen verfügt Paterlini über viel internationale Erfahrung im Angriff. Juuso Riikola und Santtu Kinnunen besetzen die Importpositionen in der Verteidigung. Insgesamt startet Langnau mit sieben Ausländern in die Saison.

Pesonen und Rohrbach hinterlassen grosse Lücken

So interessant die Neuzugänge sind, die Abgänge dürfen nicht unterschätzt werden. Harri Pesonen war weit mehr als ein ausländischer Stürmer. Der Finne absolvierte für die Tigers 364 Meisterschaftsspiele, erzielte 131 Tore sowie 134 Assists und führte die Mannschaft seit 2022/23 als Captain an.

Mit Dario Rohrbach verliert Langnau zusätzlich einen der besten Schweizer Offensivspieler des Teams. Der Flügel wechselt zum SC Bern, wo er einen langfristigen Vertrag unterschrieben hat. Auch Joshua Fahrni verliess die Tigers und schloss sich den ZSC Lions an.

Damit müssen die Emmentaler nicht nur Punkte ersetzen, sondern auch Persönlichkeit und Schweizer Qualität. Gerade Rohrbachs Produktion lässt sich nicht einfach durch einen zusätzlichen Import kompensieren.

Eggenberger und junge Verteidiger sollen die Breite erhöhen

Mit Nando Eggenberger kommt dafür ein Spieler, der bereits mehr als 400 National-League-Partien absolviert hat. Der kräftige Flügel kann auf beiden Seiten eingesetzt werden und soll Langnau zusätzliche Präsenz vor dem Tor verleihen.

In der Defensive verpflichteten die Tigers Arno Nussbaumer von Ajoie. Dazu kommt Gian Meier, der zuletzt in der Nachwuchsorganisation von Frölunda ausgebildet wurde und bereits erste Einsätze in der SHL gesammelt hat.

Zusammen mit Riikola, Kinnunen, Phil Baltisberger und den weiteren etablierten Verteidigern entsteht eine interessante Mischung aus Erfahrung und Entwicklungspotenzial. Langnau besitzt nicht die nominelle Tiefe der grossen Titelkandidaten, kann aber vier konkurrenzfähige Linien zusammenstellen.

Drei Schweizer Goalies geben Paterlini Optionen

Im Tor verzichten die Tigers weiterhin auf einen ausländischen Schlussmann. Luca Boltshauser, Robin Meyer und Martin Neckar stehen allesamt bis 2028 unter Vertrag.

Besonders Meyer hat sich in seiner ersten Saison im Emmental stark entwickelt. Der 25-Jährige kam in 22 National-League-Partien zum Einsatz und erreichte eine Fangquote von 91,9 Prozent. Im Sommer wurde er erstmals für das Prospect Camp der Schweizer Nationalmannschaft aufgeboten.

Damit ist Langnau auf dieser Position flexibel. Paterlini muss sich nicht auf eine unumstrittene Nummer 1 festlegen und kann nach Form und Belastung entscheiden.

Fünf Siege aus sieben Tests machen Hoffnung

Die Vorbereitung liefert gute Argumente für Optimismus. Langnau gewann zunächst 5:3 gegen Chur und setzte sich anschliessend mit 2:1 gegen den SC Bern durch. Nach einem knappen 0:1 gegen Kloten folgten zwei starke Auftritte im Tessin.

Ambri wurde mit 6:3 bezwungen, danach bestätigten die Tigers beim 5:4 gegen den HC Lugano ihre starke Frühform. Ein 4:0 in Biel war ein weiteres Ausrufezeichen. Erst die Generalprobe gegen Zug ging mit 2:3 verloren.

Die Bilanz von fünf Siegen aus sieben Spielen bei 24:15 Toren kann sich sehen lassen. Besonders bemerkenswert ist, dass Langnau gegen mehrere direkte National-League-Konkurrenten überzeugte. Testspiele bleiben allerdings nur ein Hinweis – ab Dienstag zählt es.

Warum wir Langnau auf Rang 11 setzen

Die Tigers wirken offensiv besser aufgestellt als vor einem Jahr. Dahlén und Pettersson können einer Linie eine Qualität geben, die Langnau zuletzt nicht konstant besass. Dazu kommen erfahrene Imports, ein solides Schweizer Goalie-Trio und eine Mannschaft, welche Paterlinis System seit Jahren kennt.

Dagegen stehen erhebliche Verluste. Pesonens Führungsqualitäten fehlen, Rohrbach hinterlässt eine grosse Lücke im Schweizer Angriff und auch Fahrni muss ersetzt werden. Zudem ist die Konkurrenz um die Play-In-Ränge ausgesprochen dicht. Zwischen Rang 8 und Rang 12 können am Ende wenige Punkte entscheiden.

Deshalb bleibt unsere Prognose vorsichtig. Rang 11 würde bedeuten, dass Langnau die Play-Ins erneut knapp verpasst. Gleichzeitig sehen wir die Tigers deutlich näher an Rang 10 als an den hintersten Positionen. Wenn Dahlén und Pettersson ihre SHL-Produktion in die National League übertragen und die Defensive stabil bleibt, ist ein Platz in den Play-Ins absolut realistisch.

Zum Saisonstart wartet gleich eine anspruchsvolle Aufgabe. Am Dienstag, 15. September, treten die Tigers auswärts beim HC Davos an. Im Dezember folgt ein weiteres Highlight: Langnau nimmt erstmals am Spengler Cup teil und eröffnet das Turnier am 26. Dezember gegen Adler Mannheim.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 11

  • Pluspunkt: Thierry Paterlini kennt Mannschaft und Umfeld bestens und besitzt langfristig das Vertrauen des Klubs.
  • Trumpf: Jonathan Dahlén und Emil Pettersson kommen als eingespieltes und produktives Offensivduo aus der SHL.
  • Chance: Fünf Siege aus sieben Vorbereitungsspielen und nur 15 Gegentore zeigen, dass die Tigers bereit wirken.
  • Risiko: Die Abgänge von Harri Pesonen und Dario Rohrbach kosten Langnau Führung, Tore und Qualität auf zentralen Positionen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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