Saisonvorschau 12/14: Fribourg verteidigt den Titel mit neuer Hierarchie

Fribourg-Gottéron startet erstmals in seiner Geschichte als amtierender Schweizer Meister in eine National-League-Saison. Roger Rönnberg besitzt weiterhin einen hochklassigen Kern, muss nach den Abgängen von Julien Sprunger, Reto Berra, Lucas Wallmark und weiteren Meisterspielern aber wichtige Rollen neu verteilen. Wir trauen den Drachen erneut eine starke Qualifikation zu – unsere Prognose lautet Rang 4.

Die vergangene Saison war historisch. Fribourg beendete die Qualifikation mit 100 Punkten auf Rang 2 und krönte die Spielzeit am 30. April in Davos. Im siebten Finalspiel gewann Gottéron 3:2 nach Verlängerung, Lucas Wallmark erzielte in der 65. Minute den entscheidenden Treffer und beendete damit die jahrzehntelange Jagd nach dem ersten Schweizer Meistertitel der Klubgeschichte.

Danach veränderte sich die Mannschaft stärker, als es bei einem Titelverteidiger auf den ersten Blick erscheinen mag. Klublegende Sprunger beendete seine Karriere, Berra verliess Fribourg ebenso wie Wallmark, Ty Rattie, Kyle Rau und mehrere weitere Spieler. Neu dabei sind unter anderem Anthony Richard, Jonas Taibel und Rückkehrer Ludovic Waeber. Andrea Glauser übernimmt das Captainamt von Sprunger und steht damit sinnbildlich für die neue Hierarchie beim Meister.

Rönnberg hat Fribourg auf die nächste Stufe gehoben

Roger Rönnberg benötigte nur eine Saison, um das zu erreichen, worauf Fribourg-Gottéron jahrzehntelang gewartet hatte. Der Schwede führte seine Mannschaft zunächst auf Rang 2 der Qualifikation und anschliessend durch intensive Playoffs bis zum ersten Meistertitel.

Besonders beeindruckend war die Widerstandsfähigkeit. Im Final gegen Davos geriet Gottéron mehrfach unter Druck, rettete sich aber in ein siebtes Spiel und gewann die entscheidende Partie auswärts. Genau diese mentale Stärke gehört nun zu den grössten Argumenten für eine weitere Spitzensaison.

Die Aufgabe verändert sich allerdings. Fribourg ist nicht mehr der Herausforderer, sondern der Titelverteidiger. Gegner werden besonders motiviert auftreten, während gleichzeitig die Erwartungen rund um die BCF Arena nochmals gestiegen sind.

Sprunger und Berra hinterlassen grosse Lücken

Der grösste Verlust lässt sich nicht allein mit Statistiken erklären. Julien Sprunger war über viele Jahre das Gesicht des Klubs und führte Gottéron als Captain endlich zum Meistertitel. Nach 1186 Partien im Freiburger Trikot ist seine aktive Karriere beendet.

Auch Reto Berra hinterlässt eine zentrale Lücke. Der erfahrene Torhüter war während der vergangenen Qualifikation einer der wichtigsten Faktoren auf dem Weg zu Rang 2 und spielte auch in den Playoffs eine bedeutende Rolle.

Hinzu kommen die Abgänge von Lucas Wallmark, Ty Rattie, Kyle Rau, Jérémi Gerber, Kevin Etter, Juuso Arola und weiteren Spielern. Gerade Wallmark verabschiedete sich mit dem wertvollsten Treffer überhaupt: seinem Meistertor in Davos.

Fribourg muss deshalb nicht nur Produktionszahlen ersetzen. Es geht ebenso um Führungsstärke, Erfahrung und eine neue Verteilung der Verantwortung.

Glauser übernimmt das Captainamt

Die Nachfolge von Sprunger ist geregelt. Andrea Glauser ist der neue Captain der Drachen. Der Schweizer Nationalverteidiger kehrte erst vor einem Jahr zu seinem Ausbildungsklub zurück und besitzt einen langfristigen Vertrag bis 2032.

Glauser wird von Jacob de la Rose, Christoph Bertschy und Sandro Schmid unterstützt. Damit verteilt Gottéron die Verantwortung auf einen Kern von Spielern, die sportlich wie charakterlich eine wichtige Rolle einnehmen.

Gerade Schmids Rückkehr ist wertvoll. Der Schweizer Internationale hatte wegen einer Verletzung die gesamten vergangenen Playoffs verpasst. Kurz vor dem Meisterschaftsstart gelang nun Sandro Schmid nach monatelanger Pause die Rückkehr in den Spielbetrieb.

Richard und Taibel sollen die Offensive auffrischen

Der prominenteste neue Stürmer ist Anthony Richard. Der Kanadier bringt viel Tempo und offensive Qualität mit und zeigte bereits bei seinem ersten CHL-Einsatz, weshalb Fribourg ihn verpflichtet hat. Beim 4:2-Erfolg in Graz traf Richard doppelt.

Mit Jonas Taibel kommt gleichzeitig eines der interessanteren jungen Schweizer Offensivtalente. Der 21-Jährige wechselte von den Rapperswil-Jona Lakers nach Freiburg und unterschrieb bis 2029. Beim 3:1-Auswärtssieg gegen Klagenfurt erzielte er gleich zwei Tore innerhalb des entscheidenden Powerplays.

Der Kern der Offensive bleibt ohnehin stark. Henrik Borgström, Marcus Sörensen, Jacob de la Rose, Christoph Bertschy, Sandro Schmid, Samuel Walser und Nathan Marchon geben Rönnberg zahlreiche Optionen.

Besonders Borgström entwickelte sich in seiner ersten Freiburger Saison sofort zu einem zentralen Offensivspieler. Zusammen mit Sörensen und de la Rose besitzt Gottéron weiterhin genügend internationale Klasse, um auch gegen die stärksten Mannschaften der Liga zu bestehen.

Waeber tritt das schwierige Berra-Erbe an

Im Tor beginnt eine neue Ära. Ludovic Waeber kehrt zu seinem Stammklub zurück und hat einen Vertrag bis 2030 unterschrieben. Der 30-Jährige kennt die National League bestens und sammelte während seiner Karriere zusätzlich Erfahrung in Nordamerika.

Hinter ihm stehen mit Loïc Galley und Elijah Neuenschwander zwei weitere Schweizer Torhüter zur Verfügung. Damit verzichtet Gottéron auch nach Berras Abgang auf einen Importgoalie.

Das ist strategisch wertvoll, erhöht aber gleichzeitig den Druck auf Waeber. Berra gehörte in den vergangenen Jahren zu den prägenden Figuren der Mannschaft. Kann Waeber diese Position stabil ausfüllen, bleibt Fribourg auch strukturell hervorragend aufgestellt.

Die Defensive bleibt eine grosse Stärke

Vor dem Tor besitzt Fribourg weiterhin eine der stärkeren Verteidigungen der National League. Michael Kapla, Patrik Nemeth, Yannick Rathgeb, Maximilian Streule, Benoît Jecker, Simon Seiler und Captain Glauser sorgen für Qualität und Tiefe.

Kapla und Rathgeb bringen zudem beträchtliche offensive Qualitäten mit. Beide können das Powerplay führen und Angriffe aus der eigenen Zone sauber eröffnen.

Gerade diese Stabilität ist ein Grund, weshalb wir trotz der gewichtigen Abgänge keinen grossen Absturz erwarten. Der Meisterkern wurde verändert, aber keineswegs auseinandergerissen.

Vier Testsiege – danach zwei CHL-Niederlagen

Die Vorbereitung verlief zunächst makellos. Fribourg gewann alle vier Testspiele gegen Genève-Servette, Lausanne, Rouen und Bremerhaven.

Auch der Start in die Champions Hockey League gelang. Beim österreichischen Meister Graz99ers siegte Gottéron 4:2, zwei Tage später folgte ein 3:1 bei Klagenfurt.

Die beiden Heimspiele unmittelbar vor dem National-League-Start brachten jedoch den ersten Dämpfer. Gegen Pilsen verlor Fribourg 2:4, am Sonntag unterlagen die Drachen Adler Mannheim trotz dreimaliger Führung mit 3:4.

Damit geht der Meister nicht mit einer perfekten Bilanz in die neue Saison. Gleichzeitig haben diese internationalen Partien bereits deutlich mehr Wettkampfcharakter als gewöhnliche Testspiele und dürften Rönnbergs Mannschaft beim National-League-Start helfen.

Warum wir Fribourg auf Rang 4 setzen

Fribourg bleibt ein Titelkandidat. Rönnberg hat sein System etabliert, die Defensive besitzt enorme Qualität und mit Borgström, Sörensen, de la Rose, Richard, Schmid und Bertschy steht weiterhin viel offensives Potenzial zur Verfügung.

Trotzdem sind die Veränderungen erheblich. Berra muss im Tor ersetzt werden, Sprungers Einfluss verschwindet aus der Kabine und mit Wallmark fehlt ein Importspieler, der in den entscheidenden Momenten geliefert hat. Ob alle neuen Rollen sofort funktionieren, ist nicht garantiert.

Deshalb sehen wir Gottéron in der Qualifikation knapp hinter ZSC, Davos und Lausanne auf Rang 4. Das wäre keineswegs ein Rückschritt von grosser Bedeutung. Entscheidend wird für den Meister ohnehin sein, im Frühling erneut seine beste Form zu erreichen.

Der erste Ernstkampf in der National League wartet am Dienstag, 15. September. Fribourg tritt um 19.45 Uhr in der Tissot Arena beim EHC Biel an. Drei Tage später folgt gegen Lausanne das erste Meisterschafts-Heimspiel in der BCF Arena.

🏆 UNSERE PROGNOSE: RANG 4

  • Pluspunkt: Rönnberg kann weiterhin auf einen starken Kern um Borgström, Sörensen, de la Rose, Kapla, Rathgeb und zahlreiche Schweizer Nationalspieler bauen.
  • Trumpf: Die Defensive gehört auch nach dem Meistertitel zu den tiefsten und qualitativ stärksten der Liga.
  • Chance: Anthony Richard, Jonas Taibel und der zurückgekehrte Sandro Schmid können der Offensive neue Dynamik geben.
  • Risiko: Mit Sprunger, Berra und Wallmark fehlen drei prägende Figuren der Meistermannschaft, deren Rollen neu verteilt werden müssen.

 

Quelle: belmedia-Redaktion
Bildquelle: Symbolbild – Titelbild – KI-generiert

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