Saisonvorschau 11/14: Biel sucht mit Skinner den Weg zurück

Der EHC Biel hat nach zwei schwierigen Jahren deutlich an Qualität gewonnen. Mit NHL-Routinier Jeff Skinner besitzt Christian Dubé einen potenziellen Unterschiedsspieler, während Victor Söderström, Alexander Iakovenko, Dominic Zwerger und Joël Vermin den Kader zusätzlich aufwerten. Trotzdem bleiben nach einer wechselhaften Vorbereitung genügend Fragezeichen: Unsere Prognose lautet Rang 12.

Biel beendete die vergangene Qualifikation auf Rang 10 und erreichte damit immerhin wieder die Play-Ins. Dort begann das Duell mit dem SC Bern verheissungsvoll: Die Seeländer gewannen das Hinspiel in der Tissot Arena 4:3, gingen zwei Tage später in Bern aber mit 0:4 unter und schieden mit einem Gesamtscore von 4:7 aus. Damit wurde das Ziel, wieder in die Playoffs einzuziehen, erneut verpasst.

Christian Dubé hatte die Mannschaft erst im Januar übernommen und konnte sie in der Schlussphase stabilisieren. Nun absolvierte er erstmals eine komplette Vorbereitung mit dem Team. Sportchef Martin Steinegger reagierte gleichzeitig auf mehreren Positionen: Skinner bringt mehr als 1100 NHL-Spiele mit, Söderström und Rückkehrer Iakovenko verstärken die Defensive, Zwerger erweitert die Schweizer Offensive und mit Vermin kam kurz vor Saisonbeginn nochmals viel Erfahrung hinzu.

Dubé bekommt erstmals eine komplette Saison

Christian Dubé übernahm den EHC Biel am 21. Januar nach der Freistellung von Martin Filander. Der frühere Gottéron-Trainer unterschrieb bis zum Ende der Saison 2026/27 und steht für ein aktives, intensives und strukturiertes Eishockey.

In der vergangenen Spielzeit blieb kaum Zeit, die Mannschaft grundlegend nach seinen Vorstellungen zu formen. Trotzdem schaffte Biel unter Dubé noch den Sprung in die Play-Ins. Nun konnte der Trainer erstmals eine komplette Sommer- und Saisonvorbereitung gestalten.

Das dürfte ein wichtiger Faktor sein. Biel hat in den vergangenen Jahren immer wieder gezeigt, dass genügend individuelle Qualität vorhanden ist. Gefehlt haben Konstanz, defensive Stabilität und eine klare Identität über längere Phasen.

Die Führungsstruktur ist dabei klar. Gaëtan Haas bleibt Captain. Yanik Burren, Lias Andersson, Toni Rajala, Harri Säteri, Fabio Hofer und Dario Trutmann unterstützen ihn im erweiterten Captainteam.

Skinner ist der spektakulärste Transfer

Kein Neuzugang sorgt im Seeland für mehr Aufmerksamkeit als Jeff Skinner. Der 34-jährige Kanadier absolvierte mehr als 1100 NHL-Spiele und erzielte in der besten Liga der Welt über 370 Tore. In der Schweiz besitzt kaum ein Spieler einen vergleichbaren offensiven Leistungsausweis.

Skinner unterschrieb bis Ende April 2027 und soll vor allem dort helfen, wo Biel zuletzt zu oft Probleme hatte: beim Verwerten guter Torchancen. Der Flügel besitzt einen ausgeprägten Torinstinkt, starke Hände und genügend Erfahrung, um auch in engen Spielen den Unterschied zu machen.

Bei seinem ersten Bieler Auftritt gegen Langnau blieb er zwar ohne Treffer, deutete seine technischen Qualitäten aber bereits an. Skinner ist für Biel zudem offenbar deutlich günstiger als sein grosser Name vermuten lässt.

Entscheidend wird sein, wie rasch er sich an das grössere Eis und die Abläufe seiner neuen Mitspieler gewöhnt. Seine individuelle Qualität steht ausser Frage.

Zwerger und Vermin stärken den Schweizer Teil des Kaders

Mindestens ebenso wichtig ist Dominic Zwerger. Der langjährige Ambri-Stürmer wechselte mit einem Vierjahresvertrag bis 2030 nach Biel. Zwerger besitzt einen guten Abschluss, viel Energie und kennt die National League bestens.

Kurz vor Saisonbeginn folgte Joël Vermin. Der 34-Jährige kam vom SC Bern und unterschrieb für eine Saison. Vermin kann verschiedene Rollen übernehmen und bringt Erfahrung aus der National League, der NHL, der AHL und der Schweizer Nationalmannschaft mit.

Der Transfer war gleichzeitig Teil einer überraschenden Veränderung. Johnny Kneubühler verliess Biel vorzeitig und wechselte zu Genève-Servette, nachdem keine gemeinsame langfristige Perspektive gefunden worden war.

Zusammen mit Captain Haas, Mark Sever, Jonah Neuenschwander, Fabio Hofer, Jérémie Bärtschi und weiteren Schweizer Stürmern besitzt Dubé damit eine interessante Mischung aus Erfahrung und Jugend.

Söderström und Iakovenko verändern die Defensive

Auch in der Verteidigung wurde kräftig gearbeitet. Victor Söderström unterschrieb bis 2028. Der schwedische Verteidiger bringt viel Mobilität und Qualität im Spielaufbau mit und soll eine zentrale Rolle übernehmen.

Alexander Iakovenko kennt Biel bereits bestens. Der 27-Jährige kehrte im Juli zurück und erhielt gleich einen Vertrag bis 2031. Seine Spielintelligenz, sein Stellungsspiel und seine Fähigkeit, Angriffe sauber einzuleiten, machen ihn zu einem wichtigen Baustein.

Dazu kam Dario Trutmann vom ZSC. Der erfahrene Schweizer ist besonders defensiv und im Unterzahlspiel wertvoll.

Gleichzeitig verliessen mit Linus Hultström und Rodwin Dionicio zwei Verteidiger den Klub. Dionicio wechselte zum SC Bern, Hultströms Vertrag wurde vorzeitig aufgelöst. Biel hat seine Defensive damit nicht bloss ergänzt, sondern deutlich verändert.

Ein längerfristiger Ausfall schmerzt zusätzlich: Niklas Blessing zog sich Ende Juli einen Kreuzbandriss zu und fällt mehrere Monate aus.

Säteri bleibt ein entscheidender Faktor

Im Tor vertraut Biel weiterhin auf Harri Säteri. Der finnische Olympiasieger gehört seit Jahren zu den wichtigsten Spielern der Mannschaft und besitzt einen Vertrag bis 2027.

Säteri kann Biel an starken Abenden praktisch im Alleingang im Spiel halten. Genau diese Qualität wird auch in der neuen Saison benötigt. Hinter einer teilweise neu zusammengesetzten Defensive dürfte der Routinier besonders zu Beginn stark gefordert sein.

Seine Rolle geht inzwischen über die reinen Paraden hinaus. Säteri gehört auch zum Captainteam und ist damit eine der zentralen Führungspersonen im Kader.

Für Biel wird entscheidend sein, Säteri nicht permanent übermässig belasten zu müssen. Wenn die Defensive vor ihm stabiler arbeitet, dürfte auch der Finne nochmals von der neuen Struktur profitieren.

Starker Start – schwaches Ende der Vorbereitung

Die Resultate der Vorbereitung liefern ein widersprüchliches Bild. Biel begann mit fünf Siegen in Serie. Ajoie wurde 6:5 nach Penaltyschiessen bezwungen, gegen Dynamo Pardubice gewann der EHCB 3:2 nach Verlängerung.

Beim Red Bulls Salute folgte anschliessend ein überzeugendes 6:2 gegen Red Bull Salzburg. Auch die Spiele gegen Olten und La Chaux-de-Fonds gingen mit 5:3 beziehungsweise 5:4 an Biel.

Bis dahin sah die Bilanz ausgezeichnet aus.

Die beiden letzten Tests änderten den Eindruck allerdings deutlich. Zuhause gegen die SCL Tigers verlor Biel 0:4, obwohl Skinner erstmals zum Einsatz kam. In der Generalprobe folgte ein 4:7 gegen den SC Bern.

Damit schliesst Biel die sieben Testspiele mit fünf Siegen, zwei Niederlagen und einem Torverhältnis von 29:27 ab. Die 27 Gegentore zeigen gleichzeitig, wo Dubé noch Arbeit vor sich hat.

Warum wir Biel auf Rang 12 setzen

Auf den ersten Blick wirkt Rang 12 angesichts der prominenten Verpflichtungen hart. Skinner kann ein Unterschiedsspieler sein, Söderström und Iakovenko verbessern die Verteidigung und Zwerger sowie Vermin erhöhen die Qualität bei den Schweizer Stürmern.

Auch Haas, Rajala, Andersson, Sylvegård und Säteri geben dieser Mannschaft genügend Erfahrung für deutlich mehr.

Das Problem liegt für uns weniger bei den einzelnen Namen als bei der Gesamtkonstruktion. Mehrere zentrale Rollen wurden neu besetzt, die Defensive muss sich erst finden und Biel hat in den vergangenen beiden Jahren zu wenig Konstanz gezeigt. Die Niederlagen gegen Langnau und Bern zum Abschluss der Vorbereitung bestätigen zumindest, dass noch nicht alle Probleme gelöst sind.

Hinzu kommt eine sehr ausgeglichene Konkurrenz. Zwischen den Mannschaften im Bereich der Play-Ins dürften erneut wenige Punkte liegen. Biel kann deshalb problemlos auf Rang 8 oder 9 vorstossen, wenn Skinner sofort produziert und die Defensive funktioniert. Ebenso schnell kann der Klub aber unter den Strich rutschen.

Deshalb lautet unsere vorsichtige Prognose Rang 12. Biel besitzt aus unserer Sicht mehr individuelle Qualität als diese Platzierung vermuten lässt, muss aber erst beweisen, dass aus den vielen interessanten Einzelteilen eine konstant funktionierende Mannschaft geworden ist.

Der Start bietet dafür gleich einen perfekten Gradmesser. Am Dienstag, 15. September, empfängt Biel den amtierenden Schweizer Meister Fribourg-Gottéron. Danach folgen zwei weitere Heimspiele gegen Langnau und Ambri-Piotta.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 12

  • Pluspunkt: Mit Skinner, Haas, Rajala, Andersson und Säteri besitzt Biel auf Schlüsselpositionen sehr viel internationale Erfahrung.
  • Trumpf: Jeff Skinner bringt mehr als 1100 NHL-Spiele und über 370 NHL-Tore mit – einen solchen Leistungsausweis besitzt kaum ein Spieler der Liga.
  • Chance: Söderström, Iakovenko, Zwerger, Trutmann und Vermin geben Dubé deutlich mehr Möglichkeiten als noch in der vergangenen Saison.
  • Risiko: 27 Gegentore in sieben Testspielen und die beiden klaren Niederlagen zum Abschluss zeigen, dass die defensive Stabilität noch nicht selbstverständlich ist.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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