Saisonvorschau 14/14: Genève-Servette greift mit Hallam wieder an

Genève-Servette geht mit einem der spannendsten Trainerwechsel der National League in die neue Saison. Sam Hallam übernimmt einen Kader, der bereits im vergangenen Frühling bis in den Halbfinal vorgestossen ist und mit Ramon Untersander, Mika Henauer, Johnny Kneubühler und weiteren Neuzugängen zusätzliche Tiefe erhalten hat. Die ersten Auftritte in der Champions Hockey League bestätigen das Potenzial – unsere Prognose lautet Rang 6.

Die Genfer beendeten die Qualifikation 2025/26 auf Rang 3 und meldeten sich damit eindrücklich in der Spitzengruppe zurück. Im Viertelfinal entwickelte sich gegen Lausanne eine dramatische Serie über sieben Spiele, aus der Genève-Servette als Sieger hervorging. Erst im Halbfinal war gegen den späteren Meister Fribourg-Gottéron Schluss: Die Grenat verloren die Serie mit 1:4 und verpassten damit die Rückkehr in den Final.

Trotzdem wurde hinter der Bande ein kompletter Neustart vollzogen. Sam Hallam hat für drei Jahre übernommen, unterstützt wird der Schwede von Christer Olsson und dem ehemaligen ZSC-Headcoach Marco Bayer. Gleichzeitig blieb der hochklassige ausländische Kern um Sakari Manninen, Markus Granlund, Jesse Puljujärvi, Jimmy Vesey, Vili Saarijärvi und Jan Rutta erhalten. Genau diese Mischung aus Kontinuität und neuen Impulsen macht Genève-Servette für uns erneut zu einem Kandidaten für die direkte Playoff-Qualifikation.

Hallam bringt einen beeindruckenden Leistungsausweis mit

Die wichtigste Veränderung findet an der Bande statt. Sam Hallam gehört seit Jahren zu den renommiertesten Trainern im europäischen Eishockey. Mit den Växjö Lakers gewann er drei schwedische Meistertitel, ehe er 2022 die schwedische Nationalmannschaft übernahm.

Mit Tre Kronor holte Hallam unter anderem WM-Bronze 2024 und 2025. Nun beginnt für den 46-Jährigen ein neues Kapitel in der National League. Sein Vertrag in Genf läuft bis 2029.

Der Klub hat Hallam zudem einen hochkarätigen Staff zur Seite gestellt. Christer Olsson bringt jahrzehntelange Erfahrung aus Schweden, Österreich und der Schweiz mit. Marco Bayer kennt die National League ebenfalls bestens und gewann mit den ZSC Lions als Trainer Meisterschaft und Champions Hockey League.

Damit setzt Genève-Servette nicht nur auf einen neuen Headcoach, sondern praktisch auf eine komplett neue sportliche Führung hinter der Bande.

Der Kern der Offensive bleibt aussergewöhnlich stark

Offensiv besitzt Hallam weiterhin eine der interessantesten Importgruppen der Liga. Sakari Manninen, Markus Granlund, Jesse Puljujärvi und Jimmy Vesey bringen allesamt internationale Erfahrung und grosse individuelle Qualität mit.

Gerade das Zusammenspiel von Manninen, Puljujärvi und Vesey funktionierte bereits in den ersten Pflichtspielen hervorragend. Beim 6:2 gegen die Eisbären Berlin war die Genfer Offensive kaum zu kontrollieren. Auch gegen Storhamar fand das Team nach zweimaligem Rückstand noch eine Lösung.

Mit Vincent Praplan, Noah Rod, Josh Jooris, Luca Hischier, Matthew Verboon, Marco Miranda, Tim Bozon und Simas Ignatavicius besitzt der GSHC zudem viel Schweizer beziehungsweise mit Schweizer Lizenz spielende Qualität.

Captain Noah Rod bleibt dabei eine zentrale Figur. Der Klub hat seinen Vertrag langfristig verlängert. Noah Rod bleibt Genève-Servette bis 2030 erhalten und soll weiterhin für jene Identität stehen, die der Klub in der vergangenen Saison wiedergefunden hat.

Kneubühler und Müller erhöhen die Tiefe

Johnny Kneubühler ist einer der interessantesten Schweizer Neuzugänge. Der gebürtige Genfer kehrte früher als ursprünglich geplant zu seinem Ausbildungsklub zurück. Nach der Einigung mit dem EHC Biel wechselte er bereits in diesem Sommer und besitzt einen Vertrag bis 2030.

Auch Nicolas Müller kommt aus Biel. Der 26-Jährige kann sowohl am Flügel als auch im Zentrum eingesetzt werden und bringt Physis, Tempo und defensive Zuverlässigkeit mit.

Mit Tristan Lemyre stiess zudem ein Canado-Schweizer aus der NCAA zum Team. Der 25-Jährige erhält seine erste Chance im professionellen Eishockey und erweitert die Konkurrenz im Angriff.

Gerade diese Tiefe könnte während einer langen Saison entscheidend werden. Genève spielt parallel zur National League in der Champions Hockey League und braucht deshalb mehr als nur drei funktionierende Sturmreihen.

Untersander und Henauer ersetzen viel Qualität

In der Verteidigung musste Genève einen gewichtigen Abgang verkraften. Tim Berni kehrte zu den ZSC Lions zurück und unterschrieb dort langfristig.

Sportchef Marc Gautschi hat darauf prominent reagiert. Ramon Untersander wechselte nach elf Jahren beim SC Bern an den Genfersee. Der frühere Berner Captain bringt mehr als 800 National-League-Partien, mehrere Meistertitel und enorme Erfahrung mit.

Mit Mika Henauer kam gleichzeitig einer der gefragteren Schweizer Verteidiger auf dem Markt. Der 25-Jährige wechselte von Rapperswil nach Genf und unterschrieb für zwei Jahre.

Zusammen mit Vili Saarijärvi, Jan Rutta, Simon Le Coultre, Roger Karrer, Giancarlo Chanton und Dave Sutter besitzt Hallam damit eine sehr breit aufgestellte Abwehr.

Saarijärvi hat seine offensive Bedeutung bereits wieder gezeigt. In der Champions Hockey League erzielte der Finne den entscheidenden Treffer zum 1:0 bei GKS Tychy.

Charlin und Mayer geben Sicherheit im Tor

Auch auf der Goalieposition ist Genève stark aufgestellt. Stéphane Charlin und Robert Mayer bilden erneut ein rein schweizerisches Duo.

Charlin kam nach seiner herausragenden Zeit in Langnau nach Genf und besitzt einen langfristigen Vertrag. Mayer wiederum verfügt über enorme Erfahrung und zeigte beim letzten Testspiel gegen Ajoie eine starke Leistung beim 1:0-Erfolg.

Damit kann Hallam auf dieser Position rotieren, ohne einen Importplatz einsetzen zu müssen. Gerade angesichts der zusätzlichen Belastung durch die Champions Hockey League ist diese Konstellation wertvoll.

Die ersten Pflichtspiele haben zudem gezeigt, dass beide Torhüter Spiele auf hohem Niveau bestreiten können.

Nur zwei Tests – dafür bereits vier Ernstkämpfe

Die Vorbereitung von Genève-Servette unterschied sich deutlich von jener der meisten Konkurrenten. Hallams Mannschaft absolvierte lediglich zwei klassische Testspiele.

Zum Auftakt verlor der GSHC trotz einer über weite Strecken guten Leistung mit 3:4 gegen Fribourg-Gottéron. Gegen Ajoie folgte anschliessend ein 1:0-Erfolg.

Danach begann bereits die Champions Hockey League. Gegen den dreifachen deutschen Meister Eisbären Berlin gelang ein beeindruckendes 6:2. Storhamar wurde nach zweimaligem Rückstand mit 3:2 bezwungen.

Beim schwedischen Spitzenteam Skellefteå hielt Genève ebenfalls hervorragend mit. Erst 22 Sekunden vor Schluss fiel das entscheidende Tor zur 2:3-Niederlage.

Die Reaktion folgte in Polen. Gegen GKS Tychy blieb die Partie bis in die Schlussminuten torlos, ehe Saarijärvi den 1:0-Sieg sicherstellte.

Damit hat Hallams Mannschaft vor dem National-League-Start bereits vier Pflichtspiele absolviert und drei davon gewonnen.

Warum wir Genève-Servette auf Rang 6 setzen

Genève besitzt genügend Qualität, um deutlich weiter vorne zu landen. Der ausländische Kern ist hochklassig, Rod, Praplan, Le Coultre, Karrer, Untersander und weitere Schweizer Spieler geben dem Kader zusätzliche Substanz und mit Charlin sowie Mayer ist auch die Goalieposition gut besetzt.

Besonders spannend ist der Einfluss von Hallam. Seine Mannschaft zeigt bereits früh Ansätze eines strukturierten, intensiven und offensiv mutigen Spiels. Siege gegen Berlin, Storhamar und Tychy sowie die knappe Niederlage in Skellefteå sind ein starkes erstes Signal.

Trotzdem erwarten wir eine extrem enge Spitzengruppe. ZSC, Davos, Lausanne, Fribourg und Zug besitzen ebenfalls Kader mit enormer Qualität. Genève muss sich gleichzeitig an einen neuen Trainer und neue Abläufe gewöhnen und hat durch die Champions Hockey League eine zusätzliche Belastung.

Deshalb setzen wir die Grenat auf Rang 6 – den letzten direkten Playoff-Platz. Die Unterschiede zu den Teams unmittelbar davor sind für uns allerdings gering. Funktioniert Hallams System schnell und bleibt der Kern gesund, kann Genève ohne Weiteres auch um einen Platz in den Top 4 kämpfen.

Der National-League-Start erfolgt am Dienstag, 15. September, auswärts beim HC Lugano. Bereits am Freitag folgt gegen Ajoie das erste Heimspiel in den Vernets, bevor am Samstag der schwere Gang zu den ZSC Lions wartet.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 6

  • Pluspunkt: Der Kern um Manninen, Granlund, Puljujärvi, Vesey, Saarijärvi und Rutta besitzt enorme internationale Qualität.
  • Trumpf: Sam Hallam bringt drei schwedische Meistertitel und jahrelange Erfahrung auf höchstem europäischem Niveau mit.
  • Chance: Untersander, Henauer, Kneubühler und Müller machen den Schweizer Teil des Kaders breiter und konkurrenzfähiger.
  • Risiko: Neuer Trainerstaff, neue Systeme und die zusätzliche CHL-Belastung können während der Qualifikation Punkte kosten.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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