Saisonvorschau 5/14: Lausanne setzt auf seine starke Defensive

Der Lausanne HC gehört auch 2026/27 zu den ernsthaften Anwärtern auf die Schweizer Spitze. Nach einer enttäuschenderen Vorsaison haben die Waadtländer ihre ohnehin starke Defensive mit Michael Fora, Romain Loeffel und dem erfahrenen NHL-Verteidiger Colin Miller nochmals aufgewertet. Trotz gewichtiger Abgänge im Angriff sehen wir Lausanne vor Meister Fribourg-Gottéron: Unsere Prognose lautet Rang 3.

Gemessen an den beiden Finalteilnahmen 2024 und 2025 war die vergangene Saison ein Rückschritt. Lausanne beendete die Qualifikation nur auf Rang 6 und scheiterte anschliessend im Playoff-Viertelfinal an Genève-Servette. Besonders bitter: Im sechsten Spiel verspielte der LHC zuhause eine 3:0-Führung und verlor in der Verlängerung, im entscheidenden siebten Duell folgte in Genf ein 1:5.

Der Kader hat sich danach auffällig verschoben. Mit Théo Rochette, Ken Jäger und Dominik Kahun verlor Lausanne erhebliche offensive Qualität, während die Verteidigung nochmals stärker wurde. Gleichzeitig ist die Torhüterhierarchie nach dem Abgang von Connor Hughes nach Bern klarer geworden: Kevin Pasche übernimmt die Hauptrolle, Ewan Huet kehrte als weitere Schweizer Option zurück. Gerade die defensive Stabilität, die Kontinuität unter Geoff Ward und die enorme Qualität auf der blauen Linie lassen uns Lausanne Rang 3 zutrauen.

Rochettes Abgang hinterlässt eine grosse Lücke

Der bedeutendste Verlust ist Théo Rochette. Der Schweizer Nationalstürmer gehörte in der vergangenen Saison zu Lausannes wichtigsten Offensivspielern und entschied sich anschliessend für den Schritt nach Nordamerika.

Auch Ken Jäger fehlt. Der Center kehrte zu seinem Stammklub HC Davos zurück und übernimmt dort sogar das Captainamt. Dominik Kahun und Lausanne trennten sich ebenfalls.

Damit fehlen mehrere Spieler, die in der vergangenen Saison grosse offensive Verantwortung getragen hatten. Lausanne hat diese Verluste nicht einfach mit einem einzigen neuen Topskorer ersetzt.

Axel Simic kehrt zurück, Stefan Rüegsegger bringt Energie und Physis mit und Ray Fust erhält nach seinem Nordamerika-Abenteuer erneut eine Chance in der National League. Dazu sollen jüngere Spieler mehr Verantwortung übernehmen.

Lausannes Verteidigung ist aussergewöhnlich tief

Dafür hat Lausanne die Defensive auf einem Niveau verstärkt, das in der National League seinesgleichen sucht. Michael Fora wechselte vom HC Davos in die Waadt und bringt Physis, internationale Erfahrung und Führungsqualitäten mit.

Romain Loeffel kam im Zuge des Torhütergeschäfts mit Connor Hughes aus Bern. Der erfahrene Schweizer gehört seit vielen Jahren zu den offensiv stärksten Verteidigern der Liga und gibt Ward eine weitere hochwertige Option im Spielaufbau und Powerplay.

Dazu kommt Colin Miller. Der kanadische Rechtsschütze bringt mehr als 600 NHL-Partien Erfahrung mit und verleiht der Abwehr zusätzliche internationale Klasse.

Mit Erik Brännström und Sami Niku stehen weitere spielstarke Importverteidiger zur Verfügung. Aurélien Marti, Fabian Heldner, Nathan Vouardoux, Iñaki Baragano und weitere Schweizer sorgen zusätzlich für Tiefe.

Sieben Imports erhöhen den Konkurrenzkampf

Lausanne verfügt ebenfalls über mehr ausländische Feldspieler als verfügbare Importplätze. Neben Miller, Brännström und Niku stehen im Angriff Antti Suomela, Austin Czarnik, Drake Caggiula und Ahti Oksanen zur Verfügung.

Damit besitzt Ward verschiedene Möglichkeiten. Er kann mit drei Importverteidigern antreten oder einen zusätzlichen Ausländer im Angriff einsetzen.

Die Konkurrenzsituation ist ein grosser Vorteil über eine lange Qualifikation. Gleichzeitig muss der Trainer eine Balance finden, damit sich trotz der Rotation klare Rollen entwickeln.

Auf Schweizer Seite bleiben Damien Riat, Jason Fuchs, Yannick Zehnder und Benjamin Bougro wichtige offensive Stützen.

Lausanne sucht vorne weiterhin zusätzliche Tiefe

Dass die Offensive noch nicht endgültig komplett erscheint, zeigte sich auch auf dem Transfermarkt. Lausanne versuchte zuletzt, Miles Müller oder Manix Landry vorzeitig aus Ambri zu verpflichten.

Die Tessiner blockten einen sofortigen Wechsel bislang ab. Das Interesse zeigt jedoch deutlich, wo die sportliche Führung noch Verbesserungspotenzial sieht.

Defensiv gehört Lausanne zu den stärksten Teams der Liga. Offensiv muss sich dagegen erst zeigen, wer die Punkte von Rochette, Jäger und Kahun ersetzt.

Pasche erhält noch mehr Verantwortung

Nach dem Abgang von Connor Hughes nach Bern verändert sich auch die Situation im Tor. Kevin Pasche rückt endgültig ins Zentrum der Planung.

Der junge Schweizer hat bereits bewiesen, dass er auf höchstem National-League-Niveau bestehen kann. In den vergangenen Playoffs zeigte er mehrfach starke Leistungen und besitzt das Potenzial, über eine ganze Saison eine klare Nummer 1 zu sein.

Ewan Huet kehrte nach seiner Zeit in Kloten nach Lausanne zurück und ergänzt das Torhüterteam. Damit bleibt der LHC auch auf dieser Position vollständig mit Schweizern besetzt und kann sämtliche Importplätze für Feldspieler verwenden.

Ward steht für Kontinuität

Auch beim Trainer setzt Lausanne auf Stabilität. Geoff Ward steht seit 2022 an der Bande und führte den LHC 2024 und 2025 jeweils in den Playoff-Final.

Der Klub hielt trotz des Rückschritts in der vergangenen Saison an seinem Trainer fest. Das ist nachvollziehbar: Kaum ein Konkurrent verfügt über eine ähnlich gefestigte taktische Grundlage.

Für Ward wird es nun vor allem darum gehen, die enorme defensive Qualität in zusätzliche offensive Möglichkeiten umzuwandeln.

Die Vorbereitung liefert ein gemischtes Bild

Die Testphase verlief nicht ohne Schwankungen. Gegen Fribourg verlor Lausanne nach Verlängerung, gegen Bremerhaven gelang ein Sieg. Auch gegen Rouen setzte sich der LHC durch, während die Partie gegen Red Bull München verloren ging.

Die Generalprobe fiel deutlich positiver aus. Gegen den HC Sierre gewann Lausanne mit 6:1.

Testresultate sind im September nur bedingt aussagekräftig. Auffällig ist aber, dass Lausanne trotz der vielen Veränderungen defensiv bereits wieder strukturiert wirkt.

Warum wir Lausanne auf Rang 3 setzen

Für uns ist Lausanne der stärkste Herausforderer hinter ZSC und Davos. Die Defensive ist aussergewöhnlich tief, Ward verfügt über ein etabliertes System und Pasche besitzt die Qualität für eine starke Saison als Stammtorhüter.

Der Grund, weshalb wir Lausanne nicht noch höher einstufen, liegt fast ausschliesslich in der Offensive. Die Abgänge von Rochette, Jäger und Kahun sind erheblich.

Gelingt es Simic, Fust und weiteren Spielern, einen Teil dieser Produktion aufzufangen, ist Lausanne sogar ein Kandidat für die ersten beiden Plätze. Wir sehen die Waadtländer jedenfalls knapp vor Titelverteidiger Fribourg-Gottéron, der nach seiner Meistersaison ebenfalls mehrere zentrale Veränderungen verkraften muss.

Zum Auftakt wartet bereits ein interessantes Duell: Am 15. September empfängt Lausanne den EV Zug.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 3

  • Pluspunkt: Mit Fora, Loeffel, Miller und weiteren starken Verteidigern besitzt Lausanne eine der tiefsten Defensiven der National League.
  • Trumpf: Kevin Pasche übernimmt noch mehr Verantwortung, während Geoff Wards System seit Jahren etabliert ist.
  • Chance: Simic, Fust und weitere Schweizer müssen einen Teil der verlorenen Offensivproduktion auffangen.
  • Risiko: Die Abgänge von Rochette, Jäger und Kahun hinterlassen im Angriff deutlich grössere Fragezeichen als in der Defensive.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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