SFV rückt von Infantino ab – Unterstützung wird neu geprüft

Gianni Infantino kann vor seiner geplanten Wiederwahl als FIFA-Präsident nicht mehr selbstverständlich mit der Unterstützung aus seiner Schweizer Heimat rechnen. Der Schweizerische Fussballverband überprüft seine bisherige Haltung und will erst nach Gesprächen mit anderen Verbänden entscheiden, ob er den Walliser im März 2027 erneut unterstützt. Einen formellen Entzug der Unterstützung hat der SFV bislang allerdings nicht beschlossen.

SFV-Präsident Peter Knäbel bestätigte Mitte September, dass der Verband seine ursprüngliche Haltung zu Infantino überdenkt. Die Schweiz beobachte die Entwicklungen innerhalb der FIFA genau, tausche sich mit anderen Verbänden aus und werde danach ihre Position festlegen. Knäbel verwies gleichzeitig darauf, dass sich der SFV bereits zum Fall Folarin Balogun und zu den umstrittenen Verkaufsplänen rund um «FIFA Forward Enterprise» positioniert habe.

Damit wächst zumindest die Unsicherheit über Infantinos Rückhalt in Europa. Frankreich hat seine Unterstützung für dessen Wiederwahl bereits offiziell zurückgezogen, Belgien kündigte ebenfalls an, eine weitere Amtszeit nicht unterstützen zu wollen. Infantino hält dennoch an seiner Kandidatur für die FIFA-Präsidentenwahl vom 18. März 2027 in Rabat fest.

Knäbel lässt die Entscheidung ausdrücklich offen

Entscheidend ist die genaue Formulierung des SFV. Der Schweizer Verband hat sich bislang nicht offiziell gegen Infantino gestellt. Knäbel bestätigte vielmehr, dass die frühere Unterstützung überprüft werde und diese Haltung weiterhin gelte, solange sich die Situation nicht verändere.

Der SFV will sich dabei nicht vorschnell festlegen. Knäbel verwies darauf, dass die Wahl erst im März 2027 stattfindet und sich zahlreiche Mitgliedsverbände bislang noch nicht abschliessend positioniert haben.

Für Infantino ist die Haltung des SFV dennoch von besonderer Bedeutung. Der FIFA-Präsident wurde in Brig geboren und besitzt die Schweizer Staatsbürgerschaft. Eine ausbleibende Unterstützung seines Heimatverbandes hätte deshalb eine besondere symbolische Wirkung, ohne dass daraus bereits Rückschlüsse auf den Ausgang der Wahl gezogen werden können.

Frankreich und Belgien gehen bereits weiter

Andere europäische Verbände haben ihre Position bereits deutlicher formuliert. Der französische Fussballverband FFF entzog Infantino am 10. September offiziell die Unterstützung für seine Wiederwahl.

Die Franzosen begründeten ihren Entscheid unter anderem mit ihrer Kritik an der FIFA-Governance und den Abläufen rund um das inzwischen aufgegebene Projekt «FIFA Forward Enterprise».

Auch der belgische Verband hat angekündigt, Infantino bei einer weiteren Amtszeit nicht unterstützen zu wollen. Belgien hatte seine ablehnende Haltung bereits Anfang September öffentlich gemacht.

Streit um FIFA Forward Enterprise

Ein wesentlicher Auslöser der aktuellen Auseinandersetzung ist «FIFA Forward Enterprise». Mit dem Projekt wollte die FIFA Teile ihrer kommerziellen Aktivitäten in einer neuen Struktur bündeln und externes Kapital aufnehmen.

Das Vorhaben wurde nach Widerstand verschiedener Konföderationen nicht weiterverfolgt. Kritiker beanstandeten insbesondere die Transparenz und die Art, wie der Entscheidungsprozess organisiert worden sei.

Die FIFA weist zentrale Vorwürfe zurück. In einem aktuellen US-Gerichtsverfahren bezeichnete der Weltverband Aussagen der UEFA als falsch beziehungsweise irreführend und bestritt, dass Infantino persönlich von dem geplanten Modell hätte profitieren sollen.

Infantino hat inzwischen zudem eine unabhängige externe Überprüfung der FIFA-Governance vorgeschlagen. Dabei sollen unter anderem Entscheidungsprozesse, Transparenz und Verantwortlichkeiten bei grossen strategischen Projekten untersucht werden.

SFV muss sich spätestens vor der Wahl festlegen

Für die Schweiz besteht damit noch kein unmittelbarer Entscheidungszwang. Der SFV hat angekündigt, die Entwicklungen weiter zu verfolgen und sich international mit anderen Verbänden auszutauschen.

Die nächste wichtige Etappe ist die Sitzung des FIFA-Councils am 15. Oktober in Zürich. Dort dürfte die Diskussion über Governance, Finanzierung und die geplante externe Überprüfung erneut eine zentrale Rolle spielen.

Spätestens vor dem FIFA-Kongress im März 2027 muss der Schweizer Verband jedoch entscheiden, wie er sich bei der Präsidentenwahl positioniert. Stand heute ist lediglich sicher: Eine automatische Unterstützung Infantinos durch den SFV gibt es nicht mehr.

⚽ DIE LAGE RUND UM INFANTINO

  • Der SFV überprüft seine bisherige Unterstützung und hat noch keinen endgültigen Entscheid getroffen.
  • Frankreich hat Infantino die Unterstützung für die Wiederwahl offiziell entzogen.
  • Belgien hat angekündigt, eine weitere Amtszeit Infantinos nicht zu unterstützen.
  • Infantino hält an seiner Kandidatur für die FIFA-Präsidentenwahl im März 2027 fest.
📊FIFA-PRÄSIDENTENWAHL 2027 – AKTUELLER STAND
Termin / Verband Aktueller Stand
Schweiz SFV überprüft seine bisherige Unterstützung; noch kein endgültiger Entscheid.
Frankreich FFF hat die Unterstützung für Infantinos Wiederwahl offiziell zurückgezogen.
Belgien Verband will eine weitere Amtszeit Infantinos nicht unterstützen.
15. Oktober 2026 Nächste Sitzung des FIFA-Councils in Zürich.
18. März 2027 FIFA-Präsidentenwahl beim Kongress in Rabat.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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